Tierwelt

Starke Truppe: Die erstaunlichen Tricks der Erdmännchen

Erdmännchen gehören zu den sozialsten Säugetieren der Welt. Ihre Kooperation sichert den kleinen Tieren das Überleben in der afrikanischen Kalahari. Als Gruppe gelingt es ihnen sogar, gefährliche Raubtiere wie Schlangen oder Schakale zu vertreiben.

© iStock-nattanan726

Hoch aufgerichtet sitzt ein erwachsenes Erdmännchen in der Kalahari in der Nähe eines Baus. Um es herum tollen vier Junge und erkunden die nähere Umgebung. Das erwachsene Tier ist jedoch nicht die Mutter, sondern ein anderes Rudelmitglied. Es erfüllt einen Babysitterjob – typisch für Erdmännchen. Wachsam behält es die Umgebung im Blick, schmust ab und zu mit den Kleinen oder holt ein allzu vorwitziges Junges in seine Nähe zurück.

Erdmännchen sind in Südafrika sowie in den südlichen Teilen von Namibia und Botswana verbreitet. Ihr bevorzugter Lebensraum sind die Savanne und die Halbwüste. Sie gehören zur Familie der Schleichkatzen und leben großen Clans von bis zu fünfzig Mitgliedern, die sich liebevoll umeinander kümmern. Erdmännchen heißen sie, weil sie oft wie Menschen auf zwei Beinen stehen, um die Umgebung besser zu beobachten. Sie messen ohne Schwanz gerade mal dreißig Zentimeter, doch sie demonstrieren eindrucksvoll, dass das kein Maßstab für wahre Größe ist: Die Tiere haben nicht nur eine enorm hohe soziale Kompetenz, sondern auch ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem. Diese besonderen Fähigkeiten machen sie zu regelrechten Überlebenskünstlern.

Kein Essen während des Babysittings

Erdmännchen leben miteinander in einem engen sozialen Geflecht. Die Aufzucht der Jungen übernimmt die ganze Familie. Abwechselnd halten einzelne Tiere Wache, während der Rest des Rudels auf Nahrungssuche geht. Und obwohl meistens nur das ranghöchste Weibchen Nachkommen zeugt, kümmern sich auch alle anderen Erdmännchen liebevoll um den Nachwuchs. Erstaunlicherweise geben einige der weiblichen Tiere während der Babysitterzeit sogar Milch, obwohl sie selbst keine Jungen geboren haben. 

Die Aufpasser tragen eine hohe Verantwortung: Trotz bester Fürsorge überlebt nur jedes vierte Junge. Deshalb nehmen alle Tiere ihre Aufgabe sehr ernst. Während sie aufpassen, fressen die Babysitter nichts und verlieren so an einem Tag bis zu zwei Prozent ihres Körpergewichts. Sobald die Kleinen alt genug sind, um auch feste Nahrung zu sich zu nehmen, bekommt jedes einen eigenen Lehrer, der ihnen zeigt, wo und wie Beute zu finden ist.

Eine beliebte Speise der Erdmännchen sind Skorpione. Deshalb lernen die Jungen spielerisch, wie man sie fängt und verzehrt, ohne gestochen zu werden. Die Jagd wird den Jungen Schritt für Schritt beigebracht: Zuerst wird ihnen ein totes Beutetier vorgelegt, danach dürfen sie sich an einem lebenden Skorpion versuchen, dem die anderen Erdmännchen aber vorher den Stachel ausgerissen haben.

Wächter melden, welcher Feind sich nähert

Die tagaktiven Erdmännchen sind fast ständig auf der Jagd nach Nahrung, die sie vor allem in der Erde finden. Und das ist gefährlich: Erdmännchen haben eine Menge natürlicher Feinde, die nur darauf warten, eines der Tiere, das gerade mit dem Kopf im Sand steckt, zu überraschen. Damit so etwas nicht passiert, haben die Erdmännchen ein ausgeklügeltes Alarmsystem entwickelt: Abwechselnd hält immer ein Tier des Rudels Wache. Entdeckt der Wächter einen Feind, stößt er sofort einen schrillen Alarmton aus. Je nach Ton erkennen die anderen Rudelmitglieder sofort, um welchen Feind es sich handelt. Meldet der Wächter einen Feind aus der Luft, zum Beispiel einen Kampfadler, bedeutet das: Rette sich, wer kann – und zwar so schnell wie möglich. In Windeseile verschwinden die Erdmännchen daraufhin in ihrem Bau oder in den verschiedenen Schutzlöchern, die sie zu diesem Zweck angelegt haben.

Wird ein Feind auf dem Boden gemeldet, zum Beispiel eine Schlange oder ein Schakal, versuchen die Erdmännchen zunächst, den Eindringling im Gruppenverband zu vertreiben – und das meist mit erstaunlichem Erfolg. Je größer die Gruppe ist, umso sicherer leben die Erdmännchen, da immer genügend Wächter zur Verfügung stehen. 

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