Kreaturenpodcast

#11 Der Mangarahara-Buntbarsch mit Sarah Bosetti

In Folge 11 des Kreaturen Podcast erzählt Euch Die Kabarettistin und radioeins-Kolumnistin Sarah Bosetti die Geschichte des Mangarahara-Buntbarschs und verrät Euch, warum der Fisch so etwas wie das hässliche Entlein unter den Buntbarschen und für Wissenschaftler ein echtes Fest ist. Präsentiert von Citizen Conservation – Haltung rettet Arten.

© Citizen-Conservation

Der Mangarahara-Buntbarsch 
Es gibt Buntbarsche, die sind leuchtend blau oder knallrot. Andere sind leuchtend blau und knallrot. Wieder andere sind prächtig gelb oder bunt gescheckt, sie tragen wunderbar konstrastreiche Streifen oder einen schicken Schachbrett-Look, oder sie sehen aus, als habe jemand in Photoshop einfach mal alle verfügbaren Farben mit allen greifbaren Ausfüll-Tools auf einem einzigen Fisch ausprobiert. Nun: Zu diesen wirklich ausgesprochen attraktiven Prachtfischen gehört der Mangarahara-Buntbarsch ... leider nicht. Er ist eher das hässliche Entlein in der großen Buntbarschfamilie. Dieser Fisch sieht im Wesentlichen aus wie – nun ja – ein Fisch eben. In Fischfarben. Und in Fischform. Ein Fischfisch.  
Da verwundert es zunächst ein bisschen, warum die Fischforscher, die im Jahr 2006 den Mangarahara-Buntbarsch überhaupt erstmal als neue Art beschrieben haben, dieser fünf bis sechs Zentimeter langen grauen Maus unter den Barschen ausgerechnet den wissenschaftlichen Namen Ptyochromis insolitus gegeben haben, wobei das „insolitus“ für „ungewöhnlich“ steht. 
Aber ungewöhnlich ist der unscheinbare Fisch tatsächlich, in mehrfacher Hinsicht. Gut, was die Fischforscher auf den zweiten Blick an ihm so besonders fanden, haut jetzt vielleicht nicht jeden gleich vom Stuhl: auf einigen seiner Schuppen hat er kleine, kammartige Nuppel. Ein langweiliger Fisch mit Nuppeln also? Von wegen! 
Der Mangarahara-Buntbarsch erlaubt uns einen tiefen Blick in die Evolution. Buntbarsche sind eine extrem artenreiche Familie. 1.700 von ihnen schwimmen in den Gewässern Afrikas und Südamerikas herum. Mit ihrer Neigung, dauernd neue Arten zu bilden und sich mit den unterschiedlichsten Farben und Fortpflanzungsstrategien voneinander abzugrenzen und neue ökologische Nischen zu erobern, gelten sie als Paradebeispiel für die Evolution. Und sozusagen auf der anderen Seite all dieses bunten Gewimmels steht der Mangarahara-Buntbarsch und seine engste Verwandtschaft. Diese Madagassischen Buntbarsche gelten als die Urform aller Buntbarsche, die bis heute recht unverändert erhalten geblieben ist. Für Evolutionsbiologen sind solche Relikte ein Fest, weil sie mit ihrer Hilfe mehr über die Entstehung von Arten herausfinden können. Der langweilige Nuppel-Fisch hat also größten wissenschaftlichen Wert. 
Als Einzelgänger durchstreift er im Hochgebirge Zentralasiens seine Reviere, die bis zu tausend Quadratkilometer groß sind, meist entlang steiler, zerklüfteter Felshänge, immer auf der Suche nach Steinböcken oder Bergziegen. Dabei dringt er in Höhen von bis zu 6.000 Meter über dem Meeresspiegel vor. Gegen das eisige Klima ist er bestens präpariert. Seine stark behaarten Riesenpfoten verhindern das Einsinken im Schnee, das Fell sorgt mit 4.000 Haaren pro Quadratzentimeter für optimale Wärmedämmwerte. Und wenn er sich zum Ausruhen hinlegt, nimmt er einfach den dicht behaarten Schwanz als Mund-Nase-Schutz gegen die kalte Luft. Weil Sauerstoff in großer Höhe knapp ist, verfügt er über vergrößerte Lungen und Brustkorb, und bevor sie dorthin kommt, wird die eiskalte Luft in der ausgesprochen großen Nase erst einmal ordentlich vorgewärmt. 

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