Rätselhafte Orte

Wo kämpften deutsche und US-Soldaten gemeinsam gegen Hitler?

Schloss Itter wurde 1943 zur Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau. SS-Einheiten bewachten hier sog. Ehrengefangene – z. B. die ehemaligen franz. Premierminister Édouard Daladier und Paul Reynaud sowie den Tennisspieler Jean Borotra. Überlebten sie den Krieg?

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Die Geschichte, die sich am 4. Mai 1945 im Brixental in Tirol ereignet, könnte auch von einem Hollywood-Autor stammen. Doch die Geschichte ist wahr: Mitglieder einer SS-Totenkopf-Schwadron halten in den Kerkern von Schloss Itter französische KZ-Insassen fest – und drohen sie im Angesicht der heranrückenden US-Truppen zu erschießen. 

Unter den Gefangenen sind die ehemaligen französischen Premierminister Édouard Daladier und Paul Reynaud – und weitere sogenannte „Ehrenhäftlinge“. Nicht weit von Schloss Itter hört Josef Gangl – ein hochdekorierter Major der Wehrmacht, der sich mit den wenigen Überlebenden seiner Einheit österreichischen Untergrundkämpfern angeschlossen hat – von dem geplanten Massaker. Gangl erkennt die Gefahr, in der sich die Gefangenen befinden – benötigt aber mehr Männer, um einen Befreiungsversuch zu riskieren. 

Die Legende nimmt ihren Lauf…

Und so entschließt er sich zu einem radikalen Schritt: Zusammen mit seinen besten Männern sucht er in den umliegenden Wäldern nach einer US-Vorhut, um sie um Hilfe zu bitten. Im Mai 1945 kein ungefährliches Unterfangen für deutsche Soldaten. Schließlich trifft Gangl auf eine kleine Kampfeinheit unter Captain John Lee. 

Am Ende des Tages stürmen zehn US-Soldaten und 14 Wehrmachtsoldaten mit einem Shermanpanzer das Schloss, retten die Geiseln vor ihrer Erschießung. Die ganze Nacht verteidigen sie das Schloss gegen angreifende SS-Einheiten. Am nächsten Tag werden sie von nachrückenden US-Einheiten unterstützt. Gangl überlebt die Nacht nicht. Bei dem Versuch, einen Häftling zu retten, wird er in den Kopf getroffen. 

Historische Einordnung

Der in Deutschland kaum bekannte Einsatz ist in den USA eine Legende – nicht nur, weil die Umstände so kurios waren, sondern auch, weil sie (ähnlich wie im Fall des sogenannten Weihnachtsfriedens, bei dem am 24. Dezember 1914 britische und deutsche Soldaten spontan gemeinsam an der Westfront feierten) zeigt, dass die Menschlichkeit auch im Krieg obsiegen kann – und Feinde sich sogar auf dem Schlachtfeld versöhnen können.

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