Lauftechnik

Vorfußlaufen: Warum wir verlernt haben, richtig zu laufen

Leichtathleten, Überzeugungstäter und Naturvölker sind der Beweis: Die richtige Art zu laufen, wie sie die Evolution für uns vorgesehen hat, ist die Vorfußtechnik. Das Gute: Schon ein paar Stunden Vorfußlaufen pro Woche wirken ungeheuer wohltuend. Und auch eine Totalumstellung ist machbar, erfordert aber Geduld.

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Beim Blick auf den menschlichen Bewegungsapparat wird schnell klar, dass unsere Art zu gehen von der Natur so nicht beabsichtigt war. Beinahe die gesamte zivilisierte Welt läuft auf der Ferse. Beim Auftreten wird bei dieser Lauftechnik der Stoß durchs gerade Bein übers Knie in die Hüfte geleitet. Das spüren wir besonders, wenn wir über längere Zeit barfuß laufen und bewusst auf der Ferse auftreten: Das wird schon nach kurzer Zeit unangenehm und wir beginnen beinahe unbewusst, etwas mehr über die Fußballen zu laufen. Bei dieser Vorfußtechnik wird nämlich komplett anders „abgefedert“. Das Bein ist beim Auftreten leicht angewinkelt und wirkt wie ein eleganter Stoßdämpfer. Der Aufprall wird über sachte über die beteiligten Gelenke an Fuß, am Knie und an der Hüfte verteilt und somit sanft abgefedert. Vorfußlaufen ist nicht nur angenehmer für den Organismus, sondern auch schneller. Wenn wir über den Ballen Laufen vollzieht der Fuß automatische eine Bewegung nach hinten, sorgt also für „Vortrieb“. Das ist auch der Grund dafür, dass ausnahmslos alle Läufer der Leichtathletik-Disziplinen, vom Sprinter bis zum Langstreckenläufer – über den Vorfuß laufen. 
 
Die Entwicklung des Schuhs hat uns zu Fersenläufern gemacht
 
Schuhe hatten in der Uhrzeit lediglich den Zweck, die Fußsohlen vor Verletzungen und Kälte zu schützen. Über die Jahrhunderte wurde daraus ein Schuh mit Sohle, die zusätzlich für Grip und Komfort sorgen sollte. Und da das Laufen über die Ferse weniger Energie kostet, als das Vorfußlaufen, haben wir der Evolution ein Schnippchen geschlagen, uns an den heutigen Schuh gewöhnt und uns den für uns vorgesehenen Laufstil einfach abgewöhnt. Die gute Nachricht: Orthopäden sind sich einig darin, dass wir heute so sehr an das Fersengehen gewöhnt sind, dass unser Körper dadurch nicht geschädigt wird. Gleichwohl ist das Vorfußlaufen aber eine willkommene Abwechslung, die „eingeschlafene“ Muskeln aktiviert und die wir durchaus mehrfach die Woche einstreuen sollten. Es gibt auch Verfechter der Komplett-Umstellung, beispielsweise durch den Wechsel auf „Barfußschuhe“. Die zwingen uns beinahe dazu, über den Ballen abzurollen, weil ihre nicht vorhandene Dämpfungssohle den Stoß beim Auftreten ungedämpft an den Körper abgibt. Die Folge ist, dass wir in Barfußschuhen unbewusst nach wenigen Tagen zum Vorfußläufer werden – immer mehr Menschen lassen sich bewusst auf diese Umstellung ein. Allerdings sollte eine solche Umstellung in kleinen Dosen erfolgen, weil durch das Vorfußlaufen die Achillessehen stärker belastet wird. Bei einen Komplettumstellung kann dies zu Beschwerden führen. Eine Option ist beispielsweise, beim Joggen, beim Nordic-Walking oder beim Wandern auf die Vorfußtechnik umzustellen. Zusätzlich sollten wir gerade die Sommermonate dazu nutzen, so oft wie möglich barfuß zu laufen – was mit der Vorfußtechnik deutlich angenehmer ist. 

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