Psychopathen der Weltgeschichte

Wilhelm II.: Vom Schwächling zum größenwahnsinnigen Herrscher

Kann sich der Charakter einer Nation in einer Person widerspiegeln? Kann ein Volk das gleiche psychologische Profil wie sein Herrscher haben? Die Parallelen zwischen dem Deutschen Reich und seinem Kaiser Wilhelm II. zumindest sind bestechend...

© Imago / United Archives International

Das Deutsche Reich wird aus drei Kriegen heraus geboren. Ähnlich dramatisch ist auch Wilhelms Geburt: Er erleidet einen Atemstillstand und überlebt nur knapp. Doch nicht nur sein verkürzter, gelähmter linker Arm ist das Resultat der Steißgeburt. Heute weiß man, dass mangelnde Sauerstoffversorgung bei der Geburt zu Gehirnschäden führen kann – die sich wiederum in psychopathologischen Störungen äußern können. 

Dass es Wilhelm II. gelingt, trotz des gelähmten Arms reiten zu lernen, führt bei ihm zu der Überzeugung, dass man alles schafft, wenn man es nur will – es ist sein erster Schritt in den Größenwahn. Als Wilhelm II. 1888 den Thron erbt, jubelt das Volk. Das Deutsche Reich ist 17 Jahre jung und schon eine Großmacht. Wilhelm II. sieht sich als Verkörperung dieses vorwärtsstrebenden Landes: stark, allen Herausforderungen gewachsen, zu Größerem berufen.

Ungebremst in die Katastrophe

„Doch der Herrscher zeigte autistische Selbstüberschätzung“, sagt der britische Historiker John C. G. Röhl. „Wilhelm II. war verantwortungslos, arrogant und besserwisserisch, ja vielfach wahnhaft.“ Und er war ein diplomatischer Versager. Das Problem: Er konnte das nicht erkennen. Mehrfach stieß er Großbritannien vor den Kopf, brüskierte die Briten mit der Aufrüstung der deutschen Flotte. Weil er sich von Feinden umringt glaubte, gab er sich immer militaristischer – was die europäischen Großmächte dann tatsächlich zum Bündnis gegen Deutschland zwang. Das von Wilhelm gesäte Misstrauen übertrug sich auch auf die deutsche Bevölkerung. Wie Wilhelm II. fühlen sich die Deutschen verfolgt, nicht ernst genommen. 

An der Seite seines Kaisers schlittert Deutschland ungebremst in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs. Wilhelm will den großen Sieg, doch der kommt nicht. „Ich habe nun schon hundert Mal befohlen, dass gesiegt werden soll, und es geschieht doch nicht“, schreit er. Zuständen von Euphorie folgen wütende Beschuldigungen. Am Ende versinkt er in Teilnahmslosigkeit, die nur von Panikattacken durchbrochen wird. Als sich die Niederlage abzeichnet, flieht Wilhelm II. ins Exil nach Holland. Eine Verantwortung für das Schicksal Deutschlands lehnt er bis zu seinem Tod ab. 
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