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Die größten Lebensmittel-Lügen

Die größten Lebensmittel-Lügen

Die Weltmacht Food beherrscht zu großen Teilen das Angebot in unseren Supermärkten. Die meisten Menschen kümmert das nicht. Es ist eine trügerische Sicherheit des Nahrungs-Überflusses. Doch wissen wir wirklich, was wir da essen? Schaut man genauer hin, wird schnell klar: Wir werden getäuscht – und zwar jeden Tag.
  • Brot aus Menschenhaar

    Imago/BE&W

    Egal, ob Brötchen, Brot oder Kuchen – damit der Teig von industriell hergestellten Backwaren schön geschmeidig wird, setzt man ihm eine bestimmte Aminosäure zu: L-Cystein. Gewonnen werden diese organische Verbindungen entweder durch Fermentation aus Bakterienkulturen oder z. B. aus Menschenhaaren. Und für die Beschaffung dieser Haare hat sich in China eine komplette Industrie herausgebildet. Haarsammler fegen in Friseursalons Haare zusammen und verkaufen sie säckeweise an Haar-Großhändler. Die liefern die Haare in sogenannte Haar-Sortier-Anlagen, wo die Haare in Handarbeit von Schmutz und Abfällen getrennt werden – in China ein begehrter und gut bezahlter Job. Von hier werden die gesäuberten Haare in gepressten Bündeln tonnenweise an eine weitere Produktionsstätte geliefert – und in großen Säurekesseln verflüssigt. Getrocknet und zu Pulver verarbeitet werden diese Haar-Überreste nun in Großbäckereien in den Teig gegeben. Zwar ist die Verwendung von menschlichem Haar in Backwaren seit 2013 in Europa aus ethischen Gründen verboten – Ersatz fand die Lebensmittelindustrie aber längst in Schweineborsten, Pferdehufen und Hühnerfedern.

  • Kaugummi

    Imago/MITO

    Propylenglycol ist rein chemisch nur eine Verbindung aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Ein Familienmitglied der Alkohole, das vor allem als Frostschutzmittel eingesetzt wird – z.B. in Solaranlagen. Doch tatsächlich ist der Frostschutz nicht die einzige Verwendungsart für Propylenglycol. In Europa ist der Stoff als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen – zu finden in Kaugummis und als Bestandteil von Aromen. Eine Höchstmenge ist dabei übrigens nicht vorgeschrieben – die zugehörige Verordnung belässt es bei einem: Nicht mehr als unbedingt notwendig.

  • Biber

    iStock/Wulfespirit

    Die wenigsten Menschen würden das vermuten, aber Biber knabbern nicht nur an Bäumen, sie produzieren auch ein von der Lebensmittelindustrie begehrtes Natur-Aroma – das sogenannte Bibergeil (Castoreum). Dabei handelt es sich um ein Sekret, das aus einem hühnereigroßen Drüsensack des Nagers gewonnen wird. Um an das Sekret zu kommen – das der Biber zur Fellpflege und Reviermarkierung nutzt –, tötet man das Tier, entfernt den schwarzen, runzeligen Drüsensack, der sich zwischen dem After und dem Geschlechtsteil befindet, und trocknet ihn. Nach dieser Behandlung wird das in dem Sack gereifte Bibergeil z.B. zu Vanillearoma weiterverarbeitet und zur Verfeinerung von Speisen verwendet. Zurzeit ist Castoreum als Lebensmittelzusatz vor allem in den USA zugelassen. In Europa ist eine Verarbeitung dagegen grundsätzlich nicht gestattet, da der Biber unter Naturschutz steht. Durch das geplante Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) könnte Bibergeil in Zukunft aber auch auf dem europäischen Markt landen – als Import.

  • Lachs

    Imago/Westend61

    Wer heute glaubt, in Deutschland Lachs zu essen, hat in der Regel etwas ganz anderes aus dem Regal im Supermarkt geholt. Denn in vielen Fällen handelt es sich bei dem vermeintlichen Lachs in Wahrheit um sogenannten Alaska-Seelachs. Na und, könnte man jetzt meinen. Solange Lachs drin ist, ist doch egal, woher er kommt. Doch da beginnt die Sache kurios zu werden. Denn genau genommen existiert dieser Alaska-Seelachs gar nicht! Er ist eine Erfindung aus den 1980er-Jahren. Der Grund: Der Seelachs ist eigentlich ein Dorsch. Doch er wurde umbenannt, weil er sich als Seelachs besser verkaufen lässt. Kein Betrug also, sondern vor allem ein genialer Marketing-Gag der Lebensmittelindustrie. Wäre da nicht ein Problem: die Farbe! Ein Dorsch hat einen entscheidenden Makel. Er frisst keine Krebstierchen, und sein Fleisch ist deswegen weiß – und nicht lachsrot. Deshalb greift man zu einem zweiten Trick – quasi, um den ersten zu verschleiern: Man färbte den weißen Köhler (alias Seelachs) rot ein … Dafür verwendet man vor allem den Farbstoff Cochenillerot A. Und der ist nicht ungefährlich. In Ländern wie Norwegen, Finnland oder den USA wird der Farbstoff als gesundheitsgefährdend und potenziell krebserregend eingestuft. Zudem wird er mit Krankheiten wie Neurodermitis oder Asthma in Verbindung gebracht. In den USA ist Cochenillerot A aus diesem Grund auch als Lebensmittelzusatzstoff verboten. In Europa dagegen ist der Farbstoff zugelassen – mit einer Einschränkung: Nachdem sich die Hinweise auf Gesundheitsrisiken häuften, beschlossen die Lebensmittelwächter in Brüssel, so eingefärbte Produkte mit der Warnung „Kann die Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen“ zu kennzeichnen.

  • Schimmelpilze

    Imago/Mitroshkin

    Die Antwort: Nach allem, was man will. Tatsächlich ist es möglich, mithilfe von Bakterien oder auch Enzymen viele organische Ausgangsstoffe so zu verändern, dass sie den Geschmack von Erdbeeren, Erdnüssen oder Rindfleisch simulieren. Als organische Grundlage können dabei unterschiedliche Substanzen dienen – etwa Sägespäne, organische Reste aus Schlachthäusern oder eben auch Schimmelpilze. Der Trick: Solange ein Ausgangsmaterial auf natürliche Weise entstanden ist, darf die daraus konstruierte Geschmacksrichtung in Lebensmitteln als „natürliches Aroma“ bezeichnet werden.

  • Fliegeneier

    Imago/imagebroker/bergsteiger

    In den USA dürfen 250 Gramm Erdnussbutter 75 Insektenteile enthalten – ein Liter Tomatensaft dagegen höchstens 100 Fliegeneier oder 20 Larven. Auch der Fäkalien-Gehalt ist geregelt. Ein Kilogramm Mehl kann zwei Nager-Köttel enthalten. In Europa gibt es keine Grenzwerte für Insektenbeine oder Ratten-Kot. Was aber nicht bedeutet, dass wir davon verschont bleiben. Ganz im Gegenteil: Fachleute gehen davon aus, dass jeder Deutsche pro Jahr bis zu ein Kilogramm Insektenfragmente verspeist – ohne davon zu wissen.

  • Kuchen

    imago/Westend61

    Hinter dem Begriff Butylhydroxyanisol (BHA) verbirgt sich ein Gemisch, das von der Lebensmittelindustrie als Antioxidativ eingesetzt wird. Damit kann man z.B. verhindern, dass das Fett in einer Kuchenmischung mit Sauerstoff reagiert und ranzig wird. Das Problem: Untersuchungen mit Mäusen haben gezeigt, dass die Einnahme ab einer gewissen Dosis zu Leberkrebs führt. In Europa ist der Stoff trotzdem zugelassen – allerdings nur bis zu einer Höchstmenge von 250 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Eine Menge, die man sich gut merken sollte – denn alles darüber hinaus gilt bereits als giftig!

  • Mais

    Imago/Christian Ohde

    Weshalb sollte man Nutzpflanzen – etwa Mais oder Soja – überhaupt genetisch verändern wollen? Was stimmt nicht mit den ursprünglichen, bereits hochgezüchteten Pflanzen? Fakt ist: Vor allem die Industrie hat Vorteile durch die Gen-Mutanten. Denn durch die Beeinflussung der Erbinformationen kann man beispielsweise Soja resistent machen gegen das Totalherbizid Glyphosat – und es massenhaft auf Sojafeldern einsetzen. Und Glyphosat hat nur ein Ziel: Pflanzen zu töten. Da genetisch veränderte Nutzpflanzen praktisch in einem Herbizid-Regen wachsen und gedeihen können, während alle anderen drum herum sterben, verführt die Gen-Veränderung zu einem ungehemmten Einsatz von Stoffen wie Glyphosat. Das Problem: Das Pflanzengift lagert sich dabei auf den resistenten Gen-Pflanzen ab und gelangt so auch in das Futter von Nutztieren, die in Europa auf dem Teller landen. Und das hat womöglich gefährliche Folgen – auch für den Menschen. Denn Glyphosat steht im dringenden Verdacht, die Darmflora so zu schädigen, dass sie sich eines gefährlichen Erregers nicht mehr erwehren kann: Die Rede ist vom Fäule-Bakterium Clostridium botulinum– der Auslöser von Botulismus – auch als sogenannte Fleischvergiftung bekannt. Tatsächlich hat es das Gift der Mikroben in sich. Übrigens hat die EU im Jahr 2015 hat insgesamt 19 genveränderte Pflanzen als Futter- und Lebensmittel zugelassen. Darunter sind auch verschiedene Sorten des gefürchteten Gen-Maises.

  • Babys mit Brüste

    Imago/Science Photo Library

    In Deutschland ist der Einsatz von Hormonen in der Viehzucht nicht grundsätzlich verboten. Sexualhormone beispielsweise sorgen dafür, dass die Sauen in einem Mastbetrieb alle gleichzeitig trächtig werden. Anders ist das mit Wachstumshormonen (z. B. Ractopamin). Die sind zwar seit 2012 durch die Welthandelsorganisation (WTO) ausdrücklich erlaubt, in Europa aber dennoch verboten. Und das hat seinen Grund. Niemand weiß genau, wie gefährlich der systematische Einsatz von Wachstumshormonen ist. Verlässliche Studien dazu sind bisher noch Mangelware. In China allerdings wurden Fälle bekannt, bei denen Mädchen im Säuglingsalter Brüste wuchsen, nachdem sie mit Milchpulver gefüttert worden waren, das von hormonbehandelten Kühen stammte. Tierversuche zeigen zudem, dass Wachstumshormone zu Fehlbildungen an den Geschlechtsteilen führen können. Doch wieso ist das ein Problem für Europa? Die Antwort: In den USA und Brasilien werden Wachstumshormone in der Tiermast eingesetzt. Die Einfuhr von Hormon-Fleisch nach Europa ist verboten. Doch mit dem Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen den USA und Europa werden solche Importbeschränkungen neu verhandelt.

  • Schaf

    Imago/Westend61

    Schafe besitzen eine integrierte Pflegefunktion für ihre Wolle. Sie sondern über Talgdrüsen in ihrer Haut ein Sekret ab – das sogenannte Wollwachs (Lanolin). Gewonnen wird der Stoff, indem Schafwolle nach dem Scheren mit Chemikalien ausgewaschen wird. Interessant ist er für die Lebensmittelindustrie aber aus einem anderen Grund: Die Lanolin-Verbindung ist in der Lage, das Vielfache ihres eigenen Gewichts in Wasser zu binden (Wasser-in-Öl-Emulsion). Doch wie genau kommt jetzt diese Hautabsonderung der Schafe in unseren Mund? Ganz einfach: Über Kaugummis, denn dort darf Wollwachs – das sonst vor allem in der Kosmetik eingesetzt wird – gemäß EU-Richtlinien als Lebensmittelzusatzstoff verwendet werden. Das ist nicht nur unappetitlich, sondern auch nicht ganz ungefährlich: Da beim Auswaschen der Schafwolle Tenside haften bleiben, kann es zu allergischen Reaktionen kommen.

  • Gemüse

    Imago/Peter Widmann

    Hierzulande sind wir längst daran gewöhnt, dass Obst und Gemüse völlig makellos in den Supermarkt-Regalen liegt. Strahlend rote, riesige Paprika verdanken wir aber vor allem dem großzügigen Einsatz von Pestiziden. Doch Pflanzenschutzmittel haben einen Nachteil: Man kann davon krank werden – sehr sogar. Studien zeigen mögliche Folgen auf: Krebs, Unfruchtbarkeit, Autismus, Asthma und Alzheimer. Die gute Nachricht: Eine Untersuchung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zeigt, dass die Pestizid-Rückstände auf rund 97 Prozent der getesteten Lebensmittel die Höchstwerte nicht überschreiten. Die schlechte Nachricht: Die EU-Pestizid-Regeln haben ein Schlupfloch: sogenannte „Pestizid-Cocktails“. Der Trick: Jedes Pestizid hat seinen eigenen Grenzwert. Und den kann man umgehen, indem man Cocktails mit verschiedenen Pestiziden einsetzt, die jeweils knapp unter dem Grenzwert liegen – aber in der Summe zu einer Konzentration der Giftstoffe führen. Ungefähr 25 Prozent aller Lebensmittel, die keinen zu hohen Einzel-Pestizidwert aufweisen, sind mit solchen Cocktails behandelt. Lebensmittelchemiker warnen vor gefährlichen Wechselwirkungen. Ihr Einsatz ist aber legal und unterliegt keinen gesonderten Höchstwerten. Forscher der Universität Bern fanden heraus, dass Pestizide gravierende Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit von Bienen-Königinnen haben.

  • Paprika

    Imago/CHOMORANGE

    Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es sein kann, dass die meisten Tomaten, Paprika oder Trauben im Supermarkt alle ungefähr gleich groß sind? Fakt ist nämlich, dass in der Natur selten etwas gleichmäßig wächst. Wie schafft das also die Lebensmittelindustrie? Die Antwort ist ernüchternd: mit chemischen Wachstumsreglern. Einer dieser Stoffe heißt Ethephon und wird eingesetzt, um das Ertragspotenzial voll auszuschöpfen. Zugelassen ist der Stoff in ganz Europa – wenn auch mit unterschiedlichen Grenzwerten. Das Problem: Ethephon wirkt wie ein Nervengift, das bereits in geringen Dosen (1,65 Milligramm pro Kilogramm) akute Gesundheitsgefährdungen nach sich zieht. Symptome sind Durchfall, Haut- und Schleimhautreizungen sowie neurologische Schäden – z. B. Depressionen oder Störungen der Bewegungsmotorik.

  • Burger

    Imago/Westend61

    Im Jahr 1989 startet – eher unabsichtlich – ein interessantes Lebensmittelexperiment. Ein Mann kauft sich zwei Burger. Einen isst er gleich, den anderen steckt er in die Jackentasche – und findet ihn dort ein Jahr später wieder. Doch entgegen jeder Erwartung ist der Burger nicht verdorben – er sieht aus wie am ersten Tag. Wie kann das sein? Die Antwort: Niemand weiß es. Der Grund dürfte aber im Innern des Burgers liegen. Gemeint sind nicht etwa die Spuren von durchschnittlich 38 verschiedenen Pestiziden, die sich laut der US-amerikanischen Food and Drug Administration in jedem Burger-Patty finden lassen. Sondern Salz! Tatsächlich wird Burgerfleisch so stark gesalzen, dass es nicht verdirbt. Deshalb kann ein Cheeseburger problemlos auch noch Stunden, nachdem er ungekühlt in einem Schnellrestaurant herumlag, genauso gut wie ein frischer verkauft werden.

  • Softdrinks

    Imago/Levine-Roberts

    ´Wenn Sie in den letzten Jahren Limonade in den USA getrunken haben, könnten Sie in diesen Genuss gekommen sein. Denn sogenanntes Bromiertes Pflanzenöl wird von der Lebensmittelindustrie nicht nur dazu eingesetzt, um Aromastoffe gleichmäßig in Getränken zu verteilen. Sondern es ist auch ein Stoff, der als Brandschutzmittel in Polstermöbeln und Feuerschutz-Kleidung verwendet wird. In Deutschland ist Bromiertes Pflanzenöl verboten, da es mit Entwicklungsschäden, neurologischen Schäden und Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht wird. In den USA allerdings ist das anders. Dort ist es seit den 70er-Jahren als Lebensmittelzusatz zugelassen – und wird bis heute in Limonade verwendet. Das Freihandelsabkommen TTIP könnte also auch uns Europäer bald wieder in den Genuss von Brandschutzmittel in Erfrischungsgetränken bringen.