Meeresbewohner

Solitärdelfine: Sonderbare Einzelgänger auf Kontaktsuche

Solitärdelfine sind etwas ganz Besonders, denn sie leben lieber in Nähe von Menschen als mit Artgenossen. Dieses Phänomen gibt es rund um den Globus immer wieder. Fatalerweise spricht sich ihr zutrauliches Verhalten oft schnell rum. So werden sie unter Umständen zu einer Touristenattraktion, was gefährlich für beide Seiten werden kann.

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Meist handelt es sich bei Solitärdelfinen um Große Tümmler (Tursiops truncatus). Gelegentlich sind auch andere Arten darunter, wie der eingangs erwähnte Gemeine Delfin, Orcas (Orcinus orca), Fleckendelfine (Stenella attenuata) und sogar mehrfach Belugawale (Delphinapterus leucas). Die Verteilung der Geschlechter zeigt ein paar mehr männliche Tiere (55) als weibliche (42), wie die britische Naturschutzorganisation Marine Connection in ihrem Bericht „Lone Rangers“ ausführt. Allerdings ist das Geschlecht nicht bei jedem der von Marine Connection 114 dokumentierten Fälle bekannt.

Solitärdelfine sind kein neues Phänomen
Der älteste bekannte einzelgängerische Delfin existierte im 19. Jahrhundert. In Großbritannien schaffte es 1814 ein Großer Tümmler namens Gabriel zu einiger Berühmtheit. Noch berühmter dürfte Pelorus Jack sein. Der Rundkopfdelfin hielt sich von 1888 bis 1912 in der Cookstraße zwischen den beiden Hauptinseln Neuseelands auf. Dort begleitete er regelmäßig durchfahrende Schiffe. Viel näher kam er Menschen allerdings nicht. Nachdem 1904 von einem Schiff aus auf ihn geschossen wurde, stellte die Regierung ihn unter Schutz, bis er 1912 verschwand.

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Warum werden Delfine zu Einzelgängern?
Auch wenn Meeresdelfine, oder beispielsweise Belugawale, sozial lebende Tiere sind, ist es grundsätzlich nicht ungewöhnlich, sie gelegentlich allein anzutreffen.
Doch warum diese Meeressäuger über einen langen Zeitraum hinweg ganz oder größtenteils ohne Artgenossen leben und teilweise sogar mit Menschen interagieren, ist nach wie vor unbekannt. Wissenschaftler stellten hierzu verschiedene Theorien auf.
So kann ein einzelgängerisches Leben krankheits- oder verletzungsbedingt sein.
Möglich wäre auch ein zugrunde liegendes Trauma. Ausgelöst etwa, wenn ein Jungtier (beispielsweise durch ein Unwetter) von der Mutter getrennt wird, und es daher keine sozialen Kompetenzen erlernt. Oder wenn ein Delfin, aus welchen Gründen auch immer, einen Artgenossen oder eine Gruppe, mit dem beziehungsweise der er umhergezogen ist, verliert.
 
Habituierung & Missverständnisse
Hat sich ein Delfin in Menschennähe „niedergelassen“, so erfolgt die Gewöhnung an die menschliche Umgebung in vielen Fällen ähnlich in mehreren Stufen, wie Wissenschaftler um Monika Wilke feststellten: vom Aufenthalt z. B. in einem Hafen oder in der Nähe einer Boje, über das Folgen von Booten bis zu ersten näheren Kontakten mit Schwimmern.
Schließlich spricht sich die Anwesenheit des ungewöhnlichen Dauergasts herum und er wird zur Touristenattraktion: Zahlreiche Menschen wollen nun mit ihm schwimmen, ihm nahe kommen. Mit zunehmender „Berühmtheit“ häufen sich die artübergreifenden hautnahen Begegnungen. Diese sind nicht ungefährlich. Denn allzu leicht wird vergessen, dass es sich um wild lebende Raubtiere handelt. So können Drohgebärden wie Flukeschlagen von Menschen als Spielgeste missverstanden werden. Lässt man den Delfin dann nicht in Ruhe, reagiert er unter Umständen aggressiv.

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Verhaltenstipps – nicht nur für Einzelgängerische Delfine
Grundsätzlich sollte man sich bei einer Begegnung mit wild lebenden Meeressäugern bewusst machen, dass man sich in ihrem Lebensraum aufhält, und ihnen daher immer mit Respekt und Rücksicht begegnen. Das heißt zum Beispiel beim Schwimmen und Tauchen, dass man die Arme an den Körper legt und sich ohne Hektik bewegt.
Die Tiere sollten auch nicht angefasst werden: Denn es besteht die Gefahr von Krankheitsübertragungen von Mensch zu Tier und umgekehrt. Zudem soll man wilde Delfine auch nicht füttern!

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