Rassismus

Wenn die Hautfarbe deinen Wert bestimmt

Über 50 Jahre nachdem die USA die Gleichberechtigung der Rassen per Gesetz festlegte, haben Afro-Amerikaner immer noch mit Rassismus zu kämpfen – sogar unter den eigenen Leuten …

Previous Next
Das kleine fünfjährige Mädchen knabbert verlegen an seinen Fingernägeln. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein Blatt Papier, das fünf lachende Zeichentrickfiguren zeigt. Alle sehen sie genau gleich aus – bis auf ihre Hautfarbe, die von beige bis dunkelbraun reicht. „Zeig‘ mir das hübsche Mädchen“, hört man eine sanfte Frauenstimme sagen. Die kleine Hand wandert schnell zu dem hellsten Mädchen. „Und warum ist sie das hübsche Mädchen?“ – „Weil sie weiß ist.“ „Ok. Jetzt zeig‘ mir das hässliche Mädchen.“ Ohne lange zu Zögern huscht der Finger zum Bild des dunkelsten Mädchens. „Und warum ist sie das hässliche Mädchen?“ – „Weil sie schwarz ist.“ Und als wäre die Reaktion des Kindes nicht traurig genug: Die Fünfjährige ist selbst afrikanischer Abstammung …

Ablehnung aus den eigenen Reihen

Die beschriebene Szene stammt aus dem 2012 erschienen Film „Dark Girls“. In der Dokumentation erzählen Afro-Amerikanerinnen nicht nur von ihren Erfahrungen in einer weißen Welt, sondern auch davon, was es bedeutet, Ablehnung aus den eigenen Reihen zu erfahren. Schwarz ist nämlich nicht gleich Schwarz. „Heirate jemanden mit einem hellen Hautton, um die Rasse voran zu bringen.“ Was nach einem längst überholten Satz vergangener Tage klingt, gilt vielen Afro-Amerikanerinnen als Mantra. Da ist das Mädchen, das dachte, seine Haut sei deshalb so dunkel, weil sie dreckig ist. Da ist die Frau, die als Kind ihre Mutter bittet, Aufheller in die Badewanne zu schütten, damit seine Haut heller wird. Da ist die junge Mutter, die unter bebender Stimme sagt, sie hätte sich während ihrer Schwangerschaft nichts sehnlicher gewünscht, als dass ihr Baby nicht mit demselben dunklen Hautton wie sie zur Welt kommt.

Die nackten Zahlen der amerikanischen Einkommensstatistik unterstreichen die Rassenungleichheit, die im Film deutlich zur Sprache kommt: Schwarze Familien müssen mit rund 40 Prozent weniger Gehalt ihren Haushalt bestreiten. Zudem ist die schwarze Arbeitslosenquote doppelt so hoch wie die weißer Amerikaner. Ein Teufelskreis: Nur 21 Prozent der afro-amerikanischen Bevölkerung kann sich deshalb einen College-Besuch leisten. Bei weißen Amerikanern ist es jeder Dritte. Wirft man einen Blick auf die Gefängnisse, sind diese Zahlen genau umgekehrt: Dort sitzen sechsmal mehr schwarze als weiße Männer ein. Ist man als Schwarzer nachts mit dem Auto in New York unterwegs, wird man mit 90-prozentiger Chance von der Polizei bei spontanen Kontrollen rausgezogen.

Schwarz ist nicht gleich Schwarz

Auch über 50 Jahre nach der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung haben sich die Vorurteile gegenüber Schwarzen nicht geändert. Im Gegenteil – sie kommen vielfach auch aus den eigenen Reihen. Es ist schwer den Teufelskreis zu durchbrechen, wenn die Betroffenen anfangen, sich an Vorurteile anzupassen und aufhören, an ihr Recht auf Gleichberechtigung zu glauben. Denn jede Nachricht findet irgendwann Gehör, wenn man sie nur oft genug hört.

Das könnte Sie auch interessieren