Südamerika: Warum Surinam eine Reise wert ist

Der tropische Regenwald, eine interessante Tierwelt und eine spannende Geschichte – all das bietet Surinam. Das Land ist der kleinste und jüngste Staat in Südamerika und den meisten Menschen ist es noch völlig unbekannt.

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Wenn die Rede von Südamerika ist, denken die meisten Menschen an Brasilien, Chile, Kolumbien oder Peru. Fragt man nach Surinam, denken viele an Indonesien, manche auch an Afrika. Kaum einer der Befragten weiß, dass es der kleinste und jüngste Staat Südamerikas ist, eingezwängt zwischen Brasilien, Guayana und Französisch Guayana. Er ist etwa doppelt so groß wie Österreich, hat aber nur etwas über eine halbe Million Einwohner. Warum lohnt es sich aber durchaus, Surinam oder Suriname, wie es offiziell heißt, zu besuchen
 
Seinen Namen hat Surinam von den Surinen, einem Indianerstamm, der in grauer Vorzeit in der Region lebte. Später wurden sie von den Arawak-Indianern und den Kariben vertrieben und 1498 entdeckte Columbus die Küste. Allerdings waren es nicht die Spanier sondern die Engländer unter Francis Willougbhy, die anno 1651 hier die erste europäische Siedlung gründeten. Nach ihnen kamen die Holländer und sie entschieden die nächsten Jahrhunderte das Schicksal Surinams, das fortan Niederländisch Guayana hieß. 

Viele kulturelle Einflüsse

Das tropische Klima erlaubte den Anbau von Kaffee, Kakao, Baumwolle und Zuckerrohr und mit Hilfe eines Heeres von afrikanischen Sklaven blühte die Landwirtschaft auf und die niederländischen Besitzer kamen zu großem Reichtum. Nach dem Ende der Sklaverei wurden Arbeiter aus Indien, China, Indonesien und dem Libanon geholt. Auch Deutsche kamen als Missionare, Ärzte und Techniker und deshalb ist Surinam heute ein buntes Völkergemisch und vereint auf kleinem Raum kreolische, afrikanische, indische, chinesische, libanesische und indonesische Einflüsse. 
 
Alle Bewohner eint karibische Lebensfreude und eine heitere Gelassenheit, die überall spürbar ist. Erst im Jahr 1975 wurde Surinam eine unabhängige Republik, eine starke Bindung an die Niederlande ist dennoch geblieben. Viele junge Surinamesen arbeiten in den Niederlanden, um ihre daheimgebliebenen Familien finanziell zu unterstützen. Aber auch fast 10.000 Niederländer leben dauerhaft in Surinam. Die Amtssprache ist Niederländisch, daneben wird noch eine Kreol-Sprache, das Sranan-Tongo landesweit gesprochen. 
 
Darüber hinaus existieren noch 23 Regionalsprachen. Die Straßenschilder sind holländisch, die Plantagen haben oft deutschklingende Namen wie Berljn oder Frankfort, die oft dunkelhäutigen Einwohner heißen gern mal Jan, Ruud, Karl oder Kurt. Nur Auto gefahren wird links. Das liegt nicht daran, dass die Engländer zuerst da waren. Vielmehr stammten die ersten Autos im Land aus England und mit ihnen kamen die englischen Chauffeure, die ans Linksfahren gewohnt waren. Dabei beließ man es dann.

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Tropischer Regenwald, wilde Tiere und traditionelle Dörfer

Die Landschaft Surinams ist ebenso breitgefächert wie die Bevölkerung. Aus der breiten sumpfigen Küstenebene steigt das Land stufenförmig zu einer Hochebene auf, aus der stattliche Bergmassive wie die Wilhelmsberge aufragen. Der höchste Berg heißt Julianatop und ist 1.280 Meter hoch. Es gibt mehrere große schiffbare Flüsse, der bekannteste ist der Suriname River, sowie einen gewaltigen Stausee, den Brokopondo. 
 
Fast 80 Prozent Surinams sind mit dichten fast undurchdringlichen Regenwald bedeckt. Er ist ein Teil des Amazonas-Regenwaldes, seine Flora und Fauna sind überaus vielfältig und spannend für Biologen und für naturbegeisterte Touristen. Kaimane, Jaguare, Brüll- und andere Affen, Gürteltiere, Tapire leben hier, genauso wie farbenprächtige Schmetterlinge und Papagaien. Touristen können mit dem Boot durch den Dschungel gleiten oder über Stromschnellen tanzen. 
 
Interessant ist auch das Galibi Nature Reserve im Nordosten Surinams nahe der Grenze zu Französisch Guayana. Hier am Fluss Marowijne gibt es noch einige traditionelle Dörfer der indianischen Ureinwohner. Das gesamte Naturschutzgebiet besitzt keine Wege und Straßen sondern ist nur mit Booten zu erreichen. Im Zentrum des Landes gibt es noch einen weiteren großen Naturpark, den Nationalpark Brownsberg. Er wurde 1969 gegründet und ist ebenfalls durch seine tropische Flora und Fauna bekannt. Neben dem tropischen Regenwald gehören wilde Gebirgszüge, rauschende Wasserfälle und tiefe Flusstäler zu diesem Park. Das größte zusammenhängende Dschungelgebiet von Surinam liegt im Gebiet des Flusses Coppename und seiner zahllosen Nebenflüsse im Distrikt Sipaliwini südlich der Hauptstadt. Deshalb bieten in der Hauptstadt viele Veranstalter die Bootsausflüge in den ansonsten undurchdringlichen Regenwald an. 

Der Tourismus in Surinam

Seit der Unabhängigkeit versucht die Regierung Surinames mit Hilfe der Niederlande den Tourismus im Land aufzubauen. Das einzige Problem dabei ist der Mangel an schönen Stränden. Denn die surinamesische Atlantikküste ist zum größten Teil nicht feinsandig sondern schlammig und das Wasser nicht glasklar und blau sondern schmutzig bräunlich und trübe. Das kommt vom Amazonas und den Schlammmassen, die er rund 500 Kilometer weiter südlich ins Meer spült und die die Strömung an Surinams Küste trägt, wo sich mehrere fast 20 Kilometer lange Schlammbänke gebildet haben und das Wasser trüben. Badegäste lockt die 380 Kilometer lange Küste also kaum an, dafür rosafarbene Delfine und viele Meeresschildkröten, denen der Schlamm nichts ausmacht. Nur in der Nähe der Stadt Albina nahe der Grenze zu Französisch Guayana gibt es ein paar Strandbäder. Aber für Naturliebhaber ist Switi Sranan, wie die Surinamesen ihr Land nennen, ein noch weitgehend unentdecktes Reiseziel mit weitgehend intakter Natur.
 
Die Hauptstadt Paramaribo liegt nicht weit vom Atlantik entfernt am Suriname River und hat an die 250.000 Einwohner. Obwohl sie im 19.Jahrhundert zweimal durch Großbrände fast völlig zerstört wurde, hat die Stadt heute eine historische Altstadt, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Besonders reizvoll sind die Holzhäuser im holländischen Baustil, die vielen Holzkirchen, Tempel und Moscheen, die für die multikulturelle Zusammensetzung des Landes stehen. 
 
Auch eine Synagoge gibt es in der surinamesischen Hauptstadt. Ein Besuch lohnt sich auch auf den vielen Straßenmärkten und den Hafen. Hier gibt es noch ein Stück deutscher Geschichte zu sehen. Mitten im Fluss ragt das Heck der Goslar aus dem Wasser. Sie war ein deutsches Fracht-und Kriegsschiff und sank hier in einer Mainacht im Jahr 1940. Sehenswert sind auch einige historische Honorarkonsulate, so zum Beispiel das deutsche und das österreichische Konsulat. Die prächtigsten Gebäude sind der Präsidentenpalast und das Finanzministerium aus dem 19. Jahrhundert. Direkt am Fluss sticht das moderne Parlamentsgebäude architektonisch hervor. 
 
Die Städte Albina, Lelydorp und Nieuw Nickerie liegen ebenfalls in der Küstenregion. Nieuw Nickerie ist eine Grenzstadt zu Guayana und die Bevölkerung zu beiden Seiten der Grenze besteht zum größten Teil aus den Nachfahren indischer Einwanderer. Deshalb gibt es hier auch die meisten indischen Tempel.

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