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Natur

Wüste: Blühendes Leben in totem Gelände

Ob als Trocken-, Lava-, Kälte- oder Wasserwüste – die Wüste lebt. Doch woher stammt das verborgene Leben in solchen extremen Verhältnissen?

© iStock-Fabian-Plock

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Wüsten gelten vor allem in alten Filmen als öde, trostlose Gebiete, die unfruchtbar und lebensfeindlich sind. Auch das Sprichwort „Jemanden in die Wüste schicken“ ist mit Historie belegt: Die Isländer lieferten so ihre Verbrecher dem Tod aus. Heute wissen wir: Wüsten sind mehr als das – nämlich grüne Oasen in einem Meer aus Sand, Eis oder Felsen; faszinierende Naturlandschaften in den vielfältigsten Formen; blühendes Leben in vermeintlich toten Gebieten, Pflanzen und Tiere perfekt angepasst. Und: Kostbarkeiten unter der verdorrten Erde. Trocken-, Lava-, Kälte- oder Wasserwüsten sind über die ganze Welt verteilt.

Einstmals ein Ozean?

Die Wüste ist eine Landschaft der Extreme. Sie ist trocken und heiß – und für den Menschen lebensfeindlich. Doch das karge, endlose Sandmeer war früher fruchtbar. Ein Hamburger Archäologe ist einem Geheimnis auf der Spur: einem ehemaligen Seengebiet in einem trockenen Tal bei Gherma, in der Sahara. Noch heute finden sich dort tatsächlich Hinweise auf Wasser: Schnecken liegen tief in den Sedimenten verborgen. Dunkle Schichten im Boden verraten die Uferregionen, an denen früher Schilfrohr wucherte. Heute ist das Schilfrohr versteinert. Anhand solcher Überreste können Forscher die Größe des Sees bestimmen. Fossile Funde, wie der Zahn eines Nilpferdes, verraten einiges über die Tier- und Pflanzenwelt vor zehntausend Jahren. Auch der Mensch lebte vor 200.000 Jahren in der grünen Sahara. Aus Quarzitbrocken und Sandstein bauten sich unsere Urahnen Häuser. 60 Zentimeter hoch und zwei Meter breit boten sie Schutz vor wilden Tieren. Die Sahara bot damals geradezu paradiesische Lebensbedingungen.
 
Süßwasser aus der Vorzeit lagert heute noch in der Wüste. Wie in einem Schwamm ist es seit Hunderttausenden von Jahren in den Sedimenten gespeichert. Diesen Wasservorrat pumpt Libyen aus seinen Wüsten ab. Es versorgt das Land mit Trinkwasser und Wasser für die Landwirtschaft. Mit Bohranlagen wird das Wasser angezapft und in gigantischen Pipelines quer durch das Land in den Norden gepumpt. Zwischenstationen regulieren auf den rund 1.000 Kilometern immer wieder den Druck. Die Rohre haben einem Durchmesser von vier Metern. Nur mit Beton ummantelt und mit Stahlseilen umwickelt hält das Rohr den großen Wasserdruck aus. Pro Tag fördert Lybiens Great Man-Made River fast 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser aus der Wüste. Vor den Städten regulieren Auffangbecken die Wasserzufuhr. Tripolis und andere Städte im Norden leben bereits von diesem Wasser. Mit Hilfe aufwändiger Technik wird so in Libyen eine blühende Landschaft geschaffen, ähnlich der Natur vor Tausenden von Jahren.

Unterschiede wie Tag und Nacht

Wüsten, Steppen, Trockensavannen – Gebiete der Widersprüche. Es herrscht nicht nur enormer Wassermangel. Es verdampft auch mehr Wasser, als Regen fällt. Denn: Grundwasser tritt an die Oberfläche und verdunstet. Dabei fällt sogar Regen, aber kaum etwas kommt auf der Erde an. Die Tropfen verdunsten beim Fall durch die heiße Luft. In der Wüste sind diese „Geisterregen“ besonders häufig. Manche Gebiete erleben 40 Jahre lang keinen Regen. In Wüsten wie der Sahara herrscht enorme Hitze: Bis zu 60 Grad im Schatten und keine Wolke, die die Sonnenstrahlen filtert. Ohne Wolkendecke hält sich nachts die Wärme nicht am Boden. Deshalb gibt es oft Frost und die Temperaturen sinken auf bis zu minus 20 Grad. Ausgerechnet die fast neun Millionen Quadratkilometer große Sahara dient aber als Quelle des Lebens: Die Passatwinde tragen jährlich Abermillionen Tonnen Staub westwärts. Allein 13 Millionen Tonnen des Staubes regnen zur Regenzeit als Dünger über den Urwäldern Südamerikas ab. Ohne diese regelmäßige Dusche mit Kalium, Phosphor und Kalzium wäre der tropische Regenwald nicht lebensfähig. 

Oft sind Wüsten zu weit vom Meer entfernt. Bevor die warmen, feuchten Seewinde die austrocknenden Gebiete erreichen, haben sie sich abgeregnet. Auch an Gebirgen bleiben Wolken hängen. Die Winde, die über die Berge blasen, enthalten keine Feuchtigkeit mehr. So sind im Landesinneren Australiens und Nordamerikas große Trockenwüsten entstanden. 

Dagegen mangelt es den großen Kältewüsten, der Arktis, Antarktis und der Wüste Gobi nicht an Wasser, sondern an Wärme. Ihr Boden ist meist gefroren und mit Eis und Schnee bedeckt. Nur sehr wenige Pflanzen können dort wachsen. Vulkanausbrüche veröden weite Gebiete mit Lava und grauer, giftiger Asche. Es entstehen Lava- und Vulkanwüsten wie auf der Halbinsel Kamtschatka und auf Island. Meereskundler bezeichnen auch die Weiten der Ozeane als Wüsten. Wasserwüsten – wie die nährstoffarmen tropischen Meere. Im kalifornischen Death Valley, einem der heißesten Orte der Welt, liegt eine Salzwüste. Von den umliegenden Bergen sickert Wasser herab und verdunstet. Die darin gelösten Salze kristallisieren zu einem steinharten Salzpflaster.

© imago-Hoh-Zwei-Stock

Wie Tiere die Extreme ausgleichen

Wer in der Wüste wohnt, muss die sengenden Strahlen der Sonne und den aufgeheizten Boden ertragen. Sich tagsüber im Sand vergraben, in Erdhöhlen verstecken oder in den spärlichen Schatten zurückziehen. Jedes Tier hat sich auf seine eigene Weise perfekt an diesen extremen Lebensraum angepasst. Samenfresser wie die Ernteameisen legen Vorräte für die Trockenheit an. Käfer, Antilopen und Gazellen leben vom nächtlichen Tau. Räuberischen Insekten und Greifvögeln reicht zum Überleben die Körperflüssigkeit ihrer Beute. Flughühner müssen täglich Wasser trinken. Auch die Küken müssen mit Wasser versorgt werden. Dazu verwandelt der Hahn sein Brustgefieder in einen Wassertank. Er taucht seine Brust in die Wasserstelle und spreizt die Deckfedern. Wie ein Schwamm saugt der filzige Flaum das Wasser auf. Mit der Wasserfracht fliegt der Vogel davon und tränkt seine Küken.
 
Während sich die einen im Sand, in Erdhöhlen oder im Schatten Kühlung verschaffen, kann es anderen nicht warm genug sein: Die großen Wüstenschildkröten in Nordamerika lieben die heiße Wüstensonne. Wenn sie durstig sind, saugen sie Wasser aus Kakteen und fressen das Fruchtfleisch. Reptilien wie Schildkröten, Schlangen und Echsen nutzen die Hitze der Wüste, um ihre Körpertemperatur zu regeln. Sie nehmen Wärme aus der Umgebung auf oder geben sie an die Umgebung ab. So brauchen sie weniger Energie als Säugetiere. Das spart Nahrung, die in der Wüste knapp ist. 

Das Kamel ist auf besonders spektakuläre Weise an die Wüste angepasst: einen halben Monat lang kann es ohne zu trinken durch die Wüste ziehen. Kamele erhöhen Ihre Körpertemperatur, um nicht zu schwitzen. Das spart viel Feuchtigkeit. Finden sie eine Wasserstelle, schlucken sie 130 Liter in nur 10 Minuten und speichern das Wasser in den Höckern. Lange Wimpern schützen die Augen der Kamele außerdem vor Treibsand. In einem Sandsturm schließen die „Wüstenschiffe“ einfach ihre Augen – und können durch ihre dünnen Lider trotzdem sehen.

© iStock-Skouatroulio

Raum für Überlebenskünstler

Wüsten gehören zur Naturausstattung der Erde. Große, gewaltige Urlandschaften, fast unberührt. Gefahrvoll und unglaublich farbig und formenreich. Anmutige Gebilde aus Sand und Fels. Von vier Designern geschaffen: Wind, Wasser, Hitze und Frost. Einige „Werke“ sind sogar lackiert: braun-schwarz, rötlich oder grau gefärbt. Aus dem Gestein lösen sich winzige Mengen Mineralien: Mangan, Kieselsäure- und Eisenverbindungen, die Eisenoxide. Sie bilden später den Wüstenlack, einen ein bis zwei Millimeter starken Belag. Sand und Wind schleifen die Gesteinsoberfläche ab und erzeugen den schönen Firnisglanz, die Wüstenpolitur. Wie zu Stein gewordene Blumen wirken die sogenannten Sandrosen. Diese „Rosen“ bestehen aus Gips oder Baryt. Normalerweise bildet Gips rauten- oder pfeilförmige Kristalle. Aber die Sandkörner einer Düne unterbrechen dieses Wachstum. Die Kristalle wachsen versetzt zueinander, es entsteht der Eindruck einer Blüte. 
 
Pflanzen, die in der Wüste wachsen, sind wahre Überlebenskünstler. Sie haben sich an das heiße, trockene Klima der Wüsten auf erstaunliche Weise angepasst. Oft ist der Tau der Nacht die einzige Wasserquelle. Winzige Blätter oder dichte Behaarung schützt sie vor Austrocknung. Auf der Suche nach Wasser bohren Akazien ihre Wurzeln bis zu 50 Meter tief in die Erde. 

Die kugelförmige Bromelie braucht keine Wurzeln. Der Wind trägt diese Sträucher durch die Atacama-Wüste Südamerikas. Die nötige Feuchtigkeit ziehen sie aus der nebligen Luft. Viele Flechten leben in den Poren von Kalkgestein, um nicht auszutrocknen. Eine andere Flechtenart dagegen überlebt auch auf glühend heißen Steinen. Wer nicht ohne Wasser gedeihen kann, der speichert es. Einige Sträucher haben insgesamt 600 Kilometer lange Wurzeln. Auf etwa 100 Quadratkilometern sammeln sie jeden Tropfen Wasser. Der Saguaro-Kaktus zum Beispiel sammelt in seinem dehnbaren Stamm und den Verzweigungen bis zu 8.000 Liter. 

Trockenwüsten bergen viele Geheimnisse. Eines davon sind die unzähligen Samen der Blütenpflanzen. Sie warten – wie das schlafende Dornröschen – oft viele Jahre, bis der Regen sie zum Leben erweckt. Fast über Nacht verwandeln sich die Wüsten in ein Blütenmeer. Aber nur wenige Wochen lang.

Von Sahara bis Ayers Rock

Unter allen Wüsten der Erde ist die Sahara in Nordafrika bei weitem die größte. Mit rund neun Millionen Quadratkilometer Fläche ist sie fast so groß wie Europa. Sie nimmt nahezu das ganze obere Drittel des afrikanischen Kontinents ein, vom Roten Meer bis zum Atlantik. Die Sahara liegt nicht nur in einem der heißesten, sondern auch in einem der regenärmsten Gebiete der Erde. Trotzdem ist die Sahara kein riesiges Sandmeer mit einigen grünen Inseln, den Oasen. Nur ein Fünftel, knapp 2000 Quadratkilometer, ist tatsächlich mit Sand bedeckt. Diese Sandreste urzeitlicher Meere und Flüsse sind über die ganze Wüste verteilt. Der größte Teil der Sahara besteht aus felsigem Hochland mit weiten, kiesbedeckten oder steinigen Ebenen. Zwei weitere Wüsten liegen im Süden Afrikas: Die Kalahari in Botswana, ein trockenes Becken von rund 1 Million Quadratkilometer. Und die Namib, eine der ältesten Wüsten der Erde. Dort fällt fast nie Regen. Verwitterungen und heftige Stürme haben die Berge und Gesteine in Sand und Staub verwandelt. Im Herz der Wüste türmen sich riesige Sanddünen auf. 
 
Das zweite große Wüstengebiet der Erde liegt im Inneren Australiens: Der rote Sand der großen Viktoriawüste, der Gibson- und der Simpsonwüste ist das „rote Herz“ des Fünften Kontinents. In ihrer Mitte: der mächtige Felsen des Ayers Rock, geologisches Wahrzeichen Australiens. Das dritte große Trockengebiet der Erde, die Gobi, liegt im zentralen Hochland Mittelasiens. „Gobi“ ist das mongolische Wort für „Wüste“. Mit fast zwei Millionen Quadratkilometer erstreckt sie sich über China und die Mongolei. 

Mitten in den südrussischen Steppen liegen zwei flache und baumlose Wüsten: im Süden die Karakum aus schwarzem Sand und im Nordosten die rotsandige Kysylkum. Trockenwüsten liegen hauptsächlich in zwei Gürteln rund um die Erde verteilt: an den Wendekreisen, nördlich und südlich des Äquators. Unaufhaltsam breiten sich die Wüsten aus. Allein die Sahara wächst jedes Jahr um etwa 10.000 Quadratkilometer. Verursacht durch die Veränderungen unseres Klimas und nicht zuletzt durch abgeholzte Wälder.
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