Produktkennzeichnung

TÜV, GS, CE: Wie viel Sicherheit steckt hinter diesen Siegeln?

Nicht alles ist Gold, was glänzt und nicht alles sicher, was siegelt: TÜV, GS, CE sind für so manchen ein Anlass zum blinden Kauf. Gerade bei Elektrogeräten kann es sehr gefährlich werden, wenn Siegel nicht die suggerierte Sicherheit gewährleisten.

© imago-STPP

Was viele nicht wissen: Die CE-Kennzeichnung ist kein Qualitätssiegel. Es ist vielmehr ein Verwaltungszeichen, das Hersteller selbst auf die Produkte setzen. CE steht für Communautées Européene. Aus dem Französischen übersetzt, heißt es „Europäische Gemeinschaft“ und meint nur, dass das Produkt den Transportbedingungen der Europäischen Union entspricht. Hersteller sind sogar verpflichtet mit dem Zeichen ihre Produkte zu markieren, um zu zeigen, dass sie sich an den EU-Markt angepasst haben. Allerdings wird es von keiner unabhängigen Instanz überprüft.

Wer prüft wirklich?

Produkte mit einem GS-Kennzeichen sind hingegen von einer unabhängigen Instanz kontrolliert. GS (Geprüfte Sicherheit) ist ein Siegel, das nur staatlich autorisierte Prüfstellen verwenden dürfen. Dies können zum Beispiel private Einrichtungen wie die TÜV-Gesellschaften oder der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) sein. Solche Prüfeinrichtungen haben auch eigene Siegel, die Hersteller in der Regel neben das GS-Siegel platzieren.

Echte, geprüfte Sicherheit

Hier ist aber auch ein grundlegender Unterschied zu dem CE-Kennzeichen: GS-Siegel werden vergeben und dürfen vom Hersteller nicht eigenmächtig verwendet werden. Dem GS-Siegel liegt das sogenannte Produktsicherheitsgesetz zugrunde. Darin ist geregelt, wie der Verbraucher vor eventuellen Fehlfunktionen geschützt sein soll. 
Ist beispielsweise eine Lampe nicht richtig verkabelt (Erdung), besteht die Gefahr, dass der Lampenbesitzer beim Einschalten einen Stromschlag bekommt. Institute wie der VDE testen Geräte nicht nur auf ihre bloße Tauglichkeit hin, sondern simulieren auch Alltagssituationen, um zu sehen, wie Geräte bei möglichen Fehlern reagieren.

Grenzen der Sicherheit

Allerdings werden Produkte immer in Verbindung mit ihrer Bedienungsanleitung geprüft. Sie ist Bestandteil des gesamten Produktes. Hält sich der Kunde nicht an die Hinweise der Anleitung, hilft ihm auch ein Sicherheitssiegel nicht. Beispielsweise kann eine Steckdosenleiste ein GS-Siegel tragen und in dem Beipackzettel vermerkt sein, dass an der Leiste keine Geräte mit hoher Wattleistung (z. B. Staubsauger) angeschlossen werden dürfen. Wird ein Sauger trotzdem daran betrieben, handelt der Nutzer entgegen dem Verwendungszweck des Produktes.

Hält man sich an den Verwendungszweck, sind geprüfte Geräte sehr sicher, da die privaten Institute ihre eigenen Siegel als Marken nutzen und ihren guten Ruf nicht verlieren wollen. TÜV ist zum Inbegriff für eine kritische Überprüfung geworden und 67 Prozent der Deutschen kennen den Verband der Elektronik (VDE). Sicherheitssiegel sind aber nicht verpflichtend: Hersteller sind somit in der Lage, ein mehr oder weniger ungeprüftes Gerät auf den Markt zu bringen.

Siegel-Piraten

Einige Hersteller fälschen GS- und Prüfstellensiegel sogar, um ihre Billigprodukte attraktiver zu machen. Die Sicherheit ist also durch weit verbreitete Fälschungen bedroht: VDE und TÜV gehen aktiv gegen Siegel-Piraterie vor. Trotzdem kommen jährlich nahezu hundert Produkte mit gefälschten Kennzeichnungen in den Handel.

Für Kunden gibt es ein paar Hinweise, gefälschte Siegel zu enttarnen: Bei jedem GS-Siegel muss nicht nur die prüfende Instanz genannt werden, sondern ihre korrekte und vollständige Anschrift. Fehlt diese Angabe, ist das Siegel definitiv gefälscht. Auch veraltete oder unvollständige Angaben sollten Verdacht erregen. Sämtliche Adressen finden sich auf der staatlichen Internetseite baua.de. Mittlerweile verwendet der TÜV-Rheinland mit dem Handy einlesbare QR-Codes und erschwert Siegel-Piraterie. Damit lässt sich beim Shoppen vor Ort das Prüfsiegel prüfen.

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