Horrorszenario

100 Stunden in Lebensgefahr: Die Entführung der Landshut

Vor über 40 Jahren entführen palästinensische Terroristen die Lufthansa-Maschine „Landshut“. Für Passagiere und Flugpersonal beginnen über 100 Stunden Ungewissheit, Bangen und Todesangst. Wir blicken zurück auf die Ereignisse.

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Am 13. Oktober 1977 hebt das Flugzeug der Lufthansa in Palma de Mallorca ab, das eigentliche Ziel: Frankfurt am Main. Doch ein palästinensisches Terrorkommando stürmt kurz nach dem Abflug das Cockpit und zwingt Flugkapitän Jürgen Schumann und seinen Kopiloten Jürgen Vietor, die Route zu ändern. Für fast 90 Passagiere und die fünfköpfige Crew beginnt ein fünftägiger Alptraum mit Bangen, unerträglicher Hitze und Todesangst. 

Es war die zweite Entführung der Roten Armee Fraktion (RAF) im sogenannten Deutschen Herbst. Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer befindet sich zu dem Zeitpunkt bereits 38 Tage in Gewalt seiner Kidnapper. Die palästinensischen Extremisten fordern ebenfalls die Freilassung der elf in Deutschland inhaftierten RAF-Terroristen. Außerdem verlangen sie neben einer hohen Summe Geld, dass zwei Palästinenser aus türkischer Haft auf freien Fuß kommen. Der Krisenstab der Bundesregierung muss sich entscheiden: Die Terroristen freilassen, um das Leben der Geiseln zu retten und sich damit durch Terror erpressen lassen? Für den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt keine Option.

Treibstoffmangel und keine Landeerlaubnisse 

Der Irrflug der Lufthansa-Maschine Boeing 737 wird kurz in Rom unterbrochen – das erste unplanmäßige Landeziel. Denn der Kurzstreckenflieger muss aufgetankt werden. Der deutsche Innenminister Werner Maihofer fordert, dass die Reifen zerschossen werden um den Weiterflug zu hindern – die italienische Regierung weigert sich aber. Die Odyssee der Maschine geht weiter: über Zypern in den Mittleren Osten, nach Bahrein und Dubai. Durch mangelnden Treibstoff und fehlender Kühlaggregate fällt auch noch die Klimaanlage aus – die Passagiere müssen bei Temperaturen über fünfzig Grad ausharren, zu trinken gibt es fast nichts – die Situation im Flugzeug wird für die Geiseln immer unerträglicher.

Hinzu kommt: Viele Behörden verweigern die Landeerlaubnisse – darunter Beirut, Damaskus und Bagdad. Im Jemen dann ein weiterer Vorfall, in dem die Geiseln und die Crew nur knapp dem Tod entgehen: Der Kapitän muss notlanden, da der Treibstoff ausgeht. Die Notlandung gelingt und die Insassen kommen mit dem Schrecken davon – allerdings wird das Flugzeug so stark beschädigt, dass der Pilot die Boeing verlassen darf, um das Fahrwerk zu inspizieren. Niemand an Bord weiß genau, was in dieser Zeit außerhalb der Maschine wirklich passiert. Fakt ist: Als Jürgen Schumann zurück an Bord kommt, tötet ihn der Anführer mit einem Kopfschuss – vor den Augen der verängstigten Geiseln.

Der Alptraum findet kein Ende für die Insassen. Mittlerweile ist die Maschine in Mogadischu gelandet. Dort wollen die Terroristen die Sprengung der Maschine vorbereiten und übergießen die Passagiere mit Alkohol. Die Situation droht zu eskalieren, das letzte Ultimatum erreicht die Bundesregierung. Schließlich wendet der Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski einen Trick an: Er verspricht den Terroristen, dass die inhaftierten RAF-Verbrecher freikämen und überredet gleichzeitig Somalias Diktator Siad Barre, den Einsatz der Grenzschutzgruppe GSG 9 zu genehmigen.

Sieben Tote am 18. Oktober

Am 18. Oktober 1977 überschlagen sich die Ereignisse: Kurz nach Mitternacht gelingt es der GSG 9 in Mogadischu die Lufthansa-Maschine zu erstürmen. Sie erschießen drei der vier Entführer und befreien die Passagiere, von denen alle überleben. Als die RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe von der fehlgeschlagenen Freipressung erfahren, begehen sie in ihren Zellen in Stuttgart-Stammheim Suizid. Tödlich endet der Tag ebenfalls für Hanns Martin Schleyer, nach 43 Tagen in der Gewalt der RAF erschießt man ihn. 

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