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Umweltpolitik

Eben kurz die Welt retten? 10 Fragen an die Energiewende

Eben kurz die Welt retten? 10 Fragen an die Energiewende

Alle fordern eine globale Wende des Atomzeitalters: Energiewende heißt das Zauberwort. Was dahinter steckt? Die Dreifaltigkeit Einsparung, Effizienz, Erneuerbar. Denn: Die umweltfreundlichste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Warum ein Wandel nötig ist und wie er möglich ist.
  • Energiewende

    imago/Jochen Tack

    Vor drei Jahren hat die Bundesregierung offiziell das Atomzeitalter beendet und in dem Zuge fast die Hälfte der deutschen Kernkraftwerke vom Netz genommen. Auslöser dafür war die Nuklearkatastrophe in Fukushima. Die Japaner haben jedoch nicht aus dem Super-GAU gelernt: Sie steigen aus dem Atomausstieg aus. Ja, sie planen sogar den Bau neuer Atomreaktoren und wollen stillgelegte wieder hochfahren. Ganz anders sieht die Lage in Deutschland aus: Die Bundesregierung will als einer der weltweiten Vorreiter im Klimaschutz ein Energiekonzept realisieren, das unter dem vagen Begriff der Energiewende läuft. Wir haben uns gefragt: Was steckt dahinter?

  • Ziele der Energiewende

    imago/blickwinkel

    Mit dem „Energiekonzept 2050“ hat sich die deutsche Bundesregierung das Ziel gesetzt, eine zuverlässige, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung zu ermöglichen. Das heißt konkret: Bis zum Jahr 2050 will Deutschland komplett auf atomare und fossile Energieträger verzichten. Fossile Energie wird aus Braunkohle, Steinkohle, Torf, Erdgas und Erdöl gewonnen – allesamt Millionen Jahre alte Abbauprodukte von toten Pflanzen und Tieren. Für einen nachhaltigen Stromersatz sorgen dann ausschließlich erneuerbare Energien. Dabei sollen 80 bis 95 Prozent weniger Treibhausgase entstehen, denn: Momentan nimmt der Energiesektor mit mehr als 80 Prozent den Löwenanteil der CO2-Emissionen ein. Deshalb auch noch der sportliche Vorsatz, unseren Primärenergiebedarf bis 2050 um 50 Prozent zu senken. Ein Kernelement ist dabei die Sanierung von älteren Gebäuden. Unter anderem sollen moderne Heizungsanlagen und eine optimale Wärmedämmung helfen, Energie zu sparen.

  • Gründe für die Energiewende

    imago/IPON

    Stichwort Nr. 1 „Fukushima“: Die atomare Katastrophe, die sich in Japan im März 2011 abspielte, hat erneut gezeigt, welche immensen Risiken die Kernkraft birgt. Erst Ende vergangenen Jahres ist beim Austausch eines Brennelements im deutschen Atomkraftwerk Neckarwestheim II radioaktive Strahlung ausgetreten. Verzichtet Deutschland auf Atomenergie und baut die verbleibenden Kraftwerke Stück für Stück zurück, wird solchen potenziellen Gefahren wirksam der Nährboden entzogen. Stichwort Nr. 2 „Treibhausgase“: Ein Eisbär schwimmt durch das arktische Meer, verzweifelt auf der Suche nach Eisschollen, die seinem Gewicht noch standhalten: Dieses Bild wurde spätestens mit dem Film „Unsere Erde“ zum Spiegelbild des globalen Erwärmung. Unser täglicher Bedarf an Strom und Wärme ist alles andere als umweltschonend und setzt große Mengen Kohlenstoffdioxid frei, die dem Erdklima stark zusetzen. Im Jahr 2013 beliefen sich die deutschen CO2-Emissionen auf knapp 1.000 Tonnen. Im Vergleich zu den 1.251 Tonnen, die wir noch vor 14 Jahren produzierten, sind wir auf einem guten Weg. Aber bis zu dem angestrebten Ziel von 63 bis maximal 250 Tonnen im Jahr 2050 haben noch viel zu tun.

  • Atomkraftwerke in Deutschland

    imago/Hans Blossey

    Derzeit sind noch neun von insgesamt 37 deutschen Kernkraftwerken aktiv. Sie werden von den großen Energiekonzernen E.ON, EnBW und RWE betrieben. Zum Vergleich: In Frankreich sind 58 Atomkraftwerke (AKWs) in Betrieb, in Italien kein einziges. Nach dem Tschernobyl-Unglück im Jahr 1986 hat die italienische Regierung ihre vier AKWs stillgelegt.

  • Abschalten der AKWs

    imago/blickwinkel

    Seit dem Super-GAU in Fukushima vor drei Jahren sind die Themen Atomausstieg und Energiewende wieder präsent auf den politischen Tisch zurückgekehrt. Die Bundesregierung hat kurz darauf im Eiltempo sieben Kernkraftwerke vom Netz genommen. Bis Ende 2022 sollen alle noch verbleibenden AKWs in Deutschland nach und nach stillgelegt werden. Beginnen wird der Rückbau 2015 mit dem AKW Grafenrheinfeld und enden mit Isar Block II, Neckarwestheim Block II und Emsland.

  • Endlager Atommüll

    imago/blickwinkel

    Einen Schuh, den sich niemand freiwillig anziehen will, ist der der Endlagerung von Atommüll. Das große Problem des Atommülls besteht darin, dass er noch über Millionen von Jahren hinweg gefährliche Strahlungen aussendet. Er muss also über eine lange Zeit sicher gelagert werden – doch wo? Noch wird der Müll in Zwischenlagern untergebracht – riesigen überirdischen Hallen, die sich meist auf dem Gelände der Kernkraftwerke befinden. Gorleben, Greifswald und Ahaus bilden Ausnahmen. Sie sind sogenannte zentrale Zwischenlager, an die keine eigenen AKWs anschließen. Doch die Zwischenlager haben nur eine begrenzte Betriebserlaubnis, die nach 40 Jahren erlischt. Bis 2016 wird die Endlager-Kommission zunächst Kriterien für die bundesweite Suche erarbeiten. 2031 soll das Endlager dann feststehen – doch daran zweifelt selbst der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König. Er hält das Jahr 2050 für realistischer.

  • Strompreise Energiewende

    imago/blickwinkel

    Soll der Energiewandel gelingen, müssen auch die Verbraucher finanziell dazu beisteuern. Das bedeutet konkret: Ein Teil der Energiewende wird auch über die Stromrechnung finanziert. Hier ist das Stichwort die sogenannte EEG-Umlage, benannt nach dem Erneuerbaren Energie Gesetz (EEG). Mit ihr zahlt der deutsche Bürger die Kosten, die aus der Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien entstehen. Zum 1. Januar stieg der Preis von 5,28 aus 6,24 Cent je Kilowattstunde, sprich ein Zwei-Personen-Haushalt muss in diesem Jahr durchschnittlich 67 Euro mehr für Strom ausgeben. Allerdings brauchen wir zukünftig auch weniger Strom. Schon jetzt helfen beispielsweise moderne Heizanlagen und Energiesparlampen dabei, die Energieeffizienz zu verbessern, sprich: Für beheizte und beleuchtete Räume benötigen wir weniger Energie. Unterm Strich wird der Strom also etwas teurer – wir werden aber auch weniger davon brauchen.

  • Strom durch erneuerbare Energien

    imago/blickwinkel

    Im Vergleich zu unserem französischen Nachbarn erzeugen wir mit knapp 24 Prozent beinahe doppelt so viel grünen Strom – aber es gibt noch genügend Spielraum nach oben. Indem wir auf erneuerbare Energiequellen zurückgreifen, nutzen wir die elementarsten Dinge, die uns die Erde nachhaltig zur Verfügung stellt: Wind, Wasser, Sonne und (ganz allgemein) Erde. Mit der richtigen Technologie, Vorsicht und Weitsicht sollen diese in Zukunft allein für eine unbegrenzte und vor allem umweltschonende Energielieferung sorgen.

  • Solarenergie

    imago/McPHOTO

    Die Raumfahrt hat die Energie der Sonne schon früh zu nutzen gewusst und mit dem „Sonnensegel“ Energie zum Antrieb von Raumsonden gewonnen. Auch in Taschenrechnern und Parkscheinautomaten hat sich das Prinzip der Photovoltaik, die Sonnenlicht in Strom umwandelt, bewährt. Seit den frühen 2000ern ist die Zahl an blau-violett glänzenden Hausdächern und futuristisch wirkenden Solarfeldern stark angestiegen. Innerhalb von nur elf Jahren (2000 – 2011) nahm die Ernte der Sonnenenergie durch Solarkollektoren um das Dreihundertfache zu und fließt als Strom, Wärme und Kühlung in deutsche Küchen, Wohnzimmer und Bäder.

  • Wasserkraftwerk

    imago/Hans Blossey

    Die wohl älteste erneuerbare Energiequelle stellt Wasser in Form von großen Wasserkraftanlagen dar. Schon vor hunderten von Jahren halfen dem Bäcker große Mühlräder, angetrieben vom Wasser des vorbeifließenden Flusses, beim Mahlen seines Getreides. Etwa 7.000 Wasserkraftanlagen sorgen in Deutschland für einen Anteil von drei Prozent am gesamten Stromverbrauch. Besonders die großen Wasserkraftanlagen können jedoch eine umfassende Modernisierung vertragen – und genau darin liegt das größte Potenzial der Wasserkraft: Bereits Vorhandenes gezielt nach- und aufzurüsten.

  • Biomassefelder

    imago/blickwinkel

    Das Chamäleon unter den regenerativen Energien ist ohne Zweifel die Biomasse. Fest, flüssig, gasförmig – Holz, Raps, Gülle, Bioabfälle, Klärgas: Biomasse ist der wichtigste und vielseitigste erneuerbare Energieträger. Mit knapp acht Prozent nimmt er einen der größten Anteile unter den nachhaltigen Energien ein. Der mit Abstand wichtigste Bioenergieträger ist Holz. Etwa ein Viertel der deutschen Holzproduktion wird zur Energieerzeugung verwendet. Dabei achten die Holzproduzenten darauf, minderwertiges, also beschädigtes, Holz zu verwenden. Und auch wenn es einem zunächst etwas aufstößt: Im Bereich Biomasse sind Reststoffe und biologische Abfälle wie Gülle, Gebrauchtholz und Klärgas besonders attraktiv, da man sie so umweltschonend gewinnen kann.

  • Wärmepumpen der Geothermie

    imago/ecomedia/robert fishman

    Die Geothermie – zu Deutsch Erdwärme – steckt noch in den Kinderschuhen und hat derzeit einen sehr geringen Anteil an der deutschen regenerativen Energiegewinnung. Glaubt man dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, wird sie in den kommenden Jahren jedoch zu einer wichtigen Komponente bei der Stromerzeugung. Um an die Erdwärme zu gelangen, bahnen sich große Bohrtürme ihren Weg ins Erdinnere. Wärmepumpen fördern die Energie anschließend an die Oberfläche.

  • Windräder Onshore

    imago/McPHOTO

    Angeführt wird die Riege der Regenerativen von der Windenergie. Mit knapp acht Prozent stellt sie ein Drittel der erneuerbaren Energien dar. Nach China und den USA steht die deutsche Windenergienutzung auf Platz 3 im internationalen Vergleich – und das ist angesichts der Größenunterschiede der drei Länder eine satte Leistung! Die riesigen Windräder ernten die Energie aus der Luft sowohl auf dem Land (= onshore), ...

  • Windräder Offshore

    imago/blickwinkel

    ... als auch auf See (= offshore). Ähnlich wie bei den Wasserkraftwerken sollen auch alte Windkraftanlagen modernisiert oder durch neue ersetzt werden. „Repowering“ ist dabei das Schlüsselwort und hat bislang eine doppelte Leistung bei halbem Einsatz, das heißt mit nur halb so vielen Windkraftanlagen, ermöglicht.

  • Risiken der Energiewende

    imago/blickwinkel

    Nach der eingängigen Lobeshymne auf die Kraft der erneuerbaren Energien, sollte man sie auch etwas kritisch hinterfragen, denn: Mit dem Anzapfen der endlos scheinenden Ressourcen sind auch Risiken verbunden. Energiepflanzen wie Raps, Mais und Soja müssen in großen Mengen auf viel Hektar Landfläche angebaut werden. Das geschieht jedoch in Konkurrenz zum Flächenbedarf der Pflanzen, die für den Lebensmittelhandel oder für Tierfutter vorgesehen sind. Die Folge: Es kann zu einer Flächennutzungskonkurrenz kommen. Eine andere Sorge betrifft Windparks, die an ungeeigneten Standorten errichten wurden und dort zur Gefahr für Vögel und Fledermäuse werden. Eine nachhaltige Ausgestaltung, deren Auswirkungen auf die Natur so gering wie möglich gehalten werden oder im Notfall rückgängig zu machen sind, muss sich also als roter Faden durch das gesamte Abenteuer „Energiewende“ ziehen.

  • Braunkohlekraftwerke

    imago/Christian Mang

    Nutzen wir fossile Energie, ist dies weder nachhaltig, da die Ressourcen begrenzt sind, noch umweltschonend, da die Verbrennung von Braunkohl und Erdgas viel Kohlenstoffdioxid freisetzt. Doch noch ist Braunkohle, dicht gefolgt von Steinkohle, Stromerzeuger Nummer Eins in Deutschland. Deshalb können Kohlekraftwerke auch nicht so einfach abgeschaltet werden. Erst muss die Netzagentur prüfen, ob das jeweilige Kraftwerk „systemrelevant“, das heißt unverzichtbar für die sichere Energieversorgung, ist. Derzeit liegen der Bundesnetzagentur 45 Anträge auf Stilllegung vor. Die sinkenden Börsenstrompreise, die durch einen produzierten Überschuss an Strom entstehen, machen einige der Kohlekraftwerke nicht mehr rentabel.

  • Zentrale oder dezentrale Wende

    imago/Jochen Tack

    Zentral oder dezentral – das ist hier die Frage! Manche sind der Meinung, eine Energiewende sei zentral möglich, also indem man beispielsweise die Solarenergie nicht an verschiedenen Orten in Deutschland abgreift, sondern sich auf eine besonders sonnenreiche Region, wie beispielsweise eine Wüste, konzentriert und dort stark in den Aufbau von Solarkollektoren investiert. Die neueste Studie des Berliner Reiner Lemoine Instituts bestätigt allerdings die Tendenz hin zu einer dezentralen, also einer landesweiten Energiewende. Die schlagkräftigsten Argumente: Zum einen macht man sich weniger vom Speichern abhängig, da die Sonne in Wüstengebieten – anders als in der gemäßigten Klimazonen Deutschlands – zuverlässig scheint. Zum anderen gibt es weniger Unterschiede zwischen Gewinner- und Verlierer-Regionen – also jenen Regionen, die für die Förderung und den Ausbau erneuerbarer Energien ansprechender oder eben weniger ansprechend sind.

Alle fordern eine globale Wende des Atomzeitalters: Energiewende heißt das Zauberwort. Was dahinter steckt? Die Dreifaltigkeit Einsparung, Effizienz, Erneuerbar. Denn: Die umweltfreundlichste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Warum ein Wandel nötig ist und wie er möglich ist.

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