Antikes Rom

Tödliche Intrige: Die letzten Tage des Julius Caesar

Am 15. März des Jahres 44 v. Chr. wird Caesar getötet. Dabei hätte er dem Attentat entgehen können – ein Wahrsager hatte ihn gewarnt.

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Auf einem Wagen stehend zieht Caesar in Rom ein. Die Masse jubelt ihm zu und ihm folgt ein langer Zug. Reiche Beute wird in die Stadt am Tiber geschleppt. Tagelang feiert Caesar seinen Sieg über Spanien und überall in der Stadt werden Statuen des Herrschers aufgestellt. Es ist das Jahr 45 vor Christus und Caesar ist auf seinem politischen Höhepunkt angekommen. Aus den Bürgerkriegen ist er als Konsul, oberster Priester, Sittenrichter und Oberbefehlshaber über das Heer hervorgegangen. Der Senat ernennt ihn zum „dictator perpetuus“ – zum Diktator auf Lebenszeit.

Doch den Fürsprechern der alten Ordnung der „res publica“, dem republikanischen Rom, ist der aufstrebende, machthungrige Diktator ein Dorn im Auge. Nie wieder soll in Rom ein König regieren. Die Senatoren sehen durch die Alleinherrschaft Caesars ihre Macht schwinden und die Demokratie zerbrechen. Und so planen sie ein Mordkomplott: Unter der Führung von Marcus Iunius Brutus – der ein Vertrauter Caesars ist – und Gaius Cassius Longinus treffen rund sechzig Verschwörer die Entscheidung, den Tyrannen Caesar zu ermorden.

Düstere Vorahnungen

Am Vorabend der „Iden des März“ ist Caesar zu Gast bei seinem Freund Marcus Lepidus. Als „Iden“ werden in Rom traditionelle Festtage bezeichnet, die in der Monatsmitte gefeiert werden – dieses Mal am Fünfzehnten. Den Imperator plagen Vorahnungen. Im Gespräch stellt Marcus Lepidus ihm die Frage, welcher Tod wohl der angenehmste sei und Caesar antwortet: „Der Plötzliche, Unerwartete“. Am selben Tag warnt ihn der Seher Spurinna vor einem Anschlag mit den Worten: „Hüte dich vor den Iden des März!“

Wohl zur selben Zeit planen die Verschwörer Brutus und Cassius bereits, den Imperator ein für alle Mal zu beseitigen. In der Nacht plagen sowohl Caesar selbst als auch seine Frau Calpurnia Alpträume: Calpurnia sieht den Giebel ihres Hauses einstürzen und ihren Mann, den sie in den Armen hält, erdolcht. Und am Morgen des verhängnisvollen Tages fühlt Caesar sich unwohl. Er möchte an der für den 15. März angesetzten Senatsversammlung nicht teilnehmen. Aber Decimus Brutus überredet ihn persönlich, doch zu kommen.

„Die Iden des März sind noch nicht vorüber!“

So macht sich Caesar gegen elf Uhr am 15. März 44 vor Christus auf den Weg zum Theater des Pompeius, wo der Senat sich versammelt. Als er aus seinem Haus am Forum Romanum tritt, kommt der griechische Gelehrte Artemidoros auf ihn zu. Auch er will den Imperator warnen: Er hat zuvor im Hause des Brutus Andeutungen über das geplante Attentat aufgeschnappt und niedergeschrieben. „Caesar, das musst du lesen, allein und rasch!“, ruft er dem Imperator zu. Doch auf dem Weg zum Pompeiustheater wird dieser von allen Seiten belagert und vergisst das Schriftstück.

Vor dem Theater begegnet Caesar dem Seher Spurinna, der ihn tags zuvor gewarnt hatte, in der Menge. Laut dem römischen Schriftsteller Sueton soll er ihm spöttisch zugerufen haben: „Die Iden des März sind da!“ Mit düsterer Voraussicht antwortet der Seher: „Da sind sie, aber noch nicht vorüber.“ Doch auch diese Warnung schlägt Caesar in den Wind. Stattdessen begibt er sich in das Theater, um die Versammlung zu leiten.

Im Saal der Senatssitzung umringen ihn die Verschwörer. Einer von ihnen trägt eine Bitte vor, die der Herrscher zurückweist. Daraufhin tritt einer der Aufrührer vor und reißt dem Imperator die Toga vom Hals. Das ist das verabredete Zeichen, auf das die anderen gewartet hatten. Als Erster sticht Casca mit seinem Dolch auf Caesar ein. Aber er ist so aufgeregt, dass er ihn nur leicht verletzt. Entsetzt soll Caesar sich zu Casca umgedreht und ausgerufen haben: „Verfluchter Casca, was tust du?“ Nun ziehen auch die anderen Verschwörer ihre Dolche und stoßen auf den Herrscher ein. Schockiert blickt Caesar ein letztes Mal zu seinem Vertrauten Brutus auf: „Auch du, mein Sohn Brutus?“, soll der Imperator noch ausgerufen haben, bevor er blutüberströmt zu Boden sinkt. Mit 23 Dolchstichen hatten die Aufrührer ihn gerichtet.

Politische Wirren nach Caesars Tod

Die Verschwörer wähnen sich an ihrem Ziel: Der Tyrann ist tot – dem Wiederaufleben der Republik steht nichts mehr im Wege. Doch sie haben keine Vorkehrungen getroffen, um sich die Übernahme der Macht zu sichern. Die Aufrührer waren davon ausgegangen, dass die Beseitigung Caesars ausreichen würde. Doch stattdessen löst sein Tod einen weiteren Bürgerkrieg aus.

Fast 15 Jahre wird es dauern, bis der Staat wieder geregelt wird. Die Macht in Rom geht an Caesars Adoptivsohn Augustus. Auch der baut sich Schritt für Schritt die Alleinherrschaft auf – und wird damit der erste Kaiser Roms. Und die Caesarmörder? Viele von ihnen müssen aus der Stadt fliehen. Die Anführer Cassius und Brutus werden von Caesars Anhängern bekriegt und verfolgt. Sie begehen Selbstmord.

War die Ermordung Caesars also ein Fehler? Wenn sich doch nichts geändert hat im Staat, haben die Mörder umsonst Blut vergossen? Wäre die Zukunft Roms anders verlaufen, wenn Caesar eines natürlichen Todes gestorben wäre? Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Die „Iden des März“ aber gelten bis heute sprichwörtlich als Zeichen für die Befreiung von einer Tyrannenherrschaft – und auch als Synonym für Verrat und drohendes Unheil.

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