Psychologie

Zerplatzte Träume: Warum haben wir Liebeskummer?

Das Herz rast, man zittert und schwitzt: Liebeskummer fühlt sich an wie ein Drogenentzug. Manche treibt der Herzschmerz gar zu furchtbaren Taten. Doch vom Standpunkt der Evolution aus betrachtet macht Liebeskummer durchaus Sinn.

Herz

© iStock/weerapatkiatdumrong

Wie auf Drogen, in einem dauerhaften Rauschzustand – frisch Verliebte schweben wie auf Wolken. Der Körper wird von Glückshormonen überschüttet, vor allem von Dopamin. Dadurch leiden Verliebte im positiven Sinne an einer psychischen Störung, die starke Motivation und Begeisterungsfähigkeit auslöst. Der Ausnahmezustand hat auch einen biologischen Sinn: Der Körper reagiert freudig erregt auf die Aussicht der Fortpflanzung.

Schluss mit lustig

Stimmt es aber zwischen den Partnern nicht mehr und kommt es zur Trennung, dann ist mit dem schönen Gefühl Schluss. Auf den Rauschzustand folgt der Entzug – denn die Glückshormone bleiben aus. Stattdessen werden die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass sich dabei sogar die Gehirnstruktur verändert und der Blutdruck steigt. Das Denken der Betroffenen verändert sich, sie fühlen sich isoliert, abgeschnitten vom Rest der Welt.

Die gute Nachricht ist: Liebeskummer geht vorbei. Doch bis dahin ist der menschliche Körper einem hohen Maß an emotionalem Stress ausgeliefert. Dieser kann im Extremfall sogar – ähnlich wie bei einem normalen Herzinfarkt – eine Herzmuskelschwäche auslösen. Kardiologen sprechen dann von einem „Broken Heart Syndrom“. Die Stresshormone beeinträchtigen die Herzfunktion und führen im schlimmsten Fall zum Herzstillstand. Während bei einem echten Infarkt Herzgewebe unwiderruflich zerstört wird, heilen gebrochene Herzen jedoch wieder von selbst, sobald die Stresshormone im Körper abgebaut werden. Pro Jahr werden in Deutschland etwa fünfzehn bis zwanzig Patienten mit „Broken Heart Syndrom“ behandelt.

Liebeskummer macht Sinn

Manchen Menschen gelingt es allerdings nicht, mit den starken negativen Gefühlen zurechtzukommen. Sie können den Liebeskummer nicht aus eigener Kraft überwinden. Doch wenn Alltagspflichten und Beruf vernachlässigt werden, wenn sich nicht nur die seelische, sondern auch die körperliche Verfassung drastisch verschlechtert, wenn Tabletten und Alkohol konsumiert werden oder wenn sich die Betroffenen von ihrer Umwelt komplett abschotten, dann wird professionelle Hilfe notwendig. Eine psychotherapeutische Behandlung kann den Betroffenen helfen, den quälenden Kummer zu verarbeiten und wieder nach vorn zu schauen.

Evolutionstheoretisch betrachtet macht das schreckliche Gefühl aber durchaus Sinn: Liebeskummer fördert den Erhaltungstrieb und den Schutz der Familie. Unsere Vorfahren konnten sich einen ständigen Wechsel von Partnern, wie er heute schon fast üblich ist, nicht leisten. Liebeskummer bewahrte sie davor, sich von ihren Partnern zu trennen. Eine starke emotionale Bindung förderte den Zusammenhalt der Familien und schützte so den Nachwuchs.

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