Naturkatastrophen

Tödliche Bedrohung: Wie zerstörerische Schlammlawinen entstehen

Im Schnitt alle vier Jahre droht ein gewaltiges Klimaphänomen – der El Niño. Vor allem an der südamerikanischen Küste kommt es zu starken Regenfällen. Überschwemmungen und Erdrutsche verwüsten das Land und zehren Menschen mit in den Tod. Wie entstehen solche zerstörerischen Naturgewalten?

© Imago-Xinhua

Beim Klimaphänomen El Niño sammeln sich warme Wassermassen im zentralen und östlichen Pazifik – die Folge: weltweite Wetterextreme. Vor allem in Peru führt das oft zu heftigen Regenfällen. So auch im Frühjahr 2017: Flüsse traten über, Erdrutsche und Schlammlawinen folgten. Zehntausende Menschen wurden obdachlos, über 70 Menschen starben und sogar das Trinkwasser wurde knapp.

Doch auch Mitteleuropa bleibt von Schlammlawinen nicht verschont. In der Schweiz stürzt am 14. Oktober 2000 eine Schlamm- und Gerölllawine durch das Bergdorf Gondo. Voraus gehen ungewöhnlich große Niederschlagsmengen. Der kleine Fluss Doveria schwillt zu einem reißenden Fluss an. Die Fluten reißen die massiven Ufermauern mit sich und zerstören ganze Straßenzüge. Auch ein acht Meter hoher Schutzwall kann die Gerölllawine nicht aufhalten. Im Gegenteil: Er wird selbst zum tödlichen Geschoss. 13 Menschen sterben unter den tonnenschweren Schuttmassen. Wie entstehen solche zerstörerischen Schlammlawinen und wie können sich die Einwohner gefährdeter Gebiete schützen?

Der Naturgewalt entgehen

Schlammlawinen sind ein Gemisch aus Wasser, Gestein und Schlamm. Ihre Ursprungsgebiete sind stets gleich: steile Hanglagen, vor allem baumlose oder gerodete Flächen. In Peru etwa führt heftiger Niederschlag sehr schnell zu Erdrutschen, weil es dort viele baumarme Bergregionen und sandige Gebiete gibt, die kaum Wasser aufnehmen können. In den Alpen sind besonders Gebiete mit Skipisten bedroht. Viele Siedlungen liegen mitten im Gefahrenbereich. Wenn dann durch Dauerregen oder Schneeschmelze große Mengen an Wasser auf den locker gesplitterten Boden treffen und nicht versickern können, gerät der Hang ins Rutschen. Fehlen hier festigende Baumwurzeln, ist eine Katastrophe vorprogrammiert. Das Zerstörungspotential einer Schlammlawine ist groß. Kaum ein Gebäude kann ihr standhalten. 

Fangnetze und Menschenketten

Heute schützen Fangnetze die Bewohner des Schweizer Ortes Gondo vor Steinschlägen. Gegenüber starren Barrieren aus Holz oder Beton haben sie einen entscheidenden Vorteil: Sie sind flexibel und können so einen Teil der zerstörerischen Energie abfedern. Grund für die Widerstandsfähigkeit der Konstruktion sind Metallringe in den Netzen. Sie ziehen sich bei Belastung zusammen und machen das Netz elastisch. Das Problem: Solche Netze schützen zwar vor Steinschlag, nicht aber vor Schlammlawinen. Im Schweizer Tal Randa schützen heute Spezialgitter die Einwohner. Wie ein Sieb trennt das Gitter im Ernstfall Geröll von Wasser. So wird die Mure gebremst und ihre zerstörerische Kraft geschwächt. Doch einen hundertprozentigen Schutz vor Schlammlawinen gibt es nicht.

Den Peruanern blieb 2017 nur noch die Flucht. So konstruierten Rettungskräfte spezielle Seilrutschen, um die Einwohner in Sicherheit zu bringen. Einige flüchteten sich auf Hausdächer – andere wiederum bildeten Menschenketten, um nicht weggespült zu werden. Der peruanische Präsident Kuczynski plant für die Zukunft, die etwa 30 Flüsse, die zur Küste hinführen, besser zu kanalisieren, damit das Wasser abfließen kann. Hoffentlich setzt er das Vorhaben schnell in die Tat um – denn das zerstörerische Umweltphänomen kann jederzeit wieder eintreffen.

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