Kreaturenpodcast

#20 Der Europäische Nerz – präsentiert von Astrid Fünderich

Geschichten von seltenen und sehr seltenen Tieren. Eigentlich ist er doch nur ein Wassermarder. Doch der Nerz lässt die Gemüter hochkochen: Pro und Contra Pelz, Tierbefreiung versus Faunenverfälschung, und jetzt kommt auch noch Corona dazu. Eine irre Geschichte um Globalisierung, Zombie-Marder und sehr viel Geld – und eine Art, die wie nebenbei fast ausgerottet wurde. Präsentiert von Citizen Conservation – Haltung rettet Arten.

© Citizen-Conservation

Der Europäische Nerz 
Querdenker hätten unter Nerzen sicherlich einen guten Stand. Allerdings haben die Marder auch tatsächlich allen Grund, sich von den Anti-Corona-Maßnahmen des Herbstes 2020 beeinträchtigt zu fühlen: Allein in Dänemark, dem weltgrößten Nerzproduzenten, wurden im November 2020 zur Eindämmung des Virus zig Millionen der Tiere getötet. Die Niederlande waren zuvor noch rabiater vorgegangen – sie ließen nicht nur alle Tiere notschlachten, sondern haben die Haltung mit sofortiger Wirkung gleich ganz verboten.  
Der Grund für die Massentötungen: Nerze können sich nicht nur mit Corona infizieren, sondern das Virus ist in den Beständen der Pelztiere auch bereits mutiert. Und diese mutierte Virusvariante ist erneut auf den Menschen übergesprungen. Auch wenn sie zunächst nicht gefährlicher ist als das Original: Das Risiko, dass die Mutation auf mögliche Impfstoffe schlechter reagiert, will niemand eingehen. Schließlich soll die Pandemie nicht irgendwann einfach in neuer Besetzung wieder von vorne losgehen. Zum anderen könnten die Nerzbestände auch als eine Art Zufluchtsort für Coronaviren dienen, die dann später von dort einen neuen Angriff auf den Menschen unternehmen.  

Nich artgerechte Haltung angeprangert
Die Massentierhaltung von Nerzen steht aber nicht nur wegen des Seuchenrisikos in der Kritik. Die Haltungsbedingungen auf engem Raum und in hoher Dichte in weitgehend nackten Drahtkäfigen gelten als nicht artgerecht. Häufig werden erhebliche Tierschutzprobleme beobachtet, wie Selbstverstümmelung oder Tötung der eigenen Jungtiere. Und wer denkt, ein Naturnerzmantel sei wenigstens ein nachhaltiges Kleidungsstück, wird auch enttäuscht: Die Ökobilanz des vor allem in Ostasien sehr beliebten Nerzpelzes fällt deprimierend aus. Hohe Stickstoffdioxidemissionen, Gülleprobleme, großer Wasserverbrauch – insgesamt ist Nerz fünf Mal klimaschädlicher als Wolle.   

Ein anderes Nerzproblem muss man nicht nur den Farmen vorwerfen, sondern auch deren Gegnern: Sogenannte Tierbefreier halten es seit Jahrzehnten für eine gute Idee, in Pelztierfarmen einzubrechen und die Nerze einfach freizulassen. Zusammen mit immer mal wieder geflüchteten Tieren bilden sie in vielen europäischen Ländern inzwischen eine florierende Population. Doch bei der auf Farmen gezüchteten Art handelt es sich nicht um den Europäischen, sondern um den Amerikanischen Nerz, weil dessen Fell wertvoller ist. Er ist zudem größer, robuster und anpassungsfähiger als sein europäischer Verwandter. Deshalb wurden mancherorts, etwa in Russland, Anfang des 20. Jahrhunderts sogar gezielt Amerikanische Nerze ausgesetzt, um die schon damals durch zu intensive Bejagung selten gewordenen Europäischen Nerze zu ersetzen. Hört mehr dazu im Podcast.  

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