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Brasiliens Megastädte: Ein Schwellenland im Aufbruch

Brasiliens Megastädte: Ein Schwellenland im Aufbruch

Futuristische Bauten und minimalistische Wellblechhüten, tropische Dschungel-Städte und graue Betonwüsten, farbenfrohe Samba-Tänzer und düstere Drogenumschlagplätze: Brasiliens Megacities haben viele Gesichter. Wenn Fortschritt auf Ungleichheit trifft.
  • Imago/Fotoarena

    Brasilien ist seit jeher bekannt als das Land der Superlative: die weißesten Strände, die buntesten Farben, die schönsten Frauen, die lautesten Fußballfans … Doch leider reiht sich daran auch eine nicht zu unterschätzende Negativ-Top-Liste: hohe Kriminalität, eine große Kluft zwischen Arm und Reich und eine schlechte Infrastruktur. Wir werfen einen Blick in die Megastädte des tropischen Samba-Paradieses.

  • Imago/Global-Imagens

    Was ist denn nun die Hauptstadt von Brasilien? Rio de Janeiro – oder vielleicht doch São Paulo? Nein: Es ist Brasília. Was eigentlich so naheliegend klingt, wirft immer wieder Fragen und Diskussionen auf. Das hat seine Gründe, denn: Brasília war nicht immer die Hauptstadt des Landes. Erst im Jahr 1960 stampften Architekten die künstliche Stadt, die im geografischen Zentrum Brasiliens liegt, innerhalb von nur vier Jahren aus dem Boden. Ihre Bestimmung: Das Innere des Landes zu erschließen und die Infrastruktur auszubauen. Während die Kernstadt gerade einmal 205.030 Einwohner zählt, leben im Bundesdistrikt bis zu 2,6 Millionen Menschen. Die Vororte und Satellitenstädte stammen noch aus Zeiten des Aufbaus, in denen sich tausende Bauarbeiter – ein wild durchmischtes Sammelsurium aus allen Teilen Brasiliens – niederließen.

  • Imago/imagebroker

    Am 12. Juni 2014 um Punkt 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit ist es wieder soweit: Dann pfeift der Schiedsrichter das erste Spiel der Fußball-WM 2014 in der Stadt São Paulo an – dem größten Moloch Brasiliens. Mit elf Millionen Einwohnern auf einer Fläche von 1.523 Quadratkilometern ist die Betonwüste zugleich finanzieller und geschäftlicher Mittelpunkt des Landes. Ihr Ruf als Arbeiterparadies zog im 19. Jahrhundert zahlreiche Immigranten in die Stadt. Seitdem beheimatet São Paulo die multikulturell geprägten Paulistanos, die aus etwa einhundert unterschiedlichen Volkszugehörigkeiten bestehen.

  • Imago/blickwinkel

    Die zweitgrößte Stadt Brasiliens, Rio de Janeiro, löste im Jahr 1763 das heutige Salvador de Bahia als Hauptstadt ab – und hielt diesen Status dann 200 Jahre lang bis zum Bau Brasílias. Die bekanntesten Wahrzeichen der Stadt sind die überwältigend riesige Christus-Statue auf dem Gipfel des Corcovados (Bild), der Zuckerhut sowie einer der berühmtesten Strände der Welt: die Copacabana. Nahe dem jährlich stattfindenden Karneval in Rio befindet sich auch das weltbekannte Fußballstadion, das „Estádio do Maracanã“. Mit einer Kapazität von 200.000 Zuschauern war es einst das größte der Welt – nach zahlreichen Modernisierungen passen jetzt nur noch etwa 74.000 Zuschauer hinein.

  • Imago/GEPA

    Am „Fluss des Januars“ – die wörtliche Übersetzung von Rio de Janeiro – herrscht jedoch nicht nur heile Welt, bestehend aus jubelnden Fußball-Fans oder farbenfrohen Samba-Tänzerinnen. Rio versucht gezielt für das Mega-Sport-Event seine sozialen Brennpunkte zu bändigen: Das bedeutet, dass seit 2009 Polizisten und Soldaten regelmäßig die Favelas (Armenviertel) von Rio stürmen oder einige davon sogar ganz dem Erdboden gleich machen. Das Ziel dieser Aktionen: die Kriminalität einzudämmen und Drogenbanden zu bekämpfen. Was der Sicherheit der Fußball-Gäste aus aller Welt dienen soll, hat für viele Einheimische fatale Folgen: Sie verlieren ihre Behausungen und sind gezwungen, sich ein neues Leben außerhalb der Stadt aufzubauen.

  • Imago/ITAR-TASS

    Der „Schöne Horizont” liegt im Südosten des Landes und zählt knapp zweieinhalb Millionen Einwohner. Als Fußballstadt schlechthin steht jeder Besucher in der Pflicht, sich für eine der zwei Stadt-Mannschaften zu entscheiden: Atlético Mineiro oder Cruzeiro. Hauptschauplatz für das weltbekannte Derby zwischen den beiden Mannschaften und für die diesjährige Fußballweltmeisterschaft ist das Stadion „Governor Magalhães Pinto“. Auch die Wahl der Getränke in Belo Horizonte steht ganz im Zeichen des Fußballs: Wer sich ein „Gol“ bestellt (portugiesisch für „Tor“), bekommt ein Bier – wer „Golinho“, also „ein Törchen“, ordert, darf sich auf ein Gläschen Cachaça, den bekannten brasilianischen Zuckerrohrschnaps, freuen.

  • Imago/Fotoarena

    Die Hauptstadt des Bundesstaates Paraná im Süden Brasiliens nennt sich auch Hauptstadt der Ökologie: „Cidade Ecológica do Brasil“. Sie hat den Ruf, die sauberste, fortschrittlichste und grünste Stadt zu sein. Ihr erfolgreiches Abfalltrennungs-System funktioniert selbst in den Favelas gut: Für jeden Sack Altmaterial erhalten die Bewohner Freifahrscheine, Schulhefte oder Saatgut. Aber nicht nur das saubere und grüne Image gibt der Stadt einen europäischen Flair: Die rund 1,8 Millionen Einwohner verkörpern eine außergewöhnliche kulturelle Vielfalt und spiegeln den Einfluss der Einwanderungswelle wieder, die im 19. Jahrhundert viele Deutsche, Italiener, Ukrainer und Polen in den Süden Brasiliens brachte.

  • Imago/Westend-61

    Die Hauptstadt des südlichen Bundesstaates Mato Grosso ist vor allem durch das jüngste traurige Ereignis bekannt geworden: Bei einer Lichtinstallation am Stadion „Arena Pantanal“ starb Anfang Mai ein Arbeiter durch einen tödlichen Stromschlag. Es ist das achte Menschenleben, das bei Arbeiten an den brasilianischen Stadien für die Weltmeisterschaft bis dato geopfert wird. Aber nicht nur deshalb hat der WM-Austragungsort Cuiabá, der genau im geographischen Zentrum Südamerikas liegt, seinen Ruf weg. Es ist unerträglich heiß dort: Selbst im brasilianischen Winter – also genau zum Fußballspektakel – kann es 40 Grad heiß werden. Zudem ist Cuiabá selbst keine Schönheit: Häuserblocks schießen wie Pilze aus dem Boden und wohin das Auge blickt legen WM-Baustellen den Verkehr lahm.

  • imago_günter-Fischer

    Manaus

  • Imago/cityfiles

    300 Sonnentage im Jahr und eine Durchschnittstemperatur von 28 Grad Celsius hat Natal, die Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Norte, zu verzeichnen. Dass die sonnenreiche Stadt mit ihren zahllosen weißen Atlantikstränden und den hohen Sanddünen auf Deutsch übersetzt Weihnachten heißt, ist darauf zurückzuführen, dass die portugiesischen Eroberer am 25. Dezember 1599 die Stadtgrenzen festlegten. Das Fußballstadion, die „Arena das Dunas“, wurde erst im Januar 2014 fertiggestellt, nachdem es innerhalb von nur 29 Monaten regelrecht aus dem Boden gestampft wurde.

  • Imago/Fotoarena

    Die Großstädte Fortaleza (zu Deutsch: Festung) und Recife (zu Deutsch: Riff) liegen ebenfalls im warmen Nordosten Brasiliens. Die kilometerlangen Strände ziehen jedes Jahr unzählige Touristen magisch an. Diesen Sommer verwandelt sich der eigentlich arme Norden zum teuren Pflaster: Während der WM verlangen die Hotels das Fünffache der üblichen Preise - zum Leiden der Bewohner. Denn nicht nur die Tourismusbranche zieht mit: Aufgrund überteuerter Stadien und Fahrkarten im ganzen Land gehen seit Juni 2013 regelmäßig tausende Brasilianer auf die Straße, um gegen die Missstände zu protestieren.

  • Imago/Fotoarena

    Der „Fröhliche Hafen“ macht seinem Namen alle Ehre: Laut einer UNO-Studie bietet Porto Alegre die beste Lebensqualität unter den Großstädten Lateinamerikas. Das wegen seiner Vielzahl an Bäumen „grün“ geprägte Stadtbild zeigt vor allem starke europäische Einflüsse. Aber auch einige kulturelle Bräuche von den Nachbarländern Uruguay und Argentinien sind übergeschwappt: etwa die typische Folkloremusik oder die Angewohnheit, den ganzen Tag Mate-Tee zu trinken.

  • Imago/Xinhua

    Hier tritt die DFB-Auswahl am 16. Juni ihr erstes Spiel gegen Portugal an: in der „Arena Fonte Nova“ in Salvador da Bahia. Die drittgrößte Stadt des Landes liegt im nördlichen Teil der Ostküste Brasiliens und war das erste Stadtgebiet, das von den portugiesischen Kolonialherren besiedelt wurde. Weil die Küstenstadt zu einer der größten Umschlagplätze für Sklaven in Südamerika wurde, mischt sich hier besonders stark afrikanische Kultur mit westlicher – daher auch bekannt als „Schwarzes Rom“. Leider bedient auch diese schöne Küstenstadt das traurige Klischee Brasiliens: Die Randgebiete sind heruntergekommen, es herrscht Armut und die Mordrate ist hoch.

Ob futuristische Bauten oder minimalistische Wellblechhüten, tropische Dschungel-Städte oder graue Betonwüsten, farbenfrohe Samba-Tänzer oder düstere Drogenumschlagplätze: Brasiliens Megacities haben viele Gesichter. Wenn Fortschritt auf Ungleichheit trifft.

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