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Den Gipfel im Blick: Die magische Anziehungskraft der Berge

Den Gipfel im Blick: Die magische Anziehungskraft der Berge

Immer schneller, weiter, höher? Längst haben Bergsteiger alle Superlative erreicht. Wer heute noch Ruhm ernten will, muss immer waghalsigere und ausgefallenere Rekorde aufstellen. Der Respekt vor der gewaltigen Gebirgswelt tritt dabei allzu oft in den Hintergrund – mit fatalen Folgen für Mensch und Natur.
  • Anziehungskraft der Berge

    imago/Rainer Mirau

    Wenn die Hauptsaison an den populären Gipfeln dieser Welt beginnt, steigt auch die Zahl der schweren Bergunfälle rasant an. Immer mehr Menschen wollen die gewaltigen und majestätischen Bergriesen erklimmen – auf der Jagd nach persönlichen Rekorden und Aufmerksamkeit. Die Rekordspirale schraubt sich weiter nach oben, der Druck auf die Natur wächst. Zwar sind Technik, Ausrüstung und Training effizienter geworden, weil aber eine ständig wachsende Alpinisten-Schar Richtung Gipfel drängt, steigt in hochfrequentierten Regionen die Zahl der tödlichen Unglücke. Das liegt vor allem daran, dass gerade viele Freizeit-Bergsteiger ihre körperliche Fitness überschätzen und zu hohe Risiken eingehen. Dennoch zieht es immer mehr Menschen in die unberechenbaren Berge, um das einzigartige Gefühl des Gipfelrauschs selbst zu erleben. Berge und Menschen – immer war es ein hochemotionales Verhältnis, voller Faszination, Entdeckerlust, Risikofreude und naturgewaltiger Gefahr.

  • Extrembergsteiger Reinhold Messner

    imago/ZUMA/Keystone

    Seine Liebe und Leidenschaft zu den Bergen haben Reinhold Messner nie losgelassen. Der Extrembergsteiger aus Südtirol gehört zu den unbestrittenen Pionieren der alpinen Welt. Ihm gelang es, als erster Mensch weltweit von den Gipfeln aller vierzehn Achttausender hinabzublicken. Was heute die Entwicklung widerstandsfähigster, leichtester und zugleich wärmster Materialen nahezu jedem ambitionierten - und leider oft auch naiven - Bergsteiger ermöglicht, war zu Messners aktivsten Zeiten in den 1970er, 80er und 90er Jahren noch ein seltenes Können - bei dem Respekt und Demut vor dem Berg oberste Prämissen waren.

  • Mount Everest

    imago/blickwinkel

    Ohne Sauerstoff den höchsten Berg der Welt erklimmen, so wie es Reinhold Messner als erster Bergsteiger im Jahr 1978 geschafft hat? Das ist längst kein unerreichbarer Wunschtraum mehr: Aus dem 8.848 Meter hohen Mount Everest im Himalaya Gebirge ist mittlerweile die höchste Bühne der Welt geworden. Die Protagonisten: Greise, Kinder, Nackte, Blinde, Beinamputierte, Musikanten und Hunde – Menschen von nebenan, die den nepalesischen Gipfel scheinbar mal eben so mir nichts, dir nichts besteigen. Geführte Touren und neueste Bergsport-Technik machen es möglich.

  • Edmund Hillary und Tenzing Norgay

    imago/ZUMA/Keystone

    Weil das sogenannte „Dach der Welt“ immer mehr Alpin-Touristen anzieht, ist es längst zur höchsten Müllhalde der Welt mutiert. Schon jetzt finden sich rund 50 Tonnen Abfall entlang der gängigen Aufstiegsrouten – darunter alte Seile und Sauerstoffflaschen. Kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass inzwischen schon mehr als 5.000 Menschen ihren Fuß auf das Gipfelplateau des Everest setzten. Knapp 250 Todesopfer und über 60 Jahre zuvor hatte der Neuseeländer Edmund Hillary (links) zusammen mit seinem Begleiter Tenzing Norgay (rechts), einem nepalesisch-indischen Bergsteiger vom Volk der Sherpa, als allererster Mensch den damals noch unbefleckten Berg im Jahr 1953 bestiegen.

  • Todesberg Annapurna

    imago/ARCO IMAGES

    Angesichts der Rekordsucht am Mount Everests ist die Todesrate von „nur“ 5,7 Prozent nichts im Vergleich zum berüchtigten Todesberg Annapurna. Die bislang erst 153 Gipfelbesteigungen forderten 58 Todesopfer – somit liegt hier die Todesrate am höchsten, bei rund 40 Prozent (Stand 2008). Mit einer Höhe von 8.091 Metern ist die Annapurna der zehnthöchste Berg im Himalaya. Maurice Herzog und Louis Lachenal bestiegen sie im Rahmen einer französischen Expedition erstmals am 3. Juni 1950 – als den ersten Achttausender überhaupt. Ziel war ursprünglich der Dhaulagiri, der erste entdeckte Achttausender. Doch wegen der besseren Erreichbarkeit des Bergfußes wandten sich die Franzosen schließlich der Annapurna zu.

  • Matterhorn

    imago/blickwinkel

    Das Matterhorn in den Alpen gehört mit 4.478 Metern Höhe zwar nicht zu den höchsten Bergen der Erde und auch nicht zu den schwierigsten. Doch es weist eine andere erschreckende Rekord-Statistik auf: An keinem anderen Berg der Erde verunglückten mehr Menschen. Seit der Erstbesteigung starben hier über 500 Bergsteiger. Ein trauriger Rekord, der natürlich auch auf zahlreiche wenig geübte Bergsteiger zurückzuführen ist, die denken, sie könnten ohne ausreichende Erfahrung und Training nach oben und anschließend wieder gesund und munter unten ankommen. Viele sehen nur den Gipfel als Ziel und vergessen den Abstieg – was fatale Folgen mit sich bringt: Vor allem der Abstieg ist gefährlich. Unerfahrene Alpinisten bedenken nicht, dass die Gipfelbesteigung nur die Hälfte der Tour ausmacht. Kommen dann noch technische Fehler hinzu, lässt sich eine Katastrophe manchmal nicht verhindern.

  • K2

    imago/ARCO IMAGES

    Der zweithöchste Berg der Welt – gerademal 237 Meter niedriger als der Mount Everest – hat zwar in der Gesamtzahl weitaus weniger Todesopfer als das Matterhorn. Jedoch genießt der K2 in Bergsteigerkreisen den Ruf, der gefährlichste Gipfel der Welt zu sein. Im Vergleich zu über 5.000 Everest-Gipfelstürmern haben es bislang gerade mal 306 Menschen auf den Gipfel geschafft. Dies liegt einerseits an den noch schwierigeren Witterungsbedingungen, andererseits sind auch die Anforderungen an die Kletterer technisch viel anspruchsvoller.

  • Cerro Torre

    imago/blickwinkel

    Auch der „Turm-Berg“ an der argentinisch-chilenischen Grenze genießt den Ruf, der schwierigste Berg unter seinesgleichen zu sein. Mit nur 3.128 Metern ragt der glatte Granit des Cerro Torre wie eine Nadelspitze aus der südlichen Anden-Gebirgskette hervor. Bekannt wurde der Cerro Torre vor allem durch den Extremkletterer David Lama, dem als erster die freie Besteigung – also ohne technische Hilfsmittel, allein gesichert durch ein Seil – der fast senkrechten, spiegelglatten Felswand gelang (aktuell ist die Filmdoku „Cerro Torre – nicht den Hauch einer Chance“ im Kino zu sehen). Die Gefahren, denen der Berg seine Besucher aussetzt, können im Winter wie auch im Sommer tödlich enden: 360 Tage Sturm im Jahr, der die Felswände mit Eis überzieht; und bei Sonneneinstrahlung brechen immer wieder Eisbrocken vom Fels. Nach mehreren gescheiterten Versuchen erreichte David Lama als erster Freikletterer im Jahr 2011 das Dach des Torre.

  • Vulkan Llullaillaco

    imago/UPI Photo

    Die Anden, die längste Gebirgskette der Erde, erzählen aber nicht nur packende Geschichten wie die des David Lama, die neuen Stoff für packende Kino-Dokumentationen liefern. Sie bergen auch Spuren des Grauens, die weit zurück in die Vergangenheit blicken lassen: So führt eine Entdeckung in den neunziger Jahren bis ins 15. Jahrhundert und ist so grausam wie sensationell zugleich: Archäologen aus den USA, Peru und Argentinien finden auf dem 6.706 Meter hohen Gipfel des argentinischen Vulkans Llullaillaco drei Frauenleichen. Aber bei den Leichnamen handelt es sich nicht etwa um verunglückte Bergsteigerinnen: Es sind Eismumien aus der Inkazeit. Mädchen, die eines gewaltsamen Todes starben. Die Mumien stammten aus dem 15. und 16. Jahrhundert und sind ein Beleg dafür, dass die höchsten Berge schon weit vor Reinhold Messner & Co. erklommen wurden. Nur aus ganz anderen Beweggründen: als Opfergaben für die Götter, um das lebensspendende Wasser und damit gute Ernten zu sichern. Das Ritual wurde ausschließlich an Kindern vollzogen, die bei den Inka als reinste Menschenwesen galten. Für die Auserwählten wurde in der Inka-Hauptstadt Cuzco im heutigen Peru ein Fest abgehalten, ehe sie von Priestern begleitet ihre letzte Reise zu den viele hundert Kilometer weit entfernten Opferstätten antraten.

  • Eiger-Nordwand

    imago/Siering

    Die Beweggründe, die höchsten Gipfel der Welt zu besteigen, haben sich im Laufe der Zeit geändert. Während damals die Berge als Opferstätte für die Götter dienten, leitet heute viele Alpinisten der Wunsch, berühmt zu werden. Es gab aber auch eine Zeit, in der politische Machthaber ihre Landsleute regelmäßig an die grauen Felswände schickten. Das Nazi-Regime nutzte beispielsweise die Besteigung der Eiger-Nordwand, auch als das „letzte Problem der Alpen“ bezeichnet, für ihre Propagandazwecke. Adolf Hitler persönlich empfing die Erstbesteiger 1938 und zeichnete diese „Pioniertat seiner Landsleute“ aus. Zuvor hatten sich an der fast 1.800 Meter hohen „Mordwand“ zahlreiche Dramen abgespielt. Insgesamt blieben bislang mehr als 50 Bergsteiger in der Wand zurück.

  • Nanga Parbat

    imago/United Archives International

    Nanga Parbat – wegen seiner fast schneefreien Gipfelzone „Nackter Berg“ genannt – ist mit 8.125 Metern der neunthöchste Gipfel der Erde. Dutzende Alpinisten und Sherpas ließen dort ihr Leben, unter ihnen viele deutschsprachige Bergsteiger. Der Bekannteste unter ihnen: Reinhold Messners jüngerer Bruder, Günther, der hier 1970 ums Leben kam. Auch am Nanga Parbat im Himalaya fand ein politisch orientierter Besteigungskampf statt: Die sogenannte „Deutsche Nanga-Parbat-Expedition“ im Jahr 1934 hatte den Zweck, das durch den ersten Weltkrieg erschütterte Bild des Deutschen Reichs wieder in einem besseren Licht dastehen zu lassen. Als Land mit langer Geschichte im alpinen Bergsport sah das Deutsche Reich eine Möglichkeit dazu – im weit entfernten Himalaya. Da das Gebiet unter britischer Hoheit stand, konzentrierten sich die Deutschen auf den am westlichsten gelegenen Nanga Parbat, der Jahre zuvor von einem Deutschen kartographiert wurde. Er galt daraufhin als „deutscher“ Gipfel im Himalaya, neben dem „englischen“ Mount Everest, dem „italienischen“ K2 und der „französischen“ Annapurna.

  • Nanga-Parbat-Besteigung

    imago/Rolf Hayo

    Auch die ergreifende Geschichte der Nanga-Parbat-Besteigung der beiden Messner-Brüder mit dem Tod von Günther Messner schaffte es im Jahr 2010 auf die Leinwand und zog wie andere Bergsteigerfilme die Menschen in die deutschen Kinos. Die Faszination an der Gratwanderung zwischen Leben und Tod ist gewaltig und wichtig, um den Bergen den nötigen Respekt zu erweisen. „Der Mensch ist gegenüber der Bergnatur ein Nichts. Oft völlig verloren. Er ist winzig klein, er kann sie nicht beherrschen“, so Reinhold Messner in einem Interview. Er dürfte einer der wenigen sein, die der Bergnatur gegenüber die nötige Ehrfurcht entgegengebracht hat. Diese Einstellung hat sich sein ganzes Leben lang ausgezahlt: Er stand auf jedem Gipfel und hat alle vierzehn Achttausender dieser Welt überlebt.

Immer schneller, weiter, höher? Längst haben Bergsteiger alle Superlative erreicht. Wer heute noch Ruhm ernten will, muss immer waghalsigere und ausgefallenere Rekorde aufstellen. Der Respekt vor der gewaltigen Gebirgswelt tritt dabei allzu oft in den Hintergrund – mit fatalen Folgen für Mensch und Natur.

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