Geschichte

Wem gehört Cromwells Schädel?

Warum der ehemalige Militärdiktator Englands erst 300 Jahre nach seinem Tod zur Ruhe kam …

Oliver Cromwells Schädel

© imago/blickwinkel

Oliver Cromwell herrschte weniger als fünf Jahre als Militärdiktator über England, ehe er auf der Höhe seiner Macht am 3. September 1658 an den Folgen einer Blaseninfektion starb. Als danach im Jahre 1660 die Monarchie wieder eingeführt wurde, wollte Karl II. alle diejenigen bestrafen, die für den Tod seines  Vaters verantwortlich waren – also auch Cromwell. Unter dem Jubel der Menge hängte man seine Leiche an einem Galgen auf. Am Nachmittag schnitt man sie dann herunter und schlug ihr den Kopf ab. Die enthauptete Leiche wurde vergraben, der Kopf jedoch auf eine sechs Meter hohe Stange gespießt und auf dem Dach der Westminster Hall in London zur Schau gestellt. Dort blieb er mehr als 20 Jahre, als sichtbare Warnung für alle, die sich mit der Monarchie anlegen wollten. 
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Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wehte jedoch Cromwells Kopf bei einem Sturm vom Dach und landete vor den Füßen einer Wache. Der Mann versteckte den Schädel in seinem Kamin. Erst auf dem Sterbebett verriet er Frau und Tochter, was für ein ungewöhnliches Objekt bei ihnen im Kamin ruhte. Die Tochter des Wachmanns verkaufte den Kopf. Das nächste Mal tauchte der Kopf dann etwa im Jahr 1710 auf, ausgestellt in einem Kuriositätenkabinett. Als Besitzer folgten Säufer, Schauspieler, Künstler, Juweliere, bis 1815 Josiah Henry Wilkinson aus der Grafschaft Kent den Schädel kaufte. Erst seit den 1930er-Jahren gilt es jedoch als wissenschaftlich erwiesen, dass es sich bei diesem Schädel tatsächlich um den von Cromwell handelt. Anfang des Jahres 1960 kontaktierte Horace Wilkinson das zur Universität Cambridge gehörende College Sidney Sussex, an dem Cromwell studiert hatte. Am 25. März desselben Jahres wurde Cromwells Kopf auf dem Collegegelände beerdigt. Nach 300 Jahren öffentlicher Zurschaustellung hat Cromwells Kopf schließlich seine Ruhe gefunden.

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