Kampf gegen Tollwut

Schon bald keine Tollwut-Todesopfer mehr: Neue Strategien zur Eindämmung der tödlichen Infektion

Vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern sterben bis heute jedes Jahr zehntausende Menschen, die sich über einen Hundebiss mit der Tollwut infizieren. Besonders stark betroffen sind Kinder und Jugendliche. Die internationalen Organisationen wie WHO, FAO und OIE sind dank aktueller neuer Strategien optimistisch: Schon in zehn Jahren soll weltweit kein Mensch mehr an den Folgen einer Tollwutinfektion sterben. Daniela Schrudde, Tierärztin und Leiterin für Tierschutzarbeit bei der Welttierschutzgesellschaft, erläutert die nötigen Maßnahmen.

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Null Tollwutinfektionen beim Menschen bis 2030: Das ist ein hoch gestecktes Ziel, denn eine Trendwende bei den humanen Todeszahlen ist seit der Jahrtausendwende kaum zu erkennen. Während im Jahr 2000 von geschätzten 50.000 Todesfällen pro Jahr ausgegangen wurde, liegt diese Zahl aktuell bei rund 60.000. Auch wenn man die wachsende Weltbevölkerung berücksichtigen muss, erscheint das Null-Ziel in weiter Ferne. Ob wir uns in den nächsten Jahren zumindest in diese Richtung bewegen, wird sich an der Entwicklung der Fallzahlen bei Hunden entscheiden. Um die Tollwut nachhaltig einzudämmen, sind flächendeckende Impfungen von Hunden elementar wichtig. Im Gegensatz zu Impfungen beim Menschen setzen sie an der Wurzel des Problems an und sorgen für einen doppelten Schutz: Zum einen für die Hunde, zum anderen aber auch für den Menschen, denn ein geimpfter Hund kann das Virus bei einem Bissvorfall nicht mehr übertragen. Tollwutimpfungen von Hunden sind deshalb ein wichtiger Teil der Streunerschutzprojekte der Welttierschutzgesellschaft – unter anderem in Malawi, Südafrika und Thailand. 

Problem Streuner: Ehrgeiziges Datenerfassungs-Projekt
Ein Problem bei Massenimpfungen von Hunden ist jedoch die schwierige Datenlage. Für einen lokalen Tollwutschutz müssen etwa 70 Prozent der Hundepopulationen geimpft sein. Doch wie groß diese Populationen sind, ist vielerorts gar nicht genau bekannt. Vor allem Streuner sind meist scheu – sie werden weder gezählt noch geimpft und gehen somit in keine Statistik ein. Es gilt vor diesem Hintergrund zu prüfen, mit welchen zusätzlichen Maßnahmen Massenimpfungen sinnvoll ergänzt werden können. In einem Pilotprojekt in Malawis Hauptstadt Lilongwe arbeitet die Welttierschutzgesellschaft derzeit daran, dass bei Hundebissen unverzüglich Einsatzteams ausrücken und die Fälle genau untersuchen. Dies geht nur mit Einbindung der Bevölkerung und moderner Datenanalyse, um mögliche Hotspots ermitteln zu können, wo verstärkte Nachimpfungen nötig sind. Ein solches gezieltes Vorgehen kann neue Infektionsherde eindämmen und sich als wichtiger zusätzlicher Baustein zur Eindämmung der Tollwut bis hin zur Eliminierung des Infekts beim Menschen erweisen. 

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