Kreaturenpodcast

#4 Die Partula Schnecke mit Horst Evers

Geschichten von seltenen und sehr seltenen Tieren. Schnecken-Erotik ist ziemlich eigen. Aber im Grunde ziemlich praktisch, denn jede Partula-Schnecke zum Beispiel ist zugleich Männchen und Weibchen, verfügt also sowohl über einen Schneckenpenis als auch über eine weibliche Geschlechtsöffnung. Jede Schnecke kann also mit jeder anderen Schnecke Kinder kriegen, was die Auswahl an potenziellen Partnern im Vergleich zum Menschen schon mal verdoppelt. Und wenn sich partout niemand findet – auch kein Problem. Dann befruchtet die Partula-Schnecke sich eben selbst. Der Tod von Tinder. Der Autor und Kabarettist Horst Evers über die Partula-Schnecke. Präsentiert von Citizen Conservation – Haltung rettet Arten.

© Ciztizen-Conservation

Die Partula-Schnecken 
 Tahiti, Bora-Bora, Palau – polynesische Südsee-Paradiese mit üppig grünem Regenwald, Korallenriffen, Traumstränden. Und Schauplatz eines extrem blutigen Krieges. Nein, falsch: eines extrem schleimigen Krieges. 
Als der berühmte englische Seefahrer und Entdecker James Cook vor rund 250 Jahren Polynesien für die britische Krone erforschte, stieß er auf Ureinwohner, die eine ausgeprägte Leidenschaft für Schnecken pflegten. Werden diese Weichtiere bei uns eher als Gartenschädlinge beschimpft und bekämpft oder allenfalls als Vorspeise mit Kräuterbutter gereicht, beschenkten sich die Polynesier mit Ketten und Amuletten, die sie aus den Häusern der mit ein bis zwei Zentimeter Länge recht winzigen Mollusken fertigten. Vor allem als diplomatische Gastgeschenke beim Besuch anderer Inseln stand der Schneckenschmuck hoch im Kurs. Grund dafür: die Evolution. Denn jede der zahlreichen Südsee-Inseln hat eigene, ganz unterschiedlich gefärbte Landschnecken-Arten, sodass mit ihren Häusern ganz eigene, eben nur auf der jeweiligen Insel mögliche Schmuckstücke gefertigt werden konnten. Die Naturforscher im Team von Cook sammelten eifrig die Schneckenarten der verschiedenen Inseln, die anschließend in Europa wissenschaftlich beschrieben wurden. Sie bekamen den Namen Partula, benannt nach einem Trio römischer Schicksalsgöttinen, in deren Zuständigkeitsbereich auch Geburten fielen. 
Denn die Partula-Schnecken haben eine weitere Besonderheit: Sie gebären lebende Junge, während fast alle anderen Schnecken der Welt Eier legen. Damit es aber überhaupt erst mal zur Geburt kommt, paaren auch Schnecken sich. Schnecken-Erotik ist allerdings ziemlich eigen, zumindest aus menschlicher Sicht. Dabei im Grunde ziemlich praktisch, denn jede Partula-Schnecke ist zugleich Männchen und Weibchen, sie verfügt also sowohl über einen Schneckenpenis als auch über eine weibliche Geschlechtsöffnung. Was bedeutet: Jede Schnecke kann mit jeder anderen Schnecke Kinder kriegen, was die Auswahl an potenziellen Partnern im Vergleich zum Menschen schon mal verdoppelt. Und wenn sich partout niemand finden lässt – auch kein Problem. Dann befruchtet die Partula-Schnecke sich eben selbst. Der Alptraum aller Romantiker und  Dating-Unternehmern.

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