Assistenzhunde

Die cleveren Helfer für Menschen mit Beeinträchtigung

Man sieht sie immer mal wieder im Straßenbild: Blinde Menschen, die offensichtlich von einem Hund geführt werden. Beobachtet man ein solches Gespann ein wenig, wird schnell deutlich, mit welcher Umsicht und Gewissenhaftigkeit der Hund die Wege wählt und mit welch absolutem Vertrauen die geführte Person ihm folgt. Dass dies möglich ist, liegt an einer intensiven Ausbildung des Hundes zum Blindenführhund. Aber auch der Mensch muss eine Menge lernen, bevor er und sein Hund ein perfekt funktionierendes Team bilden. Einen Einblick in die Welt dieser besonderen Hunde gibt der Verein Lichtblicke e. V..

© Riccardo_Mattei

Neben den bekannten Blindenführhunden gibt es zwei weitere Typen von Assistenzhunden: Servicehunde sind speziell ausgebildete Hunde zur Unterstützung von Menschen mit motorischen Einschränkungen. Die meisten Servicehunde können auf Zuruf und ortsunabhängig Gegenstände bringen, heruntergefallene Dinge aufheben, sogar Münzen oder kleine Papierzettel, Türen, Schränke oder Schubladen aufmachen, Licht einschalten, die Waschmaschine ein- und ausräumen, beim An- und Ausziehen helfen, im Laden Produkte aus dem Regal holen, Taschen tragen oder Knöpfe drücken. Da die Serviceleistungen aber immer von der Art der Behinderung des Halters abhängen, können manche Hunde auch beim Ausziehen von Prothesen helfen, Pflaster von der Haut abmachen, Müll in öffentliche Mülleimer schmeißen, dabei helfen, Verpackungen zu öffnen, den Rollstuhl ein kurzes Stück ziehen, Rucksäcke öffnen und schließen und vieles mehr. 

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Die Signalhunde als dritter Typ der Assistenzhunde leisten eine ganz wesentliche Aufgabe: Sie signalisieren etwas, das ihr Mensch nicht oder nicht zuverlässig wahrnehmen kann. Dies beginnt beim Überbringen akustischer Informationen an einen gehörlosen oder gehörgeschädigten Menschen und reicht bis hin zu Hunden, die ein Signal geben, wenn sie Symptome einer spezifischen Erkrankung erkennen.
 Das umfasst Stoffwechselerkrankungen wie z.B. Diabetes, sehr starke Allergien oder Kreislaufentgleisungen. Hier nimmt der Hund eine relevante Veränderung wahr und weist auf Gefahren hin. Es umfasst aber auch neurologische Erkrankungen wie z.B. Epilepsie, Autismus, Narkolepsie oder psychische, wie die posttraumatische Belastungsstörung. Neben dem Anzeigen/Signalisieren von Symptomen wie Dissoziation oder Meltdowns hat hier der Assistenzhund auch noch weitere Aufgaben wie Führen und Abschirmen.
 
 

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Eine Besonderheit aller Assistenzhunde ist, dass sie keinen blinden Gehorsam zeigen dürfen, sondern eigene Entscheidungen über eine Situation treffen müssen. Ihnen obliegt es, Gefahren zu erkennen und z.B. als Blindenführhund das Weitergehen zu verweigern, wenn der blinde Mensch droht in eine Straßenbaustelle zu stolpern, die jüngst hier eingerichtet wurde. Auch Signalhunde müssen sehr eigenverantwortlich handeln, denn vielfach sind sie genau dann gefordert, wenn ihr Mensch die Kontrolle zu verlieren droht. Eine gute Ausbildung sorgt dafür, dass der Hund dann genau weiß, was zu tun ist und dies auch zuverlässig tut. So gibt er als ein Wachhund der besonderen Art seinem Menschen und auch dessen Angehörigen Sicherheit im täglichen Leben.

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Hunde als Begleiter blinder Menschen gab es bereits in der Antike. Wandgemälde in Herculaneum zeigen Hunde als Gefährten und Beschützer, allerdings nicht als Führer im heutigen Sinne. Auch im späten Mittelalter fanden blinde Menschen in Hunden unterstützende Begleitung. In einer Bettelordnung aus Straßburg von 1464 heißt es: „ ... es soll kein Bettler einen Hund haben ... es sei denn, er wäre blind und brauchte ihn."
Die ersten dokumentierten systematischen Ausbildungen von Hunden für blinde Menschen findet man im Paris der 1780er Jahre im Blindenhospital „Les Quinze-Vingts". Wenig später trainierte der blinde Wiener Siebmacher Josef Reisinger einen kleinen Spitz innerhalb eines Jahres so gut für seine Zwecke, dass seine Blindheit oft angezweifelt wurde.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Ausbildung von Blindenführhunden in Deutschland in eine Krise. Die Kostenträger waren nicht bereit, eine hochwertige Ausbildung zur Gänze zu übernehmen. Öffentliche Träger, wie das Rote Kreuz, mussten in der Folge ihre Schulen aufgeben. Heute gibt es in Deutschland eine Vielzahl kleiner privater unregulierter Schulen. Straffer organisiert zeigen sich hier z.B. die Schweiz und die USA. 
In Deutschland haben heute nur etwa ein bis zwei Prozent der anspruchsberechtigten blinden und hochgradig sehbehinderten Menschen einen Führhund. 
 Das Aufsuchen mancher Orte kann für Menschen mit Assistenzhund eine Herausforderung sein. Beispielsweise ist in vielen Arztpraxen das Mitbringen von Hunden nicht erwünscht und es bedarf teilweise langwieriger Abstimmungen, bis ein Signalhund einen Patienten bis ins Behandlungszimmer begleiten darf. Ein wichtiger Schritt zu mehr Rechtssicherheit für den Einsatz von Assistenzhunden wurde kürzlich im Rahmen eines „Teilhabestärkungsgesetzes“ gegangen. Im Gesetz werden die Rechte und Pflichten von Assistenzhundeteams verbindlich festgeschrieben. 

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