US-Geschichte

Warum ruht Abraham Lincoln unter zwei Tonnen Beton?

Einige Menschen würden für Geld alles machen – auch die Leiche des ersten Präsidenten der USA stehlen. Doch das entpuppte sich als dumme Idee ...

Abraham Lincoln

© imago/Manngold

Abraham Lincoln war der erste US-Präsident, der einem Attentat zum Opfer fiel, und der erste US-Präsident, dessen Leichnam beinahe gestohlen wurde. Dieses „beinahe“ ist das Verdienst des Secret Service. Lincoln unterzeichnete das Gesetz zur Schaffung des Secret Service am Tag seiner Ermordung. In den ersten Jahrzehnten seines Bestehens war der Secret Service mit der Enttarnung und Zerschlagung von Geldfälscherringen betraut. Bis zu den 1860er-Jahren hatte das Fälscherhandwerk solche Ausmaße  angenommen,  dass die Hälfte des im Umlauf befindlichen Cash aus Falschgeld bestand. James „Big Jim“ Kinealy war der Anführer eines Fälschersyndikats. Er wollte Lincolns Leiche kidnappen und gegen die Zahlung eines Lösegelds von 200.000 Dollar in bar („echte Scheine, bitte schön!“) wieder herausgeben.

Störung der Totenruhe

In der Nacht des 7. November 1876 schlichen sich Kinealys Männer zum Oak-Ridge-Friedhof und brachen in Lincolns Grabmal ein. Der mit Blei ausgekleidete Sarg wog allerdings eine Vierteltonne, sodass sie ihn nicht herausheben konnten. Der Anführer der Gangster befahl seinem Komplizen Swegles, als Verstärkung den Fahrer des Fluchtfahrzeugs zu holen. Doch statt in Richtung Straße aufzubrechen, schlich dieser sich in den Empfangsraum, wo er auf eine Mannschaft von Beamten des Secret Service stieß. Swegles war keineswegs überrascht, denn genau so hatte er es geplant. Er war Informant des Secret Service.
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Der Versuch einen Toten zu verstecken

Patrick D. Tyrrell, Chef des Secret Service, wartete bereits seit drei Stunden in dem Empfangsraum. Auf Swegles Signal hin machten sich die Männer zur Verhaftung der Grabräuber bereit. Diese konnten jedoch fliehen, ehe die Agenten in der Gruft waren. Nach dem Einbruch wurde Lincolns Sarg jahrelang im Keller des Lincoln Memorial aufbewahrt und zwischen 1876 und 1901 mindestens 16-mal an einen anderen Ort verlegt, um potenziellen Dieben die Arbeit zu erschweren. Im Jahr 1901 hatte Lincolns Sohn Robert genug von den Spielchen und ließ den Sarg seines Vaters in einen Stahlkäfig hüllen, in eine Gruft hinabsenken, die sich drei Meter unter dem Boden des Gedenkbaus auf dem Oak-Ridge-Friedhof befand, und mit zwei Tonnen Beton zugießen. Soweit bekannt ist, liegt Abraham Lincoln dort noch immer.

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