
Das Gesetz des Primings: Seine Worte gezielt auswählen
Worte sind im Grunde die Währung des Gehirns. Ohne Worte keine Gedanken und Gefühle. Und wer diese Hintertür der Psyche kennt, kann die kognitive Macht der Worte nutzen, um sich und andere zu manipulieren – oder zu heilen.
Die Soft- und Hardware des Menschen beeinflussen
„Wir wissen nicht, dass wir einen Reiz wahrgenommen haben, aber man kann nachweisen, dass wir trotzdem darauf reagieren“, erklärt Psychologe Daniel Kahneman, der diesen Effekt „Priming“ nennt. Doch wie kann es sein, dass jenseits von Fachkreisen kaum einer davon weiß – obwohl jeder Mensch mehrfach täglich von diesem Effekt beeinflusst wird? Im Alltag ist man sich dessen selten bewusst, aber Gedanken und Gefühle kommen nicht aus dem Nichts. Sie benötigen einen Kontext – und da die gedankliche Währung unseres Gehirns Worte sind, wir also das, was wir denken und fühlen, in Worte übersetzen, besteht zwischen diesem Kontext und Worten ein enger Zusammenhang.
Worte wirken stärker als jedes Medikament
Ein Beispiel: Christian Edwards von der University of Worcester gelang es, die Leistung von Rugby-Spielern signifikant zu verbessern – nur indem er sie mit Sätzen wie „Ich kann heute höher springen“ primte. Ähnlich beeindruckend sind die medizinischen Effekte des Primings: Für angehende Ärzte ist Heilen durch Sprache mittlerweile Teil ihrer Ausbildung. Denn Worte können Krankheiten sowohl heilen als auch verschlimmern. Studien belegen, dass ein Medikament besser wirkt, wenn ein Arzt dessen positive Effekte anstelle der Nebenwirkungen anspricht. „Ich kenne nur wenige Heilmittel, die mächtiger sind als ein sorgsam gewähltes Wort“, beschreibt der amerikanische Kardiologe Bernard Lown diese erstaunlichen Effekte.