Hochprozentiges

Schnapsidee schreibt Galtür-Geschichte

Der „Galtürer Enzner“ ist nicht einfach nur ein Schnaps. Seine Legitimation wurde vor Gericht hart erstritten. Seine Geschichte ist immaterielles Kulturerbe Österreichs. Und bisher war er nur glücklichen Einheimischen vorbehalten. Ab Herbst 2021 kommen, dank der größten kultivierten Enzianzucht im alpinen Raum, erstmals auch Käufer in den Genuss.

© fotoforcher_at

Wussten Sie, dass der selbstgebrannte Enzianschnaps in Galtür etwas ganz Besonderes ist? Bisher konnte man ihn nicht kaufen. Man musste sich den Schnaps aus den Wurzeln des geschützten, bitterstoffreichen gelben Enzians, der schon im Altertum als Heilpflanze galt,  als Einheimischer in schwer zugänglichem Gelände hart verdienen.  Für den Eigengebrauch. Aber das war und ist es Wert, denn, in homöopathischen Mengen mit der gebotenen Ehrfurcht getrunken, gilt der aromatisch-erdige Wurzelbrand mit 83, in der frischen Wurzel identifizierten Aromastoffen, bei den Einheimischen als Medizin, die praktisch gegen fast alles hilft.

Schnapsgeschichte - Prost den Gewinnern
Die Geschichte des „Galtürer Enzner“ wurde 2013 in die Liste des immateriellen Kulturerbes Österreichs aufgenommen. Denn, das Privileg, 1.300 Kilogramm der seit den 60er Jahren geschützten Planzen zu ernten, mussten sich die Galtürer hart vor Gericht erstreiten. Mit Erfolg: Inzwischen entscheidet jedes Jahr am Kirchtag das Los über 13 einheimische, glückliche Gewinner. Diese dürfen im Spätherbst in zugewiesenen hochalpinen Gebieten je 100 Kilogramm Wurzeln des blühenden gelben Enzians ausgraben, um sich daraus ca. sechs bis sieben Liter des begehrten Schnapses für den Eigenverbrauch brennen zu lassen. Danach sind sie drei Jahre von der Verlosung ausgeschlossen. Was das Ganze zusätzlich erschwert? Zum Schnapsbrennen im Spätherbst werden nur die Wurzeln ausgeraben und verwendet, die im Erntejahr geblüht haben. Der gelbe Enzian blüht jedoch erst mit fünf bis zehn Jahren und pausiert nach jeder Blüte einige Jahre. Wegen der Limitierung gab es den hart verdienten „Galtürer Enzner“ bisher nicht zu kaufen. Bis jetzt.

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Schnapsidee mit Potenzial
Begonnen hat der Umbruch im Jahr 2017, als Schnapsbrenner Hermann Lorenz in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Tirol und der Münchner Agrarbiologin Centa Kirsch das Projekt „Galtürer Enzian“ startete. Auf einer Wiese vor Galtür wurden 12.000 vorgezogene Enzianpflanzen kultiviert. Ein optimaler Standort, wie sich zeigte. Jedes Jahr um einige tausend Pflanzen erweitert, blüht der Galtürer Enzian inzwischen auf über 5.000 Quadratmetern. Im Oktober 2021 kam die größte Enzian-Kultur im alpinen Raum nach fast 6-jährigem Wachstum und der ersten Blüte erstmals zur Ernte. Wenn der Galtürer Enzner gebrannt ist, gibt es ihn endlich auch zu kaufen. Für Jedermann. In kleinen Mengen. 

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