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Abgerissene DDR-Bauten: Ist das denkmalgeschützt oder kann das weg?

Abgerissene DDR-Bauten: Ist das denkmalgeschützt oder kann das weg?

Vor 40 Jahren feierlich eingeweiht – heute spurlos verschwunden: der Palast der Republik in Berlin. Asbestverseuchung war das Todesurteil des einstigen Symbolgebäudes der DDR. Doch der Palast ist nur das prominenteste Beispiel für viele zerstörte Zeitdokumente.
  • Palast der Republik

    Imago/bonn-sequenz

    Am 23. April 1976 wurde der Palast der Republik am Berliner Schlossplatz (damals Marx-Engels-Platz) eingeweiht. Das Gebäude war DAS Symbol der DDR und bekam seinen Platz dort, wo ursprünglich das im Krieg zerstörte Stadtschloss der Preußenkönige stand. Einst Sitz der SED-dominierten Volkskammer, tagte dort später die erste frei gewählte demokratische Volksvertretung im Jahr 1990. Bis zu seiner Schließung beherbergte das Haus des Volkes – wie es die Bürger auch gerne nannten – zahlreiche Gaststätten und Cafés, ein Theater und eine Kegelbahn. Kultur und Politik, Volk und Staat sollten in diesem Gebäude zusammenfinden. 2003 dann das Ende: Der Bundestag beschloss den Abriss.

  • Palast der Republik

    Imago/Olaf Wagner

    56.600 Tonnen Beton, 19.300 Tonnen Stahl und Eisen, 500 Tonnen Glas, 600 Tonnen Ziegel und Holz, 1.000 Tonnen Bitumengemische, Kunststoffe und Dämmstoffe. Und zu guter Letzt: 200 Tonnen kritische Stoffe mit hohen Asbestanteilen. Dieser „Ballast der Republik“ wurde in den Jahren von 2006 bis 2008 nach und nach abgetragen. Doch bis dahin war es ein langer Weg: Denn die Asbestverseuchung reichte den Behörden nicht aus, um das Gebäude komplett dem Erdboden gleich zu machen. Zu viele Einwände und Proteste gab es gegen den Abriss des geschichtsträchtigen Volkspalastes – darunter sogar Linkspolitiker Gregor Gysi, der mit vollem Köpereinsatz das Dach des Gebäudes besetzte…

  • Berliner Stadtschloss (1899)

    Imago/Imagebroker

    … und das an einem historischen Ort. Seit dem 15. Jahrhundert stand hier das dominierende Bauwerk der historischen Mitte Berlins: das Berliner Stadtschloss. Einst Residenzschloss der Hohenzollern (15. Jahrhundert) und dem deutschen Kaiser (19. Jahrhundert) verwandelte es sich zur Zeit der Weimarer Republik in ein Museum und einen Konzertsaal. Aufgrund der Zerstörung dieses Kulturguts im Zweiten Weltkrieg beschloss die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) die Beseitigung des ausgebrannten Monumentes, obwohl die Fassade und die tragenden Wände größtenteils dem Krieg standgehalten hatten.

  • Berliner Stadtschloss

    Imago/STPP

    Heute entsteht dort der Neubau des ehemaligen Berliner Stadtschlosses. Nach Fertigstellung – voraussichtlich im September 2019 – soll das künftige Humboldtforum dort einziehen. Es wird dann mit außereuropäischen Sammlungen und weiteren Ausstellungen die Berliner Museumsinsel ergänzen. Vor allem aber gibt es dem Berliner Stadtbild ein Stück Geschichte zurück, während andere historische Bauten einfach platt gemacht wurden…

  • Außenministerium

    Imago/teutopress

    Von 1964 bis 1967 wurde der zehnstöckige Büroklotz am Spreekanal erbaut: das DDR-Außenministerium – im Volksmund auch „Winzerstuben“ genannt. 145 Meter Länge, 22 Meter Breite und 44 Meter Höhe sollten die Wichtigkeit des DDR-Staates demonstrieren. In Wirklichkeit stellte es wohl eher die vorherrschende Realität der DDR da: pompöse Außenwände und dahinter – karge Räume. Letztendlich verstellte der überdimensionale Stahlriese den Blick auf die historische Mitte. Kein Wunder, dass der Abriss im Jahr 1995 auf keinen größeren Protest stieß.

  • Ahornblatt

    Imago/Rolf Zöllner

    Das Ahornblatt machte seinem Namen alle Ehren. Die Mehrzweckhalle am Berliner Spittelmarkt ragte wie ein Ahornblatt seine Spitzen in den Himmel. In den 70er Jahren stand es in Berlin Mitte am Eingang zur Fischerinsel und diente tagsüber als Kantine für die benachbarten Betriebe und abends als gesellschaftliches Zentrum. Die Brisanz hinter dem Abriss im Jahr 2000: Das Gebäude stand unter Denkmalschutz. Nicht nur Architekten und Politiker protestierten dagegen, das einzigartige Bauwerk zu vernichten. Wie konnte es trotzdem dazu kommen? 1997 hatte die Stadt das Gebäude an die Objekt Marketing GmbH verkauft, die sich schlichtweg die Abrissgenehmigung von der Berliner Architektenkammer holte. Heute steht dort ein Novotel-Hotel.

  • Lenin-Denkmal

    Imago/Gerhard Leber (links) /PEMAX (rechts)

    Die 19 Meter hohe Leninstatue überragte zu DDR-Zeiten den heutigen Platz der Vereinten Nationen in Friedrichshain. 1991 wurde die Statue zerlegt, indem Bauarbeiter zunächst den 3,5 Tonnen schweren Kopf abnahmen – eine symbolträchtige Szene, die es sogar in den Film „Good Bye, Lenin!“ schaffte. 24 Jahre lang ruhten die 129 Einzelteile des Genossen Lenins unter der Erde – in der Seddiner Heide in Köpenick. Für die Ausstellung zu Berliner Denkmälern buddelte man Lenins Kopf wieder aus. DDR-Fans müssen nicht mehr lange warten, um auf Augenhöhe mit dem russischen Politiker aus Granit zu sein: Ende April ist er in der Spandauer Zitadelle zu bestaunen.

  • Stadion der Weltjugend

    Imago/Marco Bertram

    Das größte Leichtathletik- und Fußballstadion der DDR war das 1950 eröffnete Walter-Ulbricht-Stadion. Die Zuschauerkapazität: 70.000. 13 offizielle Länderspiele durfte die DDR-Nationalmannschaft hier austragen – darunter auch deutsch-deutsche Duelle. Im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 2000 musste es einer moderneren Arena weichen. Seit 2006 entsteht an der Stelle die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes.

  • Palasthotel

    Imago/Sven Simon

    Dem Palast der Wessis drohte dasselbe Ende wie dem Palast der Republik: als Bauschutt. In das Palasthotel gegenüber dem Dom quartierten sich in den Siebzigern ausschließlich Politiker, Geschäftsleute und Prominenz aus dem Westen ein. Das Besondere: Die Gäste durften mit D-Mark oder Dollar bezahlen. Das Hotel war sogar mit West-Produkten ausgestattet, die es in der DDR normalerweise nicht gab – wie etwa Limousinen von BMW, Audi und Volvo. Sollte der Prunk von den Stasi-Machenschaften ablenken? Es heißt, die Staatssicherheit soll die Hotelzimmer mit Kameras ausgestattet und sogar Prostituierte eingesetzt haben, um Informationen von den Besuchern aus dem anderen Deutschland herauszulocken. 2001 wurde dem Stück Westen im Osten ein Ende gesetzt.

  • Alexanderplatz

    Imago/Marco Bertram

    Das 17-stöckige Haus des Reisens (links im Bild) am Alexanderplatz ist gerade noch verschont geblieben. Zwar kamen Gerüchte auf, dass der 70er-Jahre Bauklotz dem Erdboden gleichgemacht werden sollte: „Und wieder stirbt ein Stück DDR“ titelte der Berliner Kurier vor genau einem Jahr. Das 65 Meter hohe Haus passe nicht zur Alex-Neugestaltung, obwohl es zum Beispiel mit dem angesagten Club „Week-End“ jedes Wochenende zahlreiche Feierwillige anlockt. Im selben Jahr kam jedoch die große Erleichterung: Neben anderen Bauten am Alex wurde das Haus des Reisens unter Denkmalschutz gestellt, da „der ideologische und künstlerische Gehalt von Architektur und Kunst besonders gut abzulesen" sei, so die Begründung.

  • Haus des Lehrers

    Imago/Hoch Zwei Stock / Angerer

    Insgesamt wurden nur wenige DDR-Bauwerke nach der Wiedervereinigung unter Denkmalschutz gestellt, wie hier im Bild das Haus des Lehrers. Die Hauptgründe für die geringe Zahl sind neben neuen ästhetischen Ansprüchen und Nutzungsinteressen vor allem auch die hohen Bodenpreise in den Stadtzentren. Wenn man sich einige Bauklötze ansieht, ist dies ebenfalls nachvollziehbar. Aber dennoch: Ob elende Bauten oder wertvolle Zeitdokumente – der Schutz historischer Gemäuer ermöglicht, dass die DDR und mir ihr ein wichtiger Teil deutscher Geschichte nie vergessen wird.

Vor über 40 Jahren feierlich eingeweiht – heute spurlos verschwunden: der Palast der Republik in Berlin. Asbestverseuchung war das Todesurteil des einstigen Symbolgebäudes der DDR. Doch der Palast ist nur das prominenteste Beispiel für viele zerstörte Zeitdokumente.

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