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Immer müde? – Teil 1

Wie Erschöpfung unseren Körper umbaut

Immer mehr Menschen klagen über chronische Erschöpfung – und das, obwohl sie genug schlafen. Jetzt schlagen Forscher Alarm: Die Folgen dieser Erkrankung sind wesentlich dramatischer als bisher angenommen …

© iStock-g-stockstudio

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Stellen Sie sich vor, es grassiert eine Pandemie, die innerhalb weniger Jahre ein Viertel der Weltbevölkerung infiziert hat: Sie macht quasi über Nacht aus friedlichen Individuen aggressive Gewalttäter, verleitet Menschen wie von Geisterhand zu tödlichen Fehlern und lässt Betroffene in kurzer Zeit fettleibig und depressiv werden. 

Klingt nach einem utopischen Science-Fiction-Film? Tatsächlich ist diese Pandemie längst ausgebrochen. Der Name des Virus, der allein in Deutschland Millionen Menschen befallen hat: chronische Übermüdung – auch Semi-Somnia genannt. Tatsächlich warnen mittlerweile die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und führende Mediziner vor einem neuen Zeitalter – dem Zeitalter der totalen Erschöpfung. 

Was die Forscher dabei am meisten beunruhigt: Es ist nicht der Schlafmangel an sich, der – wie jahrelang vermutet – diese Erkrankung auslöst. Die wahre Ursache ist der Krieg um unsere Aufmerksamkeit. So wird unser Gehirn inzwischen quasi jede Minute regelrecht bombardiert mit Reizen von außen. Ein pausenloses Dauerfeuer, dem es nicht standhalten kann – es bricht erschöpft zusammen. 

Die Folgen dieses unsichtbaren Krieges, der mittlerweile in den Köpfen von Millionen Menschen tobt: Nicht nur unser Gehirn und damit unser Verhalten, auch unser gesamter Körper wird durch die chronische Erschöpfung radikal umgebaut. Und das in einem Ausmaß, das selbst die kühnsten Horrorszenarien der pessimistischsten Mediziner bei Weiten übertrifft. Aber was genau passiert mit uns, wenn wir ständig müde sind? 

Wie ein Daten-Tsunami zur Erschöpfungsfalle wird

Marc Selzer blickt auf die Uhr. Noch eine Stunde. Dann hat er auch die fünfte Schicht geschafft. Der 38-Jährige absolviert gerade eine sogenannte „Rattler“. So wird eine Arbeitswoche genannt, in der Fluglotsen fünf Acht-Stunden-Schichten in nur vier Tagen abreißen. Es ist Rushhour über dem John F. Kennedy Airport in New York. Im Schnitt startet oder landet hier jetzt jede Minute ein Flugzeug. Selzer muss die Maschinen, die sich als ruckelnde Zahlenkombinationen auf den flimmernden Monitoren fortbewegen, im Auge behalten. 

Routine. Die Abwicklung verläuft ohne Probleme – bis ihn plötzlich sein Kollege am Arm packt und hektisch mit dem Finger auf Selzers Bildschirm zeigt. Erst jetzt bemerkt dieser, dass gleich drei Zahlengruppen rot blinken. Es ist das Warnsignal dafür, dass sich die Flugzeuge zu nahe an anderen Maschinen befinden oder der Höhenunterschied zu gering ist. In letzter Sekunde kann Selzer die Piloten anfunken, die Kurse der Maschinen korrigieren – und so eine Katastrophe verhindern. 

Aber wie konnte dem erfahrenen Fluglotsen ein derart krasser Blackout unterlaufen? Die Öffentlichkeit erfährt von solchen Aussetzern der Fluglotsen meist nichts, und wenn doch, sprechen die Behörden von Einzelfällen. Fakt ist jedoch: Bei einer aktuellen Befragung von 3.200 Fluglotsen in den USA gab jetzt jeder fünfte von ihnen an, bereits potenziell tödliche Fehler begangen zu haben, wie beispielsweise zwei Flugzeuge zu nah aneinander gebracht zu haben. Der Grund für diese Blackouts war laut den Fluglotsen fast immer der gleiche: Übermüdung. 

„Die chronische Erschöpfung der Fluglotsen ist mittlerweile eine der größten Gefahren für den Flugverkehr“, lautet das Fazit der Studie. Das Überraschende dabei: Offenbar spielt mangelnde Schlafdauer nur eine untergeordnete Rolle bei der Übermüdung. Vielmehr sind es die wachsende Datenflut und die Informationsgeschwindigkeit (immerhin gibt es mittlerweile doppelt so viele Flugbewegungen wie noch vor 15 Jahren), die immer häufiger die Gehirne der Fluglotsen schachmatt setzen und zu einer chronischen Erschöpfung führen. Wer jetzt jedoch denkt, dass dieses Phänomen nur Spezialisten in extremen Drucksituationen betrifft, der irrt sich …

>>> TEIL II: Warum wir nicht bemerken, dass wir uns im Blindflug befinden

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