Worst Case Szenarien 2016

Teil 4: Was passiert, wenn The Really Big One Seattle erschüttert?

Schlafender Riese: In der Nähe von Seattle befindet sich der Mount Rainier – ein aktiver Schichtvulkan, der jederzeit ausbrechen könnte.

Seattle

© Imago / Westend61

Wohnblöcke fallen in sich zusammen wie Kartenhäuser, Trümmer erschlagen Menschen auf der Straße, Feuer vernichten ganze Stadtgebiete, sich plötzlich öffnende Gräben reißen Rettungskräfte in die Tiefe. Das Inferno dauert nur 60 Sekunden, doch nach seinem Ende ist die einst strahlende Metropolregion Seattle mit 3,4 Millionen Einwohnern Geschichte. Im Handumdrehen verlieren Giganten wie Amazon, Microsoft oder Boeing ihren Firmensitz, die Aktienkurse rauschen ins Bodenlose. Die Folgen der Katastrophe beschäftigen die USA für Jahre, das Land ist von einem Moment auf den anderen nicht mehr das gleiche wie vorher – so oder so ähnlich könnten 2016 die Schlagzeilen in den Medien aussehen.

Tatsächlich liegt die Wahrscheinlichkeit eines wirklich großen Bebens der Stärke 9 in der Metropolregion Seattle-Tacoma-Bellevue bei 15 Prozent und damit acht Prozent höher als in Kalifornien. Das Risiko eines Bebens der Stärke 6,8 beträgt sogar 80 Prozent. Die Ursache liegt unter dem Boden des Pazifiks vor der Küste des US-Bundesstaats Washington: Bereits jetzt fängt es dort etwa alle 15 Monate bedenklich an zu grummeln und zu ächzen. Die gewaltigen Spannungen im Untergrund werden durch die sogenannte Cascadia-Subduktionszone verursacht.

Was, wenn es zum Mega-Beben kommt?

Dabei handelt es sich um einen Graben, der sich von Nordkalifornien über die Bundesstaaten Oregon und Washington bis nach Kanada zieht. „Die Spannungen haben sich seit Jahrhunderten aufgebaut“, erklärt Professor John Vidale von der University of Washington in Seattle. Und ihr Epizentrum befindet sich nahe der Stadt Seattle, die mit ihren Häfen die USA an Asien anbindet. Sollte es zu einem Mega-Beben der Stärke 9 kommen, wären die Folgen verheerend.
„Das wäre dann ‚The Really Big One‘“, so Vidale. „Wir gehen von mindestens 3.000, 4.000 Toten aus. Bei einem Tsunami könnten es auch schnell 15.000 oder mehr werden.“ Dazu kämen laut der US-Katastrophenbehörde Fema rund eine Million Obdachlose und mehr als zwei Millionen Menschen ohne Wasser und Nahrung sowie Schäden in Milliardenhöhe. Laut Geheimdienstexperten wären Teile Seattles isoliert und die Versorgung wäre für mindestens eine Woche unterbrochen.

Im schlimmsten Fall könnte Chaos und Anarchie ausbrechen – so wie im Jahr 2005 in New Orleans: Schon drei Tage nach dem zerstörerischen Hurrikan „Katrina“ wurde das Kriegsrecht ausgerufen, und die Nationalgarde war angehalten, auf Plünderer zu schießen. Doch wie akut ist die Gefahr eines derartigen Monster-Bebens? „Wir wissen, dass das Beben kommen wird“, sagt Professor Vidale. Von allen für 2016 berechneten Szenarien gelte „The Really Big One“ als wahrscheinlichstes – gerade da sich unter Städten wie Seattle und Olympia weitere Erdspalten befinden, die jederzeit eine gefährliche Kettenreaktion auslösen könnten.

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