Kreaturenpodcast

#15 Der Pátzcuaro-Querzahnmolch mit Alphaville-Frontmann Marian Gold

Geschichten von seltenen und sehr seltenen Tieren. Forever young – wovon Menschen träumen und Sänger singen, das hat der Molch längst umgesetzt. Zumindest der Pátzcuaro-Querzahnmolch. Sein Jungbrunnen ist ein See im Hochland von Mexiko, wo er die ewige Jugend genießt. Was geheimnisvolle Wunderheilkräfte und ein Nonnenkloster damit zu tun haben, verrät dieser Kreaturen-Podcast. Eine Geschichte, so fantastisch wie das Wunderwesen, um das sie sich dreht. Präsentiert von Citizen Conservation – Haltung rettet Arten.

© Citizen-Conservation

Der Pátzcuaro-Querzahnmolch
Ewige Jugend, wer wollte das nicht? Aber die Schönheitschirurgen könnten glatt einpacken, wenn wir alle wären wie der Pátzcuaro-Querzahnmolch. Wegen seines bezaubernden Aussehens? Sicherlich: die einen sagen so, die anderen so. Der fast 50 Zentimeter lange,
schlammfarbene, nackt-glipschig-wabbelige Lurch mit dem sehr breiten Kopf und dem noch breiteren Maul sowie weit vom Hals abstehenden, wie zusammengetackerte Klobürsten aussehenden Außenkiemen würde es nach gängigen Schönheitsidealen vielleicht nicht mit Brad Pitt oder Heidi Klum aufnehmen können. Umgekehrt allerdings würde der durchschnittliche Querzahnmolch vermutlich auch eher wenig entzückt auf Brad Pitt oder Heidi Klum blicken. Es ist schließlich alles eine Frage der Role Models. Aber Einigkeit besteht ja ganz allgemein darüber, dass es besonders erstrebenswert sei, möglichst lange möglichst jung auszusehen, und da ist dieses Amphibium klar im Vorteil.„Forever young“ ist sein Programm: Es bleibt einfach für immer ein Jugendlicher. 
Als vor rund 400 Millionen Jahren im Devon die ersten Amphibien noch zaghaft das Meer verließen und an Land gekrochen kamen, galt das gemeinhin als großer Fortschritt in der Entwicklungsgeschichte des Lebens. Zugegeben, wenn man sich heute an Land umschaut, könnte man darüber auch geteilter Meinung sein. Der Pátzcuaro-Querzahnmolch jedenfalls hat die Sache für sich entschieden: Er hatte genug von draußen, er ist wieder zurück ins Wasser gegangen. Die meisten Amphibien durchlaufen die Evolutionsgeschichte im Lauf ihres Lebens im Zeitraffer: Als Larve oder Kaulquappe schwimmen sie mit Kiemen im Wasser, dann wandeln sie sich in der Metamorphose um, bilden Lungen aus und kriechen schließlich an Land, um fortan dort zu leben. Anders der Pátzcuaro-Querzahnmolch: Weil in seiner Heimat, dem Hochland von Mexiko, die Lebensbedingungen im Lauf der letzten paar zehntausend Jahre zunehmend lurchfeindlicher, weil immer trockener wurden, bleibt er lieber im Wasser und behält viele seiner Jugendmerkmale einfach bei. Die Kiemen etwa, oder große Teile seines jugendlichen Gewebes. Mit erstaunlichen Effekten: Da bleibt nicht nur die Haut immer schön straff – selbst wenn er mal ein Bein verliert, wächst es ihm einfach nach. Das soll Brad Pitt ihm erst mal nachmachen.

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