Frage der Woche

Können Schneeflocken so groß wie Frisbees werden?

Angeblich können Schneeflocken sogar bis zu 38 Zentimeter breit werden. Ein Märchen? Wissenschaftler halten das durchaus für wahrscheinlich. Grund dafür soll die besondere Struktur der Flocken sein.

Schneeflocke

© iStock/Liima10

Wie schön sieht es aus, wenn im Winter Schnee vom Himmel fällt! Die zarten weißen Flocken scheinen die Welt romantisch zu verzaubern. Meist sind selbst dicke Flocken kaum größer als ein Wattebausch. Doch immer wieder behaupten Menschen, weitaus größere Schneeflocken beobachtet zu haben – manche sogar groß wie Frisbees. Bislang hatte man solche Geschichten ins Reich der Legenden verbannt. Mittlerweile aber halten selbst Meteorologen die Riesenflocken für nicht unwahrscheinlich. Doch wie könnten sie sich bilden?

Aus Staub werden Flocken…

Schnee entsteht, wenn sich Wasser an den feinen Staubteilchen in den Wolken anlagert. Wird es sehr kalt, gefrieren sie zu Eiskristallen und fallen durch ihr größeres Gewicht nach unten. Die Größe der Staubteilchen, Temperatur, Wind und Luftfeuchtigkeit bestimmen, welche verschiedenen Formen entstehen. So bilden sich beispielsweise sechsarmige Sterne, so genannte Dendriten, bei höheren Temperaturen. Plättchenförmige Eiskristalle wiederum entstehen bei niedrigeren Temperaturen, etwa ab minus zwanzig Grad; wenn die Temperatur noch weiter fällt, bilden sich kleine Säulen. Werden die Eiskristalle dann durch die Atmosphäre gewirbelt, können diese Strukturen aufbrechen und sich neu zusammensetzen. So entstehen Mischformen aus Plättchen und Dendriten – in immer neuen Variationen.

In einigen Fällen können sich auch mehrere Eiskristalle verhaken oder aneinander festfrieren. Dann bilden sich zentimetergroße Schneeflocken. Normalerweise werden sie vom Wind wieder aufgelöst – doch rein physikalisch gesehen wären Eis-Frisbees möglich. Und auch im Guinnessbuch der Rekorde ist eine solche 38 Zentimeter dicke Schneeflocke verzeichnet. Ein Farmer aus Montana behauptete im Jahr 1887, sie gesichtet zu haben. Zwar konnten die Flockenmonster nie wissenschaftlich dokumentiert werden, doch Forscher glauben trotzdem an ihre Existenz. William S. Pike von der britischen Royal Meteorological Society etwa konnte eine Vielzahl unterschiedlicher Berichte nachweisen, denen zufolge bei Wetterbeobachtungen Schneeflocken mit einem Durchmesser von zehn bis zwanzig Zentimeter gesichtet wurden.
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… aus Flocken wird Schnee

Noch steht die Wissenschaft allerdings am Anfang. Die NASA versucht derzeit, im Rahmen ihrer GCPEX-Mission einen Weg zu finden, wie sich Schnee besser messen lässt. Zu den Wetterbeobachtungen kann aber jeder beitragen – immerhin können Riesenflocken überall auftauchen. Einer der bekanntesten Schneeforscher, Wilson Bentley, verbrachte ganze fünfzig Jahre damit, Schneeflocken zu fotografieren und dokumentieren. Von 1885 bis zu seinem Tod 1931 machte der exzentrische Farmer geschätzte fünftausend Bilder. „No two snowflakes are alike“, glaubte der „Schneeflockenmann“, ein Ausspruch, der bis heute vielen Menschen geläufig ist. Wer mitmachen will, muss allerdings schnell sein. Denn liegen die Flocken erst einmal auf dem Boden, verändern sie sich sofort. Das Volumen des Schnees nimmt ab, die Schneedichte zu. Die Verästelungen der feinen Eiskristalle gleichen sich wieder aus – eine weiße Schneedecke bleibt.

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