Schuppentiere

Schuppentiere und Covid19: Panikmache und falsche „Verdächtigungen“?

Seit Beginn der Pandemie sind verschiedene Studienergebnisse erschienen, die – ausgehend vom genetischen Schlüssel von Sars-CoV-2 – Übereinstimmungen zum Erbgut tierischer Coronaviren suchten. So kam auch das Schuppentier auf die Bühne und wurde zum Anlass für Spekulationen. Zeit für eine Aufklärung – pünktlich zum Welt-Schuppentiertag.

© WTG_SVW

Der einzige Konsens, der sich bislang in der Wissenschaft gebildet hat, ist der bereits erwähnte sehr wahrscheinliche tierische Ursprung des Virus. Wahrscheinlich sind es Fledermäuse, mutmaßlich aus der Familie der Hufeisennasen (Rhinolophidae), die die ursprüngliche Version des Virus in sich tragen. Um welche Fledermausart es sich genau handelt, steht allerdings genauso wenig fest wie der weitere Weg des Virus bis zum Menschen. Neben der Frage der Übertragungskette und des Zwischenwirts gibt weiterhin auch die mutmaßliche Verbreitung der ursprünglichen Viren, die zu Pandemie geführt haben, Rätsel auf. Denn mit Sars-CoV-2 nahverwandte Coronaviren bei Fledermäusen wurden inzwischen in mehreren asiatischen Staaten – in einem großen Gebiet von Japan bis Thailand – entdeckt. Wie und warum ursprünglich aber kamen die Schuppentiere überhaupt in die Diskussion? Einige Studien fanden in Schuppentieren Coronaviren, die in bestimmten Bereichen eine Ähnlichkeit zu Sars-CoV-2 aufweisen. Dazu ist jedoch anzumerken, dass Coronaviren im Tierreich insgesamt weit verbreitet und untereinander recht ähnlich sind. Insofern sind diese Ergebnisse zunächst wenig überraschend. Bei der Betrachtung der vorliegenden Gensequenzen von Schuppentieren sind führende Wissenschaftler*innen, u.a. Prof. Christian Drosten von der Berliner Charité und auch das WHO-Forscher*innen-Team, zu der Erkenntnis gelangt, dass es nach heutigem Sachstand keine Belege für eine Beteiligung der Schuppentiere an der Entstehung von Sars-CoV-2 gibt. 

© WTG_SVW

© WTG_SVW

Der wachsende Handel mit Wildtieren birgt echte Gefahren 
 Endgültige Erkenntnisse dazu wird es wie bei der Sars-Epidemie 2002/2003wohl erst nach einigen Jahren und vielen Dutzend weiteren Studien geben. Wie sehr der ursprüngliche Verdacht auf Schuppentiere aber bisweilen für Furore sorgt und gesorgt hat, zeigen das gewachsene Interesse am Tier und Beiträge wie jener der Weltbank, der von einem „Schuppentier-Effekt“ spricht: In einem Tier – das Schuppentier wird als Beispiel herangezogen – schlummere ein gefährliches Virus, das den Menschen befallen könne. Der Mechanismus der Übertragung ist im Artikel zwar treffend beschrieben, doch ist das Schuppentier vermutlich das falsche Symboltier. 
Zudem spielt in den Betrachtungen allzu oft nur eine untergeordnete Rolle, dass die Wahrscheinlichkeit für diesen Übertragungsweg lange Zeit nur verschwindend gering war, da sich Mensch und Wildtier in der Regel gar nicht begegneten. Dabei sollte eben dies in den Fokus rücken: Denn durch den in den letzten Jahrzehnten zunehmenden illegalen Wildtierhandel ist diese Barriere verschwunden und eine Übertragung von Viren, darunter auch sehr gefährlichen, eine reale Gefahr geworden. Tritt dieser Fall ein, kann in vernetzten globalen Gesellschaften binnen Wochen eine weltweite Verbreitung geschehen – eine Pandemie entsteht. All das ist bereits aus vielen früheren Beispielen wie Ebola, HIV oder Affenpocken bekannt, die wie Covid-19 eine von Tieren auf Menschenübertragene Viruserkrankung sind: Eine so genannte virale Zoonose, die in Zusammenhang mit dem Verzehr und Handel von Wildtieren aufgetreten ist. Der Schutz von Wildtieren, die wie im Fall der Schuppentiere als die weltweit am meisten illegal gehandelten Säugetiere gelten, müsste vor diesem Hintergrund im Interesse aller sein.
 

Das könnte Sie auch interessieren