Finanzen

Wie gefährlich ist das kontaktlose Bezahlen?

Kontaktloses Bezahlen trifft den Zeitgeist: Selbst unter den über 60-Jährigen finden laut Statista mittlerweile 45 Prozent Gefallen am Bezahl-Quickie mit EC-Karte oder Smartphone. Doch wie sicher ist eigentlich diese Zahlweise wirklich?

© iStock/fizkes

Near Field Communication (NFC), zu Deutsch Nahfeldkommunikation – so heißt die Technologie, die den Austausch von Daten zwischen der Geldkarte oder dem Smartphone mit einem speziellen Kartenlesegerät ermöglicht. Diese tauchen an immer mehr Verkaufstresen auf. Vom Coffee-Shopp über den Zeitungsladen bis hin zum klassischen Einzelhandel bieten immer mehr Outlets ihren Kunden an, Einkäufe durch ein bloßes Hinhalten der Bankkarte oder des Smartphones zu begleichen – bis 25 Euro Höchstbetrag ohne jegliche Authentifizierung durch PIN oder Unterschrift. Sowohl für Kunden wie Verkäufer liegen die Vorteile auf der Hand: Es kommt so mehr Tempo ins Geschäft, vor allem mit Kleinigkeiten für den täglichen Bedarf – also Kaffee & Croissant zum Frühstück, ein Magazin für die Bahnfahrt oder ein Fitnessdrink auf dem Weg ins Sportstudio sind viel schneller bezahlt als mit Bargeld oder der klassischen Kartenzahlung. 

NFC – eine ziemlich sichere Sache 

 Dabei darf der Abstand zwischen Lesegerät und Karte oder Smartphone maximal vier Zentimeter betragen, um den Funk-Datentransfer auszulösen. Schon das ist ein großes Sicherheitsplus. Denn ein Drittgerät, dass Daten abgreifen könnte, müsste genau in der Vier-Zentimeter-Lücke zwischen dem Lesegerät und dem Karten- oder Smartphone-Chip positioniert werden, was so gut wie ausgeschlossen ist. Auch die Vorstellung, dass Übeltäter mit fingierten Lesegeräten in der engen U-Bahn oder auf der Rolltreppe per Funk Abbuchungen vornehmen, ist so gut wie ausgeschlossen. Denn schließlich müsste es Ihnen gelingen, das Lesegerät in die unmittelbare Nähe des Chips zu bekommen, was unbeachtet vom arglosen Opfer kaum zu schaffen ist. Denn erstens müsste der „Funkdieb“ wissen, wo sich der Chip seines Opfers genau befindet, und zweitens muss er es bewerkstelligen, das Lesegerät auf vier Zentimeter an das Objekt der Begierde heranzubringen.

Bisher so gut wie keine Missbrauchsfälle bekannt

Das dieses technisch bedingte Sicherheitskonzept aufgeht, bestätigt auch eine Nachfrage beim Verbraucherschutz: Bisher sind so gut wie keine Fälle bekannt, bei denen Chip-Inhaber geprellt wurden. Das System ist zusätzlich noch mit einem weiteren Sicherheitsfeature bestückt. Wird ein kontaktloser Bezahlvorgang abgebrochen, weil der Abstand zum Lesegerät während des Funkprozesses auf einmal zu groß wird, kann dieser Vorgang nur wiederholt und abgeschlossen werden, wenn im zweiten Versuch die PIN eingegeben wird.  

Auch in datenschutzrechtlicher Hinsicht bestehen gegen NFC-Bezahlungen keine großen Bedenken. Denn die Datensätze, die per Funk zwischen Chip und Lesegerät ausgetauscht werden, erhalten lediglich die für die Bezahlung nötigen Kontoinformationen, weitere personenbezogenen Daten sind dem Chip also nicht zu entlocken. 

Grundproblem beim Smartphone: Hackerangriffe 

Während also der Chip in der Bankkarte keinerlei Sicherheitsbedenken zur Folge hat, sieht es beim Smartphone prinzipiell anders aus. Zwar ist auch hier ein Chip ins Gerät installiert, um diesen zu aktivieren bedarf es allerdings einer App. Und diese ist – wie alle anderen Apps auch – niemals vor professionellen Hackerangriffen geschützt. Schafft es ein Hacker beispielsweise, durch einen Trojaner Zugang zu allen im Smartphone gespeicherten Daten zu bekommen, so sind vermutlich auch die Informationen im Bankchip davon betroffen. Wird das Smartphone also gehackt oder verloren, sollte auf jeden Fall auch die Bank informiert werden, damit der NFC-Chip schnell gesperrt wird. 

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