Rätselhafte Orte

Welches berühmte Nazi-Schlachtschiff hält bis heute die Hoheit auf See?

Die „Bismarck“ gilt als das mächtigste Schlachtschiff des Zweiten Weltkrieges. Ein Funkspruch durch Admiral Günther Lütjen verrät unabsichtlich die Position der Deutschen an die Briten. Das Todesurteil der Bismarck und der Untergang von Hitlers Seemacht.

© Imago Images / United-Archives

Als am frühen Morgen des 24. Mai 1941 südwestlich von Island die „Bismarck“ auf die „HMS Hood“ trifft, ist die Anspannung beinahe mit den Händen greifbar. Es geht um die Vormachtstellung im Nordatlantik. Das größte Schlachtschiff der deutschen Kriegsmarine trifft auf das Flaggschiff der britischen Royal Navy – und beide Seiten wissen: Nur ein Schiff wird diesen Tag überstehen. Die Briten eröffnen das Feuer um 5:52 Uhr. Drei Minuten vergehen, ehe die Deutschen zurückschießen – doch dann geht alles schnell: Schon die dritte Salve der Bismarck ist ein Volltreffer. Die fünfte Salve reißt die HMS Hood regelrecht in Stücke. Sechs Minuten später sinkt der Stolz der britischen Kriegsmarine auf den Grund. 1.418 Seeleute sterben. Nach der vernichtenden Niederlage der „HMS Hood“ befindet sich die britische Marineführung zunächst in einer Schockstarre. Doch schnell wird klar: Auch die „Bismarck“ ist beschädigt. 

Verräterischer Funkspruch

Während der 250-Meter-Gigant mit leichter Schlagseite in Richtung des von Deutschland besetzten Frankreich navigiert, zieht die Royal Navy alle Register: Fünf große Schlachtschiffe, zwei Schlachtkreuzer, zwei Flugzeugträger, 13 Kreuzer, 33 Zerstörer und acht U-Boote nehmen die Verfolgung des deutschen Schlachtschiffs auf. Und tatsächlich wäre die „Bismarck“ ihren Verfolgern sogar beinahe entkommen. Doch nachdem Kapitän Ernst Lindemann das britische Geschwader mit einem riskanten Wendemanöver erfolgreich abgehängt hatte, bricht der ebenfalls an Board mitfahrende Admiral Günther Lütjens die Funksperre – und ermöglicht es somit britischen Ortungsexperten, die Position der Bismarck erneut zu bestimmen. Die Briten kreisen das deutsche Schlachtschiff ein. Kurz darauf trifft ein Torpedo die „Bismarck“ am Ruder. Es ist ihr Todesurteil: Drei Tage nach dem Untergang der „HMS Hood“ wird die manövrierunfähige „Bismarck“ in einem 90-minütigen Gefecht südwestlich von Irland mit 2876 Schiffsgranaten und elf Torpedos „zusammengeschossen“ – und sinkt 4.800 Meter tief auf den Grund des Atlantiks. 2.104 Menschen sterben. 

Historische Einordnung

Für viele Historiker markiert der Untergang der Bismarck das Scheitern von Hitlers Seekriegsplänen – und somit einen entscheidenden Wendepunkt im 2. Weltkrieg. Eine schwere deutsche Kriegsmarine existiert nach diesem Tag praktisch nicht mehr. Und nur vor diesem Hintergrund konnten die Alliierten drei Jahre später eine Invasion des europäischen Festlands riskieren, die wir heute als D-Day kennen. 78 Jahre später stehen die Koordinaten 48° 10‘ Nord, 16° 12‘ West immer noch für einen wichtigen Ort der deutschen Geschichte – so wichtig, dass das Wrack der Bismarck fast fünf Kilometer unter dem Meeresspiegel auf den Seekarten als deutsches Hoheitsgebiet eingestuft wird.

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