Meeresschutz-Projekte

Sympathische Giganten in Not: Schutzprojekt für Lederschildkröten

Sie sind echte Giganten des Meeres: Lederschildkröten sind die größte Schildkrötenart der Welt, werden bis zu 2,5 Meter lang, können mehr als 900 Kilo auf die Waage bringen und über 1.300 Meter tief tauchen. Die Stiftung Meeresschutz ist Teil eines spektakulären Projektes, bei dem ein idyllischer Nistplatz geschaffen wird. Denn leider schrumpft auch der Bestand dieser sympathischen Meeresgiganten deutlich, einen Rückgang von 40 Prozent in den letzten drei Generationen beklagt die Deutsche Stiftung Meersschutz.

© Turtle_Foundation

Lederschildkröten sind wahrhaft spektakuläre Meeresbewohner. Im Gegensatz zu allen anderen Meeresschildkröten haben sie keinen starren Knochenpanzer. Eine ledrige Haut schützt ihren aus einer dünnen Knorpelschicht mit eingelagerten Knochenplättchen gebildeten Panzer. Ein weiteres Merkmal ist ihr äußerst biegsamer und elastischer Brustkorb. Den benötigen sie für ihre extremen Tauchgänge, denn sie können bis auf 1.300 Meter Meerestiefe hinabtauchen, was für Lungenatmer, zu denen sie gehören, absolut rekordverdächtig ist. Bedroht wird die Schildkröten-Art von der weltweiten Belastung der Meere, wie so viele andere Arten auch. Hauptursachen für den schrumpfenden Bestand sind Ertrinken in Fischereigerät, Zerstörung der Niststrände, Schiffskollisionen und Plastikmüll, denn die Tiere verwechseln flächige Plastikabfälle oft mit Beute wie beispielsweise Quallen und verenden dann durch den Plastikverzehr. 

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Einbeziehung der Inselbewohner war maßgeblich
Seit September 2019 unterstützt die Deutsche Stiftung Meeresschutz ein Schutzprojekt für Lederschildkröten (Dermochelys coriacea) auf der kleinen, vor Westsumatra liegenden Insel Sipora (Indonesien). Eher zufällig entdeckten Mitarbeiter der Turtle Foundation hier im Herbst 2017 einen bis dahin völlig unbekannten Lederschildkröten-Nistplatz, den Strand von Buggeisiata. Innerhalb weniger Jahre konnte eine für den Fortbestand von drei Meeresschildkrötenarten fast verlorene Insel in eine hundertprozentige Nisterfolgsinsel verwandelt werden. Das ist besonders wichtig für den Erhalt der regionalen Lederschildkröten-Subpopulation des nordöstlichen Indischen Ozeans. Von denen gibt es vielleicht nur noch um die eintausend Exemplare. Wie es so oft der Fall ist, hatten auch die Lederschildkröten auf der abgelegenen Insel Sipora kaum eine Chance. Denn fast alle Eier wurden von der einheimischen Bevölkerung konsumiert, etliche Weibchen wurden während oder nach der Eiablage getötet.
Es heißt zwar, das Fleisch von Lederschildkröten sei ungenießbar. In Indonesien gilt dies jedoch nicht. Unmittelbare Hilfe war also dringend notwendig. Deshalb initiierte die Turtle Foundation in Zusammenarbeit mit der örtlichen Naturschutzbehörde in Padang (BPSPL) sehr schnell ein Schutzprojekt. Für den Erfolg des Projektes musste die Inselbevölkerung für die geplanten Aktionen begeistert werden. So schaltete sich jatzt auch die deutsche Botschaft in Jakarta ein und investierte 16.000 Euro für die dringend notwendige Renovierung der Dorfschule – ein echter Lichtblick für die Dorfbewohner und die hier lebenden Kinder. Auf diese Weise und mit behutsamer Integration in die Aktivitäten konnten die Inselbewohner für die aktive Unterstützung des Projektes gewonnen werden.

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Aufzuchtstation und Strandschutz bringen den gewünschten Erfolg
Seit der ersten Nistsaison 2017/2018 starteten aus bewachten oder in die Hatchery (Freiland-Aufzuchtstation) des Projekts umgebetteten Nestern 4.992 Lederschildkrötenbabys ins Leben. Dann krabbelten sie auf dem schnellsten Weg ins Meer, ihren neuen Lebensraum. Auch wenn von 1.000 Schlüpflingen, nach vielen Jahren, nicht mehr als ein bis zwei das Erwachsenenalter erreichen, ist doch jedes einzelne von ihnen eine neue Überlebenschance für die gefährdete Art. Ungewöhnlich war allerdings die Nistsaison 2019/2020, als kein einziges Lederschildkrötenweibchen zur Eiablage nach Sipora kam. Die riesigen Reptilien fallen nicht nur mit ihrer Größe, sondern auch bei der Standorttreue aus dem Rahmen. Denn sie wechseln immer mal wieder ihre Niststrände. Groß war daher die Freude, als in der Nistsaison 2020/2021 neun der an Land mit ihren gut 700 Kilo Körpergewicht schwerfälligen Meeresreptilien die Brandung durchbrachen, an den Strand robbten und Nester gruben. Aus den 713 in die Hatchery umgebetteten Eiern schlüpften dann 470 Schildkrötenbabys. Das entspricht einem durchschnittlichen Nisterfolg von 66 Prozent pro Nest. Die Deutsche Stiftung Meeresschutz sieht in den bisherigen Ergebnissen einen erfreulichen Erfolg und wird das Projekt auch weiterhin tatkräftig unterstützen. Weitere Infos zur Deutschen Stiftung Meeresschutz gibt es hier.

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