Psychologie

Telepathie: Gibt es Gedankenübertragung wirklich?

Gerade hat man an einen alten Freund gedacht und schon klingelt das Telefon und es meldet sich genau jene Person — fast jedem ist das schon einmal passiert. Steckt Gedankenübertragung dahinter oder ist es einfach nur Zufall. Welt der Wunder geht der Telepathie auf die Spur.

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Der Kalte Krieg hatte ein beispielloses Wettrüsten unter den Supermächten entfacht. Geheimdienste beider Seiten, sowohl der USA als auch der Sowjetunion, waren ständig auf der Jagd nach Informationen und feindlichen Spionen. Im Oktober 1979 wurden US-Leutnant Joseph McMoneagle Satellitenfotos einer verdächtigen Bunker- und Gebäudeanlage im Norden der Sowjetunion vorgelegt. Er behauptete, in Gedanken eine bisher unbekannte Konstruktion zu sehen – ein riesiges U-Boot. Nach anfänglichen Zweifeln stellte sich Unglaubliches heraus: „Remote Viewer“ McMoneagle hatte recht. Die Sowjets hatten tatsächlich ein derartiges Riesen-U-Boot entwickelt – die „Typhoon-Klasse“.
 
Bis heute erregen Experimente zum Thema Telepathie immer wieder das Interesse der Öffentlichkeit. Welt der Wunder ist in das Reich der übersinnlichen Wahrnehmung eingetaucht und dabei folgender Frage nachgegangen: Ist Telepathie wirklich möglich? Die Ergebnisse sind faszinierend.

Das Ganzfeld-Experiment

Seit dem letzten Kontakt sind Wochen vergangen. In einer ruhigen Minute wird das Handy gezückt, um sich mal wieder zu melden. Gerade ist die Nummer eingegeben, da klingelt das Telefon. Die Überraschung ist groß, als sich genau jene Person meldet, die gerade angerufen werden sollte. Handelt es sich bei solchen Phänomenen um übernatürliche Kräfte? Sind wir durch die Kraft der Telepathie miteinander verbunden? Welt der Wunder macht den Test.

In Anlehnung an eine wissenschaftliche Testreihe im englischen Liverpool zur Untersuchung von Gedankenübertragung haben sich auch unsere Probanden bereit erklärt, ein so genanntes Ganzfeld-Experiment durchzuführen. Die drei Teilnehmer fungieren dabei als Sender, Empfänger und Versuchsleiter. Sender und Gedanken-Empfänger sind räumlich voneinander getrennt. Der Empfänger ist vollkommen von der Außenwelt isoliert. Um ihn vor visuellen Reizen zu schützen, bekommt er einen besonderen Augenschmuck: Zwei halbierte Tischtennisbälle sorgen zusammen mit einer rötlichen Lichtquelle für ein beruhigendes Umfeld für die Augen. Aus Kopfhörern dringt ein leichtes Rauschen. Die Sinne sind abgelenkt. Unsere Testperson kann sich vollkommen entspannen und wartet auf den Gedankenfluss.

Unterdessen macht sich der Sender im Raum nebenan bereit. Aus insgesamt vier unterschiedlichen Bildrubriken – Technik, Natur, Mensch und Lebensmittel – soll er eine auswählen und diese allein durch seine Gedanken übermitteln. Weder Versuchsleiter noch Empfänger wissen zu diesem Zeitpunkt, dass sich der Sender für die Technik- und Gebäudeserie entschieden hat.

Faszinierendes Ergebnis

Nach einer halben Stunde ist das Experiment vorbei. Der Versuchsleiter konfrontiert den Empfänger mit den Bildergruppen. Hat die Übertragung funktioniert? Konnte er die richtigen Bilder vor seinem geistigen Auge erkennen? Das Ergebnis ist faszinierend. Der Empfänger unterrichtet den Versuchsleiter über eine Reihe von Gebäudebildern, die er gesehen hat. Zuerst recht unscharf, erinnert er sich plötzlich klar an ein Bild ähnlich dem Kölner Dom. Bei der anschließenden Betrachtung der Bilderfolgen ist die Wahl daher schnell getroffen: Der Sender muss versucht haben, die Technikbilder zu übermitteln. Freilich hatte unser Proband eine Trefferchance von 25 Prozent. War alles also nur Zufall? Parapsychologen bestreiten das. Sie verweisen auf eine überdurchschnittliche Erfolgsrate bei dieser Art von Experiment.
 
Forscher an der Liverpooler Hope Universität haben insgesamt 128 Ganzfeld-Versuche durchgeführt. Ein besonderes Augenmerk galt dabei den Versuchsleitern. Ihnen soll bei der Entscheidung des Empfängers eine wichtige Rolle zufallen. Skeptiker übernatürlicher Fähigkeiten verweisen mit dem so genannten Experimentator-Effekt auf das spezielle Verhalten der Versuchsleiter ihren Testpersonen gegenüber. Demnach schlage sich eine positive Einstellung der Versuchsleiter der Studie gegenüber auch klar auf das Ergebnis des Tests nieder. In diesem Fall würde der Empfänger also vom Versuchsleiter beeinflusst. Auch während der Liverpooler Versuchsreihe wurde eine auffällig hohe Korrelation zwischen bestimmten Versuchsleitern und der Trefferquote festgestellt. Ob jedoch die Versuchsleiter wirklich das Ergebnis des Gedankenflusses beeinflussen können, ist noch nicht geklärt.

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Wenn Gedanken zu Werkzeugen werden

Vor allem Zwillingen werden oft telepathische Fähigkeiten zugeschrieben. Einige Parapsychologen sind sogar davon überzeugt, dass jeder Mensch Teil eines unsichtbaren Energienetzes ist, das alle Lebewesen miteinander verbindet. Ihre Vorstellung ähnelt einer Art Kristallgitter, in dem jedes Individuum eine Position in Form einer Kugel einnimmt. Schwingungen und Vibrationen der einzelnen Personen erfüllen den Raum und können von diesen auch wieder aufgenommen werden. Die Aussage „Ich denke an Dich!“ erhält in diesem Kontext eine völlig neue Bedeutung. Gedanken breiten sich demzufolge als Schwingungen aus und erreichen Empfänger überall auf der Welt.

Weit weniger abstrakt machten sich Ende der fünfziger Jahre Wissenschaftler des russischen Militärs an die Erforschung und Nutzung des berühmten siebten Sinns. Unter Aufsicht des sowjetischen Geheimdienstes KGB widmeten sich Wissenschaftler im fernen Sibirien in streng geheimen Experimenten der Telepathie. Nur spärlich sickerten Informationen über den Verlauf der Testreihen durch. Doch schließlich packte ein Mitarbeiter der Spezialabteilung aus. Er berichtete von einer Versuchsreihe mit Katzen und ihren Jungen, die mit kurzen Stromstößen traktiert wurden. Obwohl die Katzenmütter von ihren Jungen mehrere Stockwerke getrennt waren, verhielten sie sich so als ob sie die Stromstöße am eigenen Körper erlebten. Ziel der Testreihen waren Erkenntnisse, die zur Ausbildung so genannter PSI-Agenten beitragen sollten. Allein aufgrund ihrer übersinnlichen Kräfte sollten die Agenten unterschiedliche Spionage-Projekte ausführen, ganz ohne jemals direkt in Gefahr zu geraten – eine verlockende Vorstellung für die Geheimdienste.

Parapsychologisches Wettrüsten

Angestachelt durch die sowjetischen Erfolge machten auch die Amerikaner Anfang der siebziger Jahre immer größere Anstrengungen, um im parapsychologischen Wettrüsten Schritt zu halten. Unter dem Codenamen „Stargate“ wurde in der Folgezeit in den USA eine ganze Abteilung von Agenten mit übersinnlichen Fähigkeiten zusammengestellt. Teil dieser PSI-Einheit war auch der wohl berühmteste Agent Joseph McMoneagle, der die neue Geheimwaffe der Sowjetunion, die Typhoon-U-Boote, allein aufgrund seiner telepathischen Fähigkeiten ausspähte. Fast unheimlich erschien den US-Geheimdienstlern die Detailgenauigkeit, mit der McMoneagle die Umgebung, Form und Größe des U-Bootes in seiner gigantischen Bunkeranlage beschrieb. Deutlich erkannte er vor seinem geistigen Auge zum Beispiel die 20 Geschützrohre des Stahlmonsters.

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde das amerikanische Stargate-Programm 1995 eingestellt. Doch bis heute haben die Geheimdienste das Interesse an der Telepathie nicht verloren. Es wird sogar vermutet, dass verschiedene Programme zwischenzeitlich wieder aufgenommen wurden, beispielsweise zur Terrorismusbekämpfung. Wird es den PSI-Agenten dabei gelingen, den Aufenthaltsort von Verbrechern zu lokalisieren? Seit einigen Jahren wird für solche Methoden der Fernwahrnehmung übrigens nicht mehr der Begriff „Telepathie“, sondern die Bezeichnung „Remote Viewing“ verwendet. Die Experimente zur Erforschung der Telepathie gestalten sich vielseitig. So müssen die Probanden nicht räumlich getrennt werden, manche Versuchsanordnungen konfrontieren den Telepathen auch direkt mit den Testpersonen. 

Wörter und Skizzen 

Welt der Wunder macht einen weiteren Test mit der Unterstützung des Mentalmagiers Thorsten Havener. Der „Gedankenleser“ ist sich sicher, unsere Probanden durchleuchten zu können. Zunächst werden die Testpersonen aufgefordert, aus einem Buch auf einer beliebigen Seite ein Wort auszusuchen, das sie dem Magier nur gedanklich vermitteln sollen. Das Ergebnis ist verblüffend. Ob „Dornengestrüpp“ oder „chee,“ Havener weiß jedes Wort, auch wenn es noch so ausgefallen ist. Selbst einen ganzen Satz vermag er wiederzugeben.
 
Anschließend müssen die Probanden Skizzen anfertigen, die der Magier später trotz bewusster Irreführung den einzelnen Personen zuzuordnen versucht. Auch das gelingt. Im nächsten Schritt erhöht sich der Schwierigkeitsgrad erneut. Ohne die Zeichnung zu Gesicht zu bekommen, soll Havener herausfinden, was eine der anwesenden Testpersonen gezeichnet hat. Das Ergebnis ist beeindruckend. Nach einer kurzen Konzentrationsphase errät der Magier zielsicher das richtige Motiv eines Apfels. Verfügt der Magier wirklich über telepathische Kräfte? Oder steckt ein Trick dahinter?

Ungelöstes Rätsel Telepathie

Wissenschaftlich ist das Thema Telepathie bis heute umstritten. Die Testergebnisse sprechen letztlich keine eindeutige Sprache. Fest steht allerdings, dass einige Menschen über außergewöhnliche Sinnesfähigkeiten verfügen. Selbst in der Verbrechensbekämpfung kommen die telepathischen Fähigkeiten besonders begabter Menschen zum Einsatz. Einige Wissenschaftler sind sogar der Überzeugung, dass jeder Mensch telepathische Fähigkeiten besitzt. Im Fall des Mentalmagiers Havener jedoch steht nach eigenen Angaben mehr die Analyse der Köpersprache im Vordergrund. Allein anhand der Bewegung von Augen und Pupillen kann der Magier sogar Skizzen erkennen, die er nie gesehen hat. Doch wie er das genau anstellt, bleibt sein Geheimnis, ebenso wie die vorerst unergründliche Funktionsweise der Telepathie.

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