Rote Armee Fraktion

Wer bildete die RAF-Terroristen wirklich aus?

Bombenanschläge, Entführungen, Morde: Mehr als zwei Jahrzehnte lang hielt die Rote Armee Fraktion (RAF) die Bundesrepublik in Atem. Heute wissen wir, dass die Organisation damals durch die DDR unterstützt wurde - in eigens für den Untergrundkampf im Westen errichteten Ausbildungslagern lernten die Terroristen ihr "Handwerk".

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RAF – es sind diese drei Buchstaben, die Deutschland mehr als zwei Jahrzehnte in Angst und Schrecken versetzen. Die linke Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF) nimmt Geiseln, verübt Bombenanschläge und tötet von 1971 bis 1993 auf deutschem Boden insgesamt 34 Menschen. Aufgrund der Präzision der Attentate, der Art der verwendeten Waffen und der professionellen Ausrüstung steht für den Verfassungsschutz der Bundesrepublik frühzeitig fest: Die Untergrundarmee muss staatliche Unterstützer haben. Umgehend fällt der Verdacht auf die Geheimdienste der kommunistisch geführten DDR. Im Falle eines Beweises wäre das wie eine Kriegserklärung der DDR an die Bundesrepublik – und der Kalte Krieg zwischen Ost und West könnte eskalieren. Handfeste Belege für diese Verbindung bleiben jedoch aus – die wahren Hintermänner können bis zur Auflösung der RAF nie ermittelt werden. Doch Dokumente weisen eindeutig nach: Die RAF wurde in Trainingscamps der DDR militärisch ausgebildet!


Ausbildung im Untergrund

Tatsächlich belegen die Papiere, dass in der DDR 1969 eine Abteilung eingerichtet wurde, um die Ausbildung von Untergrundkämpfern in der Bundesrepublik zu gewährleisten. Es entstanden Camps unter Beteiligung der AGM/S (Arbeitsgruppe des Ministers/Sonderaufgaben). Ausgebildet wurden hier auch Terroristen der RAF und die einer weniger bekannten Terrororganisation, der Untergrundarmee der Deutschen Kommunistischen Partei, die sogenannte MO (Militärorganisation). Ein ehemaliger Ausbilder sagte jetzt zu wdw: „1977 hatte ich eine illegale Waffenlieferung in die Bundesrepublik vorbereitet. Die Waffen sollten in einem Tanklastwagen über die innerdeutsche Grenze geschleust werden. Wegen der Attentatsreihe 1977 wurde die Sache jedoch zu heiß und kurzfristig von der DDR-Führung abgesagt.“

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Ein Terroristenausbilder berichtet

Die Geheimakten zeigen zudem, dass Terroristen der RAF auf einem Gelände in der Nähe von Frankfurt/Oder bei Briesen mit Panzerfäusten üben konnten. Kurz darauf wendeten die Untergrundkämpfer ihre Fähigkeiten bei einem Panzerfaustanschlag auf US-General Frederick James Kroesen an. Auch Frank Bernhard* war einer der ostdeutschen Terroristenausbilder. „Ich war, wenn man so will, das Gegenstück zum Leiter der (westdeutschen) GSG9. Deren Strategien musste ich auswerten und neue Ideen entwickeln, auch für Attentate. Wir hatten mit Panzerminen experimentiert, aber das funktionierte gegen die gepanzerten Limousinen nicht, der Druck ging zumeist zu den Seiten weg, weil die Fahrzeuge zu leicht waren. So kamen wir auf die Idee, die Ladung seitlich zu schießen und das dann mit einer Lichtschranke auszulösen“, erklärt Bernhard.

Opfer Nr. 32

Am 30. November 1989 verblutete der Bankmanager Alfred Herrhausen nach einem Anschlag mit einer solchen Lichtschrankenbombe in seinem Wagen als Opfer Nr. 32 der RAF. Bernhard: „Das war ganz klar genau die Ladung, die wir entwickelt haben. Heute tut es mir leid, aber damals war es meine Aufgabe, dies zu tun.“

*Name von der Redaktion geändert

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