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Der betrogene Geschmackssinn – Teil 4

Aromastoffe: Weshalb „natürlich“ nicht wirklich natürlich ist

Aromastoffe: Weshalb „natürlich“ nicht wirklich natürlich ist

Warum setzt die Lebensmittelindustrie so viele Aromastoffe ein? Schmecken natürliche Produkte nicht viel besser? Interview mit Christian Niemeyer, Diplom-Biologe und Leiter des Deutschen Zusatzstoffmuseums in Hamburg.
  • Joghurt mit Himbeeren

    istock/Christian-Fischer

    Durch den Einsatz von Aromen ist es möglich, Lebensmittel wesentlich kostengünstiger zu produzieren. Ein Beispiel: Himbeeren sind vergleichsweise teuer – die Welternte reicht gerade mal aus, um fünf Prozent der Nachfrage abzudecken. Für 100 Kilogramm Joghurt mit frischen Himbeeren müsste man schon mehr als 30 Euro investieren. Zum Vergleich: Mit naturidentischen, also chemisch-synthetisch nachgebauten Aromastoffen liegen die Kosten bei nur sechs Cent. Ein Preisunterschied, von dem auch der Verbraucher profitiert. Viele Lebensmittel werden dadurch überhaupt erst marktfähig.

  • Inhaltsstoffe eines Joghurts

    imago/Niehoff

    Die Angabe „Aroma“ in der Zutatenliste kann bedeuten, dass das verwendete Aromamolekül zwar aus der Natur bekannt ist, aber vollständig durch eine chemische Synthese nachgebaut und produziert wird. Im Gegensatz dazu werden die Stoffe in einem „natürlichen Aroma“ aus natürlichen Bestandteilen gewonnen. Das können aber auch bestimmte Bakterienarten oder Schimmelpilze sein. Es ist auch möglich, etwa einen Vanilleduft aus Reiskleie zu gewinnen. Oder den Geruch der Himbeere aus Zedernholz zu ziehen. Oder Buchweizenspelzen als Quelle für Ananasgeruch zu verwenden. Allein die Auslobung, dass nur natürliche Aromen enthalten sind, bringt dem Verbraucher also keine höhere Qualität. Wenn der Ausgangsstoff in der Zutatenliste genannt ist, zum Beispiel „natürliches Erdbeeraroma“, dann muss das Aroma zu 95 Prozent aus Erdbeeren gewonnen sein. Fünf Prozent dürfen andere Stoffe sein.

  • Junge genervt vor Gemüse

    istock/MementoImage

    Eigentlich für alle, die beim Einkauf Wert darauf legen, das Geld für echte Zutaten auszugeben. Aber besonders für Kinder. Denn in jungen Jahren wird das Geschmacksempfinden geprägt. Werden in dieser Zeit viele aromatisierte Produkte gegessen, so kommt die körpereigene Regulation durcheinander. Und solche Produkte werden später denen, die aus echten Zutaten bestehen, vorgezogen.

  • Allergie-Produkte

    istock/piotr_malczyk

    Aromen sind komplexe Gemische. Es gibt Aromastoffe, die im Verdacht stehen, Allergien zu fördern oder Unverträglichkeiten auszulösen. Dafür können aber auch Trägerstoffe wie Lactose oder Perubalsam verantwortlich sein. Übrigens: Duftstoffe in Raumdüften, Reinigungs- und Waschmitteln oder Kosmetika stellen häufig ebenfalls eine problematische Quelle dar.

  • Lebensmittelprüfung

    istock/nicoletaionescu

    Ein Einsatz von Aromen macht Lebensmittel nicht einfach nur attraktiver oder günstiger, sondern er ermöglicht den Lebensmittelherstellern auch, auf eine große Trickkiste zurückzugreifen. Daher sollten die Verbraucherinnen und Verbraucher sich genau überlegen, wo sie eine Verwendung von Aromen akzeptieren. Es sind Stoffe, die vielleicht den Sinnen schmeicheln, nicht aber die Qualität eines Lebensmittels erhöhen.

Warum setzt die Lebensmittelindustrie so viele Aromastoffe ein? Interview mit Christian Niemeyer, Diplom-Biologe und Leiter des Deutschen Zusatzstoffmuseums in Hamburg.

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