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Was uns Mediziner verschweigen – Teil 1

Was entscheidet wirklich darüber, wer eine Organspende bekommt?

In Deutschland leben rund 11.000 Menschen, die auf eine Organtransplantation warten. Dem gegenüber stehen gerade einmal 3.000 Organe, die jährlich gespendet werden. Nach welchen Kriterien werden die Organe wirklich verteilt?

Organe

© iStock-yezry

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Wer auf eine Organtransplantation wartet, muss Geduld aufbringen, denn die Nachfrage nach gesunden Organen ist in Deutschland fast viermal so hoch wie Anzahl der gespendeten Organe. Die Wartezeiten für den Einzelnen sind entsprechend hoch. Im Schnitt liegen sie bei rund sechs Jahren für eine Niere und bei bis zu zwei Jahren für ein Herz oder eine Leber. Doch was heißt das eigentlich genau?

Die Rangfolge ist entscheidend

Steigt die Chance, ein Organ zu bekommen, wenn man nur lange genug wartet? Nicht zwangsläufig: Denn im Gespräch mit ihren schwerkranken Patienten sind viele Ärzte nur bedingt ehrlich. Neben den quasi harten Kriterien (Blutgruppe, mögliche Abstoßungsreaktion usw.), die darüber entscheiden, ob ein Spenderorgan überhaupt zum Patienten passt, gibt es noch zahlreiche „weiche Kriterien“. Und die spielen bei der Vergabe von Organen eine entscheidende Rolle. Zum Beispiel erfahren viele Betroffene nicht, dass „für jedes gemeldete Spenderorgan die Rangfolge der Patienten neu berechnet wird“, erklärt Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation.
Doch selbst wenn diese Würfel für einen Patienten günstig fallen, heißt das noch lange nicht, dass er automatisch zur Transplantation ausgewählt wird – tatsächlich heißt das noch nicht einmal, dass er überhaupt irgendwann ein neues Organ bekommt. Aber wie kann das sein? Sobald sich nur zwei Patienten auf einer Liste – z.B. für die Vergabe einer Niere – hinsichtlich ihrer messbaren Kriterien zu stark ähneln, handelt es sich um ein Unentschieden. Bei mehr als 10.000 Menschen, die in Europa auf eine Niere warten, ein Problem, das häufiger auftritt, als die meisten ahnen. Um in dieser Situation dennoch einen Patienten für ein Organ aussuchen zu können, müssen Ärzte nicht nur auf die vermeintlich harten – sondern ebenso auf weiche Kriterien prüfen. Die sind nicht messbar, sondern basieren oft auf subjektiver Abwägung.

Harte und weiche Kriterien

Für die verantwortlichen Ärzte ein Dilemma. Sie müssen anhand von Faktoren wie Dringlichkeit oder Lebenswandel einen Organempfänger ermitteln – eine wahnsinnig schwere Aufgabe. In der Praxis kann das dann bedeuten, dass ein 47-jähriger Alkoholiker eine geringere Chance auf eine Spenderleber hat als ein 17-jähriges Mädchen, das an einer Erbkrankheit leidet und sonst gesund ist. Für Kritiker nur schwer hinnehmbar: Denn ohne objektive Kriterien sehen sie eine rote Linie überschritten. Patrick McMahon – ehemaliger Transplantations-Koordinator in den USA – beschuldigt Ärzte vor diesem Hintergrund sogar, „Gott zu spielen“.

Entgegen der verbreiteten Meinung können Tote übrigens keine Organe spenden, „Man kann nur Organe transplantieren, die lebendig sind“, erklärt der Kardiologe Paolo Bavastro. Damit Ärzte – im Grunde aus einem lebendigen Leib – dennoch Organe entnehmen können, ohne sich strafbar zu machen, hat man im Jahr 1968 den sogenannten „Hirntod“ eine alternative Tod-Definition eingeführt. Dabei gehen die Gehirnfunktionen als unwiderruflich erloschen – während die übrigen Körperfunktionen noch aktiv sind. Lediglich 4.000 solcher Fälle gibt es jährlich in Deutschland.
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