Medizin

Therapie bei Herzschwäche: So schreitet die Forschung voran

Knapp zwei Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer chronischen Herzschwäche. Neben der Behandlung mit Medikamenten suchen Forscher auch nach unterstützenden Geräten. So befindet sich aktuell ein ausgeklügelter Softroboter in der Testphase.

© imago-Steffen-Schellhorn

Herzschwäche, medizinisch Herzinsuffizienz genannt, ist in Deutschland der häufigste Grund für Krankenhausaufenthalte. Damit das Herz der Betroffenen trotz der eingeschränkten Pumpfunktion weiter für eine Durchblutung des Körpers und wichtiger Organe sorgen kann, ist medizinische Hilfe nötig. Viele Menschen schieben erste Symptome, wie rasche Erschöpfung bei leichter körperlicher Anstrengung, häufig auf das Alter – so kann sich die Herzinsuffizienz schnell zu einer chronischen Erkrankung entwickeln. Von chronischer Herzschwäche spricht man, wenn die Pumpfunktion des Herzens bereits seit Wochen, Monaten oder Jahren eingeschränkt ist. 

Symptome: Erschöpfung und Ödeme

Im Krankheitsverlauf kann es zu einem Rückstau des Blutes in die Lunge und in die Venen kommen. Dadurch entstehen Atemnot, vor allem im Liegen, und Wassereinlagerungen. Diese sogenannten Ödeme treten zumeist an Fußgelenken und Beinen auf und können eine rapide Gewichtszunahme verursachen. 

Um derartige Komplikationen zu vermeiden, betreibt die Medizin intensive Forschung. Medikamente wie ACE-Hemmer zur Blutdrucksenkung, bestimmte Betablocker und Diuretika gegen Flüssigkeitseinlagerungen sollen verbessert und durch neue Behandlungsmöglichkeiten ergänzt werden. Neu ist die Kombination der Wirkstoffe Sacubitril und Valsartan. Ärzte verabreichen sie dann, wenn ACE-Hemmer nicht ausreichend helfen. Laut Studien senkt die Sacubitril-Valsartan-Kombination die Zahl der durch Herzschwäche bedingten Klinikaufenthalte um 21 Prozent, die Sterblichkeitsrate um 20 Prozent.

Softroboter als Behandlungsmöglichkeit

Neben medikamentösen Therapiemöglichkeiten stehen Ärzten auch künstliche Pumpen oder unterstützende Geräte zur Verfügung. Chirurgen bringen sie in die Herzkammer der Erkrankten ein. Da diese Therapie jedoch Risiken birgt, zum Beispiel die Gefahr der Gefäßverstopfung (Thrombose), wird auch auf dem Gebiet medizinischer Geräte kontinuierlich weiter geforscht. So hat eine Wissenschaftlergruppe um Christopher Payne vom Wyss Institute for Biologically Inspired Engineering in Boston (Massachusetts, USA) einen Softroboter entwickelt: Er umschließt die kranke Herzkammer und übt durch aufblasbare Kammern von außen Druck aus, wenn das Blut aus der Kammer ausströmen soll. So gewährleistet der Softroboter einen natürlichen Schlagrhythmus des Herzens. 

Die Wissenschaftler haben das Gerät bereits an Schweineherzen erprobt. Langzeittests jedoch stehen noch aus. „Solche innovativen Ansätze sind spannend und unterstützenswert“, sagt Jan Gummert, Klinikdirektor am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen. Nun müsse sich jedoch erst zeigen, dass das Gerät nicht nur an Schweinen, sondern auch beim Menschen funktioniert – und das auf Dauer. Gummert: „Ich werde die weitere Entwicklung auf jeden Fall verfolgen.“

Übrigens: Um dem Herzen etwas Gutes zu tun und es gar nicht erst zu einer ernsten Erkrankung kommen zu lassen, sollte auf gesunde Ernährung achten und Sport treiben

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