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Assassin´s Creed Syndicate als Zeitmaschine

Assassin´s Creed Syndicate als Zeitmaschine

Der Aufwand, mit dem das Videospiel Assassin´s Creed Syndicate das historische London abbildet, ist beispiellos: Der Publisher Ubisoft beschäftigte dazu nicht nur Videospiel-Profis, sondern auch Historiker. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ein Direktvergleich der digitalen und der echten Welt.
  • Ubisoft

    Der neue Teil der beliebten Videospielreihe „Assassin´s Creed“ trägt den Beinamen „Syndicate“ und entführt Gamer in das Zentrum des britischen Empire. Wir schreiben das Jahr 1868. Hinter den Kulissen wird das Schicksal der Welt gelenkt von den verfeindeten Geheimbünden der Templer und der Assassinen. Spieler erleben die virtuelle Zeitreise aus den Augen der Geschwister Jacob und Evie, welche die Pläne der bösen Templer durchkreuzen wollen, um die Stadt zu befreien. Mit im Gepäck: kinoreife Actionszenen und eine Detailverliebtheit, die Stadt und Epoche digital nachempfunden hat.

  • Michael Eichhammer

    Sein bestes Stück: der weltbekannte Uhrturm, der den Spitznamen Big Ben trägt. Um ihn für Assassin´s Creed Syndicate ins viktorianische Zeitalter zu versetzen, haben die kreativen Köpfe bei der Spieleschmiede Ubisoft Fotos aus der Zeit genau inspiziert.

  • Ubisoft

    Und so sieht der Palast von Westminster im Spiel aus. „Es gibt Tonnen von Bildern, weil die Fotografie damals sehr populär wurde“, erklärt Art Director Thierry Dansereau. „Das war ein Vorteil bei unserer Arbeit im Vergleich zu vorangegangen Teilen.“ Die Vorgänger von Assassin´s Creed Syndicate spielten zu Zeiten, in denen die Fotografie noch nicht erfunden war. Wie bei jedem anderen Teil der Serie haben sich die Macher auch diesmal einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte als Rahmen ausgesucht: „Die industrielle Revolution veränderte die Menschheit für immer und bis zur heutigen Zeit“, sagt Creative Director Marc Alexis Côté.

  • Michael Eichhammer

    Das Riesenrad London Eye zählt seit dem Beginn des neuen Jahrtausends zu den Wahrzeichen der britischen Metropole. Die neben ihm fließende Themse spielt auch in Assassin´s Creed eine Rolle.

  • Ubisoft

    Das Riesenrad gab es im späten 19. Jahrhundert noch nicht. Doch schon zu Beginn der Industrialisierung herrschte reges Treiben auf der Themse. „Damals begann das moderne Zeitalter und alles wurde schneller“, erzählt Lee Jackson. Er ist einer von vielen Historikern, die eigens für die Arbeit an dem Videospiel engagiert wurden. „London wuchs damals zur größten Stadt der Welt. Ganz London sah aus wie eine Großbaustelle, sogar der Fluss wurde umgebaut.“

  • Michael Eichhammer

    Das Kriegsschiff HMS Belfast ist längst außer Dienst und wird als schwimmendes Museum genutzt. Dennoch zählt es ebenso zu den Sehenswürdigkeiten Londons wie die Tower Bridge im Hintergrund. Eine derart imposante historische Brücke darf auch im Videospiel nicht fehlen, sollte man meinen…

  • Ubisoft

    Tatsächlich aber sucht man die Tower Bridge im Spiel vergeblich. Das liegt daran, dass Historiker beratend am Spiel mitgewirkt haben und die Programmierer darauf aufmerksam machten, dass das markante Wahrzeichen erst 1894 eröffnet wurde – Jahrzehnte nach der Handlung von Assassin´s Creed Syndicate also.

  • Michael Eichhammer

    St. Paul´s Cathedral ist ein weiteres Wahrzeichen der Hauptstadt Großbritanniens. Die Kathedrale zu Ehren des heiligen Pauls zählt zu den größten der Welt und ihre markante Kuppel ist von vielen Stellen der Innenstadt aus zu sehen.

  • Ubisoft

    So imposant wie die St. Paul´s Cathedral sollte im viktorianischen Zeitalter ganz London aussehen. „Nach dem Willen der Mächtigen sollte London seinerzeit sein wie das alte Rom, was Expansion und den repräsentativen Charakter angeht“, sagt der Historiker Lee Jackson. Er gilt als Koryphäe, wenn es um die viktorianische Ära geht und wurde deshalb von Ubisoft zu Rate gezogen, um die Ereignisse in Assassin´s Creed Syndicate historisch korrekt darzustellen.

  • Michael Eichhammer

    Pubs spielen auch heute noch eine wichtige Rolle in Londons gesellschaftlichem Leben. Auf der Suche nach Inspiration für die virtuellen Straßenkneipen in Assassin´s Creed Syndicate recherchierte die bekannte Historikerin Judith Flanders tausende Pub-Schilder aus der damaligen Zeit.

  • Ubisoft

    „Mein merkwürdigster Auftrag bisher“, nennt Judith Flanders eine andere Aufgabe, welche die renommierte Historikerin für die Videospiel-Firma Ubisoft annahm: „Ich sollte hunderte Slangwörter für diverse Varianten alkoholischer Getränke recherchieren.“ Der Aufwand mag pedantisch erscheinen, doch ist Flanders überzeugt: „Die Programmierer und wir Historiker haben gemeinsam eine Welt kreiert, von der wir stolz sagen können: Willkommen im London des 19. Jahrhunderts!“

  • Michael Eichhammer

    Die roten Doppeldecker-Busse prägen – nicht zuletzt den Touristen zuliebe – noch heute das Stadtbild von London, auch wenn die klassischen Modelle durch umweltfreundlichere ersetzt wurden. Daneben versprühen die Taxis nostalgischen Charme.

  • Ubisoft

    Wenn Spieler in Assassin´s Creed Syndicate nicht zu Fuß durch die Straßen flanieren oder über die Dächer turnen, können sie per Kutsche reisen. In der Realität des späten 19. Jahrhunderts konnten sich allerdings die wenigsten eine Kutsche leisten. „Das war ein Luxusobjekt wie heute ein Lamborghini“, erklärt Judith Flanders. Auch wenn sie für den Job bei der Videospielfirma kuriose Fragen beantworten musste („Wie parkt man ein Pferd?“, „Wie sagte man 1868, jemand sei verrückt?“), schwärmt sie: „Ich wünschte, alle Teile der Serie würden in Zukunft in dieser Ära spielen, denn das war der interessanteste Job meines Lebens.“

  • Michael Eichhammer

    Noch heute ist London eine Weltstadt. Zu der Zeit, in der Assassin´s Creed Syndicate spielt, war die Stadt noch mehr: das Herz des Britischen Empire, das Zentrum der Finanzen und des internationalen Handels sowie das mächtigste Imperium der Welt.

  • Ubisoft

    „Zucker und alle anderen Güter des British Empire liefen hier zusammen“, sagt Historiker Lee Jackson. „Eisenbahnen fuhren, neue Straßen wurden gebaut, Vororte entstanden.“ Das Versprechen eines neuen Zeitalters lockte auch Menschen aus den Provinzen und Migranten aus Irland in die Hauptstadt. Zusammen mit dem Aufblühen der Wirtschaft kamen also auch die ersten Wirtschaftsflüchtlinge auf.

  • Michael Eichhammer

    Creative Director Marc Alexis Côté sagt, der eigentliche Hauptcharakter des Spiels sei die Stadt London selbst. Um diese historisch korrekt darzustellen, wurde nicht nur die optische Seite betrachtet, sondern auch die akustische. Audio-Direktorin Lydia Andrew sah es als ihre Aufgabe, die verschiedenen Facetten des gesellschaftlichen Lebens auch akustisch adäquat darzustellen. „Von der Königin bis zum Dienstmädchen – wie kann man diese Persönlichkeiten akustisch zeigen?“ lautete für sie die Frage.

  • Ubisoft

    „Die viktorianische Zeit förderte die Mittelklasse, die Leute hatten plötzlich Freizeit, hörten Musik, gingen ins Theater“, erzählt Lydia Andrew. Ihr lag am Herzen, dass sowohl die Stimmen und Akzente als auch die Musik zu den jeweiligen Charakteren passten. „Bänker , die Champagner trinken, hören andere Musik als die Menschen im Whitechapel District“, sagt die Audio-Direktorin.

  • Michael Eichhammer

    „Trotz unzähliger zeitgenössischer Fotografien ist es schwieriger als es klingt, ein berühmtes Gebäude so abzubilden, dass es exakt so aussieht wie in dem konkreten Zeitfenster des Spiels“, verrät Ubisofts Haus- und Hof-Historiker Jean-Vincent Roy. „Beispielsweise hatten wir ein Gebäude, das schon damals existierte und heute eine altmodisch aussehende Sonnenuhr besitzt. Diese allerdings ist trotz historischer Anmutung erst in den Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts angebracht worden.“

  • Ubisoft

    Man müsse beim Erschaffen der künstlichen Welten ständig auf der Hut sein, dass keinem der digitalen Künstler ein architektonisches Detail entginge, so Roy. „Denn nichts sieht einem Bild aus dem Jahr 1860 ähnlicher als eines, das wenige Jahrzehnte später entstand– dennoch können Details gravierend anders sein.“

  • Michael Eichhammer

    In historischer Hinsicht sei es wesentlich leichter, Filme zu produzieren, als ein Spiel wie Assassin´s Creed Syndicate zu erschaffen, glaubt Jean-Vincent Roy. „Beim Film sieht man immer nur den gewählten Bildausschnitt, der komplett unter der Kontrolle der Filmemacher steht“, sagt der Historiker. „In unserem Spiel kann der Spieler frei entscheiden, ob er nach links oder rechts geht, nach oben auf ein Dach klettert oder nach unten schaut. Wir müssen also auch die Umgebung in all ihren Details akkurat darstellen.“

  • Ubisoft

    Eines der vielen Wahrzeichen der Stadt, die Spieler aus allen Perspektiven erkunden können, ist der Tower of London. Heute dient er als Touristenmagnet, im Lauf der Geschichte fungierte der Gebäudekomplex unter anderem als Residenz des britischen Adels, als Waffenkammer, Werkstatt und Gefängnis.

  • Michael Eichhammer

    Während Londons Ruhm und Reichtum nach außen wuchs, ging die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. In den Armengegenden lebten ganze Familien in einem Zimmer – zusammen mit den Ratten. Wer keine Arbeit hatte, stellte sich an die Docks und wartete auf schlecht bezahlte Gelegenheitsjobs. Die Verzweiflung in den Slums führte auch zu Straßenkriminalität, so dass sich die Reichen zunehmend bewaffneten.

  • Ubisoft

    Im Spiel gilt es, Kinderarbeiter aus einer Fabrik zu befreien. Auch das zählt zur traurigen Seite der viktorianischen Ära: Offiziell von Gesetzen gestützt war Kinderarbeit ab neun Jahren und bis zu zehn Stunden täglich erlaubt. Jean-Vincent Roy erklärt: „Die Art, wie Wohlstand und Macht in der Gesellschaft aufgeteilt werden, ist auch heute noch für viele Menschen ein Thema.“ Die Bezüge zur heutigen Zeit sieht er allerdings nicht im modernen London, sondern in Ländern, die erst heute an der Schwelle zu ihrer eigenen industriellen Revolution stehen.

  • Michael Eichhammer

    Warum die Programmierer derart viel Wert auf historische Authentizität legen? „Das ist die DNA der Spieleserie, das macht Assassin´s Creed einzigartig“, sagt François Pelland, Senior Producer. „Du bist ein Betrachter der Geschichte. Du triffst historische Persönlichkeiten wie Karl Marx, Charles Darwin und Charles Dickens, Queen Viktoria…“

  • Ubisoft

    „Die Story ist fiktiv“, sagt Produzent François Pelland, „doch jemand, der mit London vertraut ist, wird beim Spielen sofort erkennen, welche Wahrzeichen der Stadt wo zu finden sind oder in welcher bekannten Straße er sich gerade befindet.“ Um dies zu realisieren, arbeiten Ubisoft-Studios von Quebec über Montreal bis zu Bukarest, Kiew und Shanghai in Teamwork an dem Mammutprojekt. „Hunderte Menschen sind involviert“, verrät Senior Producer François Pelland. „Ein Drittel sind Entwickler und Programmierer, ein anderes Drittel die Künstler, welche die Welten und Figuren erschaffen und ein weiteres Drittel ist verantwortlich für das Testen, den Ton, die Special Effects, das Drehbuch, etc …“

  • Michael Eichhammer

    „Wir vermitteln einen absolut glaubwürdigen Eindruck vom viktorianischen London“, findet Jean-Vincent Roy (rechts, neben Art Director Thierry Dansereau). Als Historiker freut er sich besonders über eine angenehme Nebenwirkung der Assassin´s Creed-Spiele: „Die Reihe animiert Leute, sich mit Geschichte zu beschäftigen. Wenn die Neugier einmal geweckt ist, will man mehr über die Epoche und ihre berühmten Vertreter wissen.“

  • Michael Eichhammer

    Nicht nur was die Zahl der Mitarbeiter und den Arbeitsaufwand angeht, kann ein Blockbuster-Spiel aus der Assassin´s Creed-Reihe mit Kinofilmproduktionen mithalten, sondern auch hinsichtlich Produktionskosten. Genaue Zahlen nennt Produzent François Pelland (Foto) nicht, doch so viel verrät er uns: „Das Budget ist vergleichbar mit einem Hollywoodfilm… einem sehr, sehr großen Hollywoodfilm.“ Die Arbeiten an dem Spiel begannen bereits vor zweieinhalb Jahren. Ab dem 23. Oktober können Spieler die Zeitreise beginnen, denn dann erscheint „Assassin´s Creed Syndicate“ für die Konsolen PS4 und Xbox One. Die PC-Version folgt Mitte November.

Der Aufwand, mit dem das Videospiel “Assassin´s Creed Syndicate” das historische London abbildet, ist beispiellos. Das steckt hinter dem Game.

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