Frage der Woche

Tödlicher Rausch: Wie gefährlich ist Schnüffeln?

Den Geruch von Kleber, Deo, Haarspray, Benzin oder Schuhcreme finden viele Menschen angenehm. Direkt eingeatmet, wirkt er sogar berauschend. Vor allem Jugendliche probieren dies oft aus. Die Gefahr ist ihnen meist nicht bewusst, dabei kann es tödlich enden.

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Die eigentlichen Schnüffelstoffe sind die in Kosmetika und Kleber enthaltenen leicht flüchtigen Lösungsmittel wie Aceton oder Toluol und Treibgase wie Butan. Menschen, die den günstigen Rausch suchen, riechen direkt an der Tube, träufeln etwas Flüssigkeit auf ein Tuch oder sprühen beispielsweise Deo in eine Tüte, um direkt daraus das konzentrierte Gas zu inhalieren. Atmet man die Stoffe ein, gelangen sie über die Lunge in den Blutkreislauf und von dort in den ganzen Körper. Schon nach kurzer Zeit tritt ein Rauschzustand ein, der Minuten bis Stunden andauern kann. Zuerst wird man high und enthemmt, dann müde und benommen.

Tödliche Droge aus dem Badschrank

Im Vergleich zu anderen Drogen sind Schnüffelstoffe nicht für den menschlichen Gebrauch gedacht. Sie sind lediglich Inhaltsstoffe verschiedenster Alltagsprodukte. Demnach kann sie jeder legal und billig überall kaufen. Vieles befindet sich sowieso im eigenen Badschrank. Da Schnüffelprodukte so leicht zu bekommen sind, greifen gerade viele Jugendliche und zum Teil auch Kinder darauf zurück. Zudem ist die Hemmschwelle niedrig: Über Heroin oder LSD hat man schon viele Horrorgeschichten gehört, aber ein normales Deo wird schon nicht schaden. Doch diese Vermutung ist falsch. Schon das einmalige Schnüffeln kann tödlich enden. Oft versagt das Herz oder die Konsumenten ersticken. Auch in Deutschland finden Eltern ihre Kinder immer wieder tot mit Blut am Mund in ihrem Zimmer, daneben eine Plastiktüte und ein Sprühdeo.

Schnüffeln zerstört den Körper

Aber nicht nur die akute Lebensgefahr wird unterschätzt, sondern auch die Langzeitfolgen. Diese sind ähnlich kritisch wie bei harten Drogen: Häufig leiden das Gedächtnis und die Intelligenz, es kommt zu Leber, Nieren- und Lungenschäden, Muskelschwäche, schweren Nervenschäden, Hörverlust und psychischen Problemen wie Depressionen. Ein weiterer Punkt, wieso Schnüffelstoffe ebenso gefährlich sind wie illegale Drogen ist, dass sie psychisch und physisch abhängig machen können. Entzugserscheinungen wie Schweißausbrüche, Kopfschmerzen oder sogar Krampfanfälle sind die Regel.

Die Forderung nach Warnhinweisen bliebt hierzulande bislang erfolglos. In England und den USA steht auf Deosprays schon seit Jahren, dass unsachgemäßer Umgang tödlich sein kann. In den USA klären sogar kurze Clips beispielsweise von Axe oder Dove im TV und Kino über die Gefahren auf.

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