Körpersprache

Wie Sie Lügner entlarven können

Manchmal ist es nur eine winzige Bewegung, ein Augenblinzen, kaum wahrnehmbar – und doch kann es helfen, einen Lügner zu enttarnen. Denn Menschen, die etwas verbergen, werden fast immer von ihrem eigenen Körper verraten.

Finger hinter dem Rücken kreuzen

© imago/McPHOTO

Jeder Mensch lügt etwa zweimal am Tag. Um sich Ärger zu ersparen, um Anerkennung zu erlangen oder auch einfach aus Faulheit. Meist tun diese Lügen keinem weh, im Gegenteil: Sie können wichtig und gesund sein. Denn Menschen, die immer ehrlich sind, haben es im Alltag schwer und machen sich oft eher Feinde als Freunde. Lügenforscher haben herausgefunden, dass wir in 50 Prozent der Fälle aus so genannten prosozialen Gründen lügen, das heißt, um das Zusammenleben zu erleichtern. Geschickte Schwindler kommen also mit Anderen besser aus.

Problematisch werden Lügen dann, wenn sie gezielt eingesetzt werden, etwa um Andere zu täuschen oder zu benachteiligen. Menschen, die solche skrupellosen Lügen verwenden, sind meist nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht – wie der Autoverkäufer, der eine Rostlaube als neuwertigen Gebrauchtwagen anbietet. Oder aber sie wollen sich selbst ins rechte Licht rücken und beschuldigen lieber andere, als eigene Fehler einzugestehen.

Dabei ist Schwindeln gar nicht leicht. Es verlangt Scharfsinn und Beobachtungsgabe, viel Fantasie und ein gutes Gedächtnis, um Anderen etwas vorzuspielen. Und: Lügen bedeutet Stress. Der Puls rast, die Schweißproduktion wird angekurbelt; wir werden nervös. Diese unwillkürlichen körperlichen Reaktionen helfen aber wiederum dabei, einen Schwindel aufzudecken – denn selbst für geübte Lügner sind sie nur schwer steuerbar.

Wo Lügen sichtbar werden

Am ehesten offenbaren sich Lügen direkt im Gesicht. 27 Muskeln steuern unsere Mimik, so dass wir zu rund 7.000 verschiedenen Gesichtsausdrücken fähig sind. Beim Lügen weiten sich unsere Pupillen, wir blinzeln häufiger; gleichzeitig runzeln wir die Stirn und weichen den Blicken unseres Gegenübers aus. Während ein normaler Gesichtsausdruck meist rund drei Sekunden gehalten wird, spielen sich diese unwillkürlichen spontanen Bewegungen innerhalb von Millisekunden ab und sind für das bloße Auge kaum sichtbar.
Schuld daran ist das Limbische System in unserem Gehirn, das für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Mit purem Willen lassen sich Mikrobewegungen kaum verhindern – deshalb gelten sie als Indikator für unterdrückte Gefühle. Der US-amerikanische Psychologe Paul Ekman hat in einem Großprojekt sämtliche sichtbaren Gesichtsbewegungen katalogisiert und darauf aufbauend ein Erkennungssystem, das Facial Action Coding System, entwickelt. Er glaubt, dass sich durch die Beobachtung eben dieser Mikrobewegungen Lügner überführen lassen.

Doch auch Körperbewegungen können Schwindler verraten. Wildes Gestikulieren mit den Händen etwa signalisiert: Hier sagt jemand die Wahrheit. Täuschungen dagegen erfordern hohe Konzentration, die Hände bleiben eher ruhig. Auch die Redeweise wirkt bei Lügnern oft übertrieben. Routinierte Lügner versuchen bewusst, diesen körperlichen Reaktionen entgegenzusteuern, das wirkt aber genauso unnatürlich.

Selbst Experten werden getäuscht

Doch auch mit diesem Wissen ist es alles andere als einfach, Lügnern auf die Schliche zu kommen. Der Grund dafür ist, dass Lügensignale nicht immer eindeutig sind und von Person zu Person variieren können. Selbst Experten der Polizei oder des Geheimdienstes schätzen oft falsch ein, ob ein Verdächtiger die Wahrheit sagt oder nicht. 

Gerade in Verhören können zum Beispiel auch Stress oder Nervosität Auslöser für unbewusste Gesichtsbewegungen sein. Und die Angst eines Lügners, entlarvt zu werden, sieht dann plötzlich genauso aus wie die Angst des Unschuldigen, dem nicht geglaubt wird. Wer also verstehen will, was in seinem Gegenüber vorgeht, sollte ihn deshalb über einen längeren Zeitraum hinweg beobachten und Umstände mit einbeziehen.
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