Himmelsphänomene

Seltenes „Schattenspiel“: ringförmige Sonnenfinsternis am 10. Juni

Am 10. Juni erleben Sternenfreunde ein seltenes „kosmisches Schattenspiel“: eine ringförmige Sonnenfinsternis. Die Welt der Wunder Redaktion geht dem Phänomen gemeinsam mit Astrophysiker Prof. Thomas W. Kraupe, Direktor des Planetarium Hamburg, auf die Spur.

© ScenMelchert

Bei einer Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond von der Erde aus gesehen vor die Sonne. Wenn unser Trabant dabei überdurchschnittlich weit von unserem Planeten entfernt ist, kommt es zu einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Denn dann erscheint er uns zu klein, um die gesamte Sonnenscheibe zu verdecken. Entlang der Zentrallinie der Sonnenfinsternis bleibt um den Mond herum ein Ring aus Sonnenlicht sichtbar. Wir in Deutschland befinden uns allerdings nicht in dieser Zone und erleben daher eine weniger starke Verfinsterung der Sonne. 
„Kein Wunder, dass diese besondere Sonnenfinsternis zwei Wochen nach der totalen Mondfinsternis eines erdnahen ‚Supermondes‘ stattfindet – nämlich des ‚Super-Blumen-Blutmondes‘ am 25. Mai“, sagt Prof. Kraupe. „Denn einen halben Mondumlauf danach kreuzt der Mond als Neumond erneut die Linie Sonne-Erde und steht gleichzeitig nahe dem erdfernsten Bahnpunkt – was ihn dann bei Neumond entsprechend kleiner als die Sonne erscheinen lässt.“ 

Time and Date
Die Zentrallinie der Sonnenfinsternis vom 10. Juni verläuft von den nördlichsten Regionen Kanadas, Grönlands und des Arktischen Ozeans bis in den Nordosten Russlands. Außerhalb dieser nur wenige Kilometer breiten Zone ist eine partielle, also teilweise, Verfinsterung der Sonne zu beobachten. Dabei variiert das „kosmische Schattenspiel“ je nach Entfernung. So verdeckt der Mond zum Beispiel in Süddeutschland nur rund sechs Prozent der Sonne, während es in Hamburg immerhin 17 und in Kiel 19 Prozent sind. 
„Bei uns in Hamburg beginnt die Finsternis gegen 11:30 Uhr, ist allerdings zunächst kaum wahrnehmbar. Da Deutschland südlich der Zentrallinie liegt, entsteht ein wenig der Eindruck, als würde die Sonne im Laufe einer Stunde von ‚rechts oben‘ zunehmend vom Mond ‚angeknabbert‘,“ so Prof. Kraupe. „Die Mitte der Finsternis mit der maximalen Verdeckung ereignet sich bei uns in der Hansestadt um 12:34 Uhr.“

Augenschutz nicht vergessen
Das kosmische Schauspiel darf keinesfalls ohne ausreichenden Schutz beobachtet werden. Benötigt wird eine Spezial-Sonnenfinsternisbrille, welche die gefährlichen Anteile des Sonnenlichts vollständig schluckt. Die Filterbrillen sind günstig im Fachhandel oder auch im Planetarium Hamburg und anderen Häusern erhältlich. Auch der Griff zum Fernglas oder Fernrohr sollte „Profis“ überlassen werden. Denn ohne entsprechende Schutzmaßnahmen drohen schwere Augenschäden bis zur Erblindung.

Angebote der Planetarien
Das Planetarium Hamburg bietet rund um die Sonnenfinsternis ein Programm im Sternensaal an. Interessierte können sich ihre Tickets für die entsprechend erweiterte Veranstaltung DIE SONNE – UNSER LEBENDIGER STERN am 10. Juni auf der Webseite des Planetariums sichern. Außerdem wird das Signal des hauseigenen Teleskops auf den Stelen vor dem Sternentheater übertragen.
Darüber hinaus organisiert das Planetarium Hamburg von ca. 12 Uhr bis ca. 13:40 Uhr auf YouTube einen digitalen Live-Stream des Himmelsspektakels. Dabei sehen die Zuschauerinnen und Zuschauer Bilder der Sonnenfinsternis und erfahren allerlei Wissenswertes rund um dieses spektakuläre Phänomen.
Zusätzlich wird ein digitaler Live-Stream mehrerer Planetarien organisiert, für den auch das Hamburger Sternentheater seine Bilder beisteuert. So streamt die Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien die Sonnenfinsternis von 11:15 bis 13:15 Uhr live auf dem Youtube-Kanal der Stiftung Planetarium Berlin. Des Weiteren verteilt die Vereinigung der Sternfreunde über Twitter und Facebook unter dem Hashtag #sofi2021 aktuelle Fotos der Sonnenfinsternis.

Nächste Finsternis erst in 60 Jahren
„Auch wenn es sich bei uns nur um eine recht bescheidene partielle Sonnenfinsternis handelt, ist dies immerhin die erste seit sechs Jahren, die wir – sofern das Wetter mitspielt – bei uns erleben können“, sagt Prof. Kraupe. „Auf die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland, bei der es dann tagsüber für wenige Minuten tatsächlich finster wird, müssen wir hingegen noch bis 2081 warten.“

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