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Blackout-Chronik: Was passiert, wenn der Strom ausfällt?

Blackout-Chronik: Was passiert, wenn der Strom ausfällt?

Nach fünf Tagen gibt es erste Lebensmittelengpässe. Nach zehn Tagen kommt es zu europaweiten Ausschreitungen. Nach 15 Tagen geraten Atomkraftwerke außer Kontrolle. Und nach 20 Tagen? Welt der Wunder blickt in die Notfallpläne der Regierung.
  • Stromausfall in New York

    iStock/MartinPBGV

    Hurrikan „Sandy“ hatte New York noch nicht erreicht, als in Teilen Manhattans am 29. Oktober 2012 kurz nach 19 Uhr der Strom ausfiel und das Leben lahmlegte. Immerhin: Die Metropole konnte sich darauf vorbereiten. Doch was würde in Deutschland passieren, wenn plötzlich der Strom weg wäre? Das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) hat genau diesen Fall untersucht: Ohne Ampeln geschehen sofort Verkehrsunfälle. Staus behindern Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen. An den Tankstellen fallen die Treibstoffpumpen aus. In liegen gebliebenen Aufzügen oder U-Bahnen sind Tausende Menschen eingeschlossen und müssen evakuiert werden. Festnetztelefone funktionieren nicht, die mobilen Netze sind überlastet. Geldautomaten sind außer Betrieb. Lüftung, Heizung und Kühlung versagen, Lebensmittel beginnen zu verderben…

  • Stromausfall

    iStock/thumb

    In den Gefängnissen bricht das Chaos aus: Nur mit Mühe können die Wärter die Insassen kontrollieren, die sich außerhalb der Zellen befinden. Die Wasserversorgung fällt aus, da der Druck in den Leitungen sinkt. In Alten- und Pflegeheimen sterben ohne Notstrom Menschen, die etwa auf Beatmungsgeräte angewiesen sind. In landwirtschaftlichen Betrieben ohne Notstromaggregate verenden Kühe qualvoll, da sie ohne Maschinen nicht gemolken werden können. Auch Schweine- und Geflügelfarmen werden ohne Heizung und Lüftung zu Massengräbern. Flughäfen halten ihren Grundbetrieb vorübergehend über Notsysteme aufrecht, sodass die Maschinen zumindest noch landen können. Auf Straßen und Plätzen herrscht Verwirrung: Die Menschen hören aus batteriebetriebenen Radios Nachrichten, die zu jeder vollen Stunde gesendet werden. Die Bevölkerung ist solidarisch – noch. Denn alle gehen von einer kurzfristigen Störung aus.

  • Kosten Stromausfall

    iStock/fotobauer

    Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut hat ausgerechnet, was ein Stromausfall allein in der ersten Stunde kostet – und dabei große regionale Unterschiede festgestellt. Besonders betroffen sind demnach bevölkerungsreiche Gebiete, in denen schnell mal zehn Millionen Euro zusammenkommen. Ein einstündiger Blackout um 12 Uhr mittags in ganz Deutschland kostet der Studie zufolge insgesamt 600 Millionen Euro. Eine Übersicht erhalten Sie, wenn Sie auf das Bild klicken.

  • Elektrizität im Krankenhaus

    iStock/sudok1

    Kühlungspflichtige Medikamente werden unbrauchbar. Den meisten Krankenhäusern geht nach 48 Stunden der Treibstoff für die Notstromaggregate aus, die Patienten müssen evakuiert werden. Doch Ärzte und Pfleger gelangen ohne funktionierende Verkehrsmittel nicht mehr zur Arbeit – für viele Patienten das Todesurteil. Auf Raststätten und an Straßenrändern stranden immer mehr Menschen. Die Lagezentren der Behörden und Infrastrukturunternehmen können über ihre eigenen Netze kommunizieren, auch Satellitentelefone funktionieren noch. Für die Bevölkerung bleibt nur der Hörfunk.

  • Essen erwärmen

    Imago/Thomas Frey

    Supermärkte öffnen wieder und verkaufen gegen Bargeld verbliebene Waren, es bilden sich lange Schlangen. Die 118 Euro, die ein Bundesbürger im Schnitt bei sich hat, reichen gerade für das Nötigste. Warme Mahlzeiten gibt es fast nur noch über offenem Feuer. Die Müllabfuhr ist eingestellt, Feuerwehren und das Technische Hilfswerk richten eine Notversorgung mit Strom ein, z. B. in Treibstofflagern. Die strategische Reserve in Deutschland reicht zwar für drei Monate, doch sie lässt sich kaum noch verteilen. Langsam bricht Panik unter den Menschen aus …

  • Krankenwagen

    Imago/Snapshot

    Feuerwehren oder Rettungsdienste gehen von einem Stromausfall von maximal 72 Stunden aus und können danach keine Einsätze mehr koordinieren. Spätestens nach fünf Tagen haben die meisten Bürger nichts mehr zu essen und sammeln sich in Notunterkünften. Banden rotten sich zusammen und plündern Supermärkte. Soldaten und Polizisten verlassen immer häufiger ihren Posten, um sich um ihre Familienangehörigen zu kümmern. Aufgrund des Mangels an Desinfektionsmitteln und Wasser kursieren Krankheiten wie Durchfall. Der Staat kann die öffentliche Ordnung nicht mehr aufrechterhalten, überall herrscht jetzt das Recht des Stärkeren.

  • Supermarkt-Regale

    Imago/AFLO

    Die Regale der Supermärkte sind leer, Brände können nicht mehr gelöscht werden. Es kommt zum Kollaps der medizinischen Versorgung, allein 60.000 bis 80.000 Dialyse-Patienten sterben. Gewalttaten und Raubzüge gehören zum Alltag. In den nunmehr mangelhaft bewachten und überfüllten Gefängnissen häufen sich Ausbrüche und Befreiungsaktionen. Das Militär konzentriert sich auf die Bewachung der wenigen noch funktionierenden Einrichtungen wie große Krankenhäuser sowie der sicherheitsrelevanten Infrastruktur wie Waffen- oder Treibstofflager. Mitarbeiter von Kernkraftwerken erscheinen nicht mehr zum Dienst, Havarien müssen notdürftig von Hand behoben werden. Das Büro für Technikfolgenabschätzung kommt zu dem Schluss: Nach acht Tagen, spätestens nach zwei Wochen ist der gesamte Blackout „nicht mehr beherrschbar“.

  • AKW

    Imago/Chromorange

    Fällt in einem Atomkraftwerk der Strom aus, springen Dieselgeneratoren oder auch Gasturbinen ein. Theoretisch können so mehrere Wochen bis Monate überbrückt werden. Danach können die Brennstäbe aber nicht mehr gekühlt werden, es kommt zur unkontrollierten Kernschmelze. In deren Folge kann der Reaktor explodieren und Europa großräumig verstrahlen. Ein Stresstest der EU aus dem Jahr 2012 zeigt, dass eine Katastrophe sogar noch viel früher möglich ist: Bei den untersuchten 134 aktiven Reaktorblöcken wurden 264 Mängel festgestellt, im Schnitt an jedem Standort vier der Stufe „gravierend“. Besonders die Kraftwerke Forsmark in Schweden und Olkiluoto in Finnland geben Anlass zur Sorge: Von fünf Reaktorblöcken konnten vier nicht einmal einen einstündigen Stromausfall sicher überbrücken. In Forsmark haben die Techniker sogar nur 35 Minuten Zeit, um die absolut notwendige Stromversorgung wieder herzustellen. Was dann im Ernstfall wirklich passiert, bleibt offen: Von den 64 Kraftwerksstandorten in Europa haben die Inspektoren gerade mal 23 tatsächlich besucht.

  • Stromausfall

    iStock/RomoloTavani

    Vom Kraftwerk bis zum Stromzähler: Überall steuern Computer die Arbeit. Sie alle sind in irgendeiner Form an das Internet angebunden. An neuralgischen Knotenpunkten wie großen Umspannwerken gibt es überhaupt kein Betriebspersonal mehr. Hacker können Schwachstellen von jeder Stelle der Erde aus ausfindig machen und angreifen. Hinter den Tätern stehen oft staatliche Cyberkrieger, die die kritische Infrastruktur anderer Nationen mit Schadsoftware infizieren und mit Minen versehen. Virenjäger entdecken immer wieder solche in den Steueranlagen der Kraftwerke versteckte digitale Bomben. Kommt es zu einer Auseinandersetzung, lassen sie sich heimlich zur Detonation bringen – und das Land stürzt ins Chaos.

Nach fünf Tagen gibt es erste Lebensmittelengpässe. Nach zehn Tagen kommt es zu europaweiten Ausschreitungen. Nach 15 Tagen geraten Atomkraftwerke außer Kontrolle. Und nach 20 Tagen? Welt der Wunder blickt in die Notfallpläne der Regierung.

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