Astrologie

Schütze oder doch Schlangenträger? Was hinter Sternzeichen wirklich steckt

Waagen sind ausgeglichen, Fische sensibel und Schützen optimistisch – vielen Menschen sehen einen Zusammenhang zwischen ihrem Sternzeichen und passenden Charaktereigenschaften. Wissenschaftlich belegen lässt sich dies jedoch nicht. Prof. Thomas W. Kraupe ist Astrophysiker und Direktor des Planetarium Hamburg. Er erklärt, warum die Sternzeichen der Astrologie nichts mit den Sternen zu tun haben – und warum viele im Sternzeichen Schütze Geborene eigentlich Schlangenträger sind.

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Ursprünge der Astrologie
Die Astrologie entstand bereits etwa 500 vor Christus, wobei die Tierkreiszeichen im 7. Jahrhundert vor Christus durch die Babylonier festgelegt wurden. Mit zunehmendem Einfluss der Griechen begannen die Menschen auch die Sterne zu deuten und Rückschlüsse auf das Leben auf der Erde zu ziehen. Die Frage danach, wie die Sterne das Schicksal der Menschen bestimmen ist also schon ziemlich alt. Nach großen Erfolgen unter den Griechen und Römern, die sogar ganze Schlachten auf Basis der Sterne schlugen, nahm die Bedeutung der Astrologie mit Ausbreitung des Christentums wieder ab. Und auch wenn sie in der Renaissance wieder einen kleinen Aufschwung erlebte, wies die zunehmende Aufklärung die Sterndeuterei immer mehr in ihre Schranken. Dies ist den Erfolgen der Naturwissenschaften, der Astronomie und Persönlichkeiten wie Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei, Johannes Kepler und Isaac Newton zu verdanken. Als Disziplin der Wissenschaft gilt die Astrologie seither nicht mehr.
 
Nenne mir dein Sternzeichen und ich sag dir, wer du bist
Dennoch erfreuen sich Horoskope noch heute einer gewissen Beliebtheit. Dabei sehen erstaunlich viele Menschen einen Zusammenhang zwischen dem Sternzeichen und der Persönlichkeit eines Menschen. Das zeigt eine Umfrage von Statista und YouGov, in der 60 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer sich entsprechend äußern. Knapp ein Viertel der weiblichen Befragten glauben sogar an einen großen Zusammenhang. Doch sagt das Sternzeichen, in dem wir geboren wurden, tatsächlich etwas über unser Wesen aus? Was ist dran am sternenbedingten Optimismus der Schützen?
 
Geboren im Schützen – oder vielmehr Schlangenträger?
Als Fixstern hat die Sonne natürlich einen festen Platz in unserem Sonnensystem. Da sich unser Planet um sie dreht, ändert sich aus unserer Perspektive aber ihre relative Position zu den Sternen unablässig. So scheint sie im Jahresverlauf einmal durch alle Tierkreissternbilder zu wandern, die entlang der sogenannten Ekliptik liegen. Im November sinkt sie immer tiefer in den südlichen Sternenhimmel. Gleichzeitig zieht sie nicht wie sonst nur durch eins, sondern gleich durch drei Sternbilder: Bis zum 22. November durch die Waage, anschließend passiert sie für wenige Tage den Skorpion und ab 30. November tritt sie sogar noch in das wenig bekannte Sternbild Schlangenträger – das „13. Tierkreissternbild“, in dem sie bis zum 18. Dezember verbleibt. 

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„Wer zwischen dem 30. November und 18. Dezember geboren wurde, könnte sich also eigentlich ‚Schlangenträger‘ nennen“, sagt der Astrophysiker Prof. Thomas W. Kraupe. „Schließlich befindet sich die Sonne dann in diesem Sternbild. Gemäß Astrologie werden die Betroffenen dennoch weiterhin als ‚Schütze‘ bezeichnet. Und das, obwohl sich die Zuordnung der Sternbilder zu den Jahreszeiten wie beschrieben im Laufe der vergangenen zweitausend Jahre merklich verschoben hat.“

Ursache ist laut Prof. Kraupe die „Präzession“, eine durch die Anziehungskräfte von Mond und Sonne verursachten Taumelbewegung unserer Erde. So hat sich die relative Position der Sonne zu den Sternen in den vergangenen 2.000 Jahren um etwa 30 Grad verschoben
 Bis auf den Namen haben die Sternzeichen der Astrologinnen und Astrologen also nichts mit den Sternbildern und rein gar nichts mit Sternen zu tun.Während das Sternbild die astronomische Bezeichnung einer Sternengruppe am Himmel darstellt, bezieht sich das astrologische Sternzeichen vielmehr auf einen bestimmten Zeitraum. In der Antike, als die Tierkreisbilder ihre Namen erhielten, passte die Position der Sonne tatsächlich noch zu den Sternbildern am Firmament.
Wir hoffen, dass die in diesem Fall betroffenen „Schützen“ nach dieser Lektüre trotzdem nichts von ihrem Optimismus verloren haben.

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