Vulkane

Schlummernde Hölle - Spuckt die Eifel bald wieder Feuer?

Was im deutschen Film „Der Vulkan“ aus dem Jahr 2009 reine Fiktion war, könnte schon bald zur tödlichen Wirklichkeit werden: Unter der Eifel befindet sich glühend heißes Magma. Es arbeitet und sendet regelmäßig Grüße an die Oberfläche. Steht der Eifel nach über 10.000 Jahren ein neuer Vulkanausbruch bevor?

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Mit der Macht von 500 Hiroshima-Atombomben sprengt das Magma die Erddecke. Aus der klaffenden Wunde schießt eine 30 Kilometer hohe Glutsäule hervor und krempelt mit einem Mal das Erdinnere nach außen. Apokalyptischer Ascheregen vernebelt die Sicht, schleudert tödliche Lava- und Gesteinsbrocken. Und als hätte sich die Unterwelt damit noch nicht genug ausgetobt, begräbt eine Glutlawine mit einer Geschwindigkeit von 400 Stundenkilometern alles unter ihrer tödlichen Decke, was sich ihr in den Weg stellt. Nach zwei Wochen hat sich die Unterwelt beruhigt - zurück bleibt ein schwarz-graues Feld der Verwüstung.

Zeitsprung ins Hier und Jetzt

Wer die Vulkaneifel im Rheinland besucht, kann sich schwer vorstellen, dass sich hier vor 13.000 Jahren solche Endzeitszenarien abgespielt haben. Doch tatsächlich verzeichnet das Gebiet die weltweit höchste Konzentration an Vulkanen. Als Plattenbewegungen vor 700.000 Jahren das Rheinische Schiefergebirge aus dem Boden hoben, begann aufsteigendes Magma wie eine Schrotflinte den Erdmantel immer wieder zu durchsieben und erschuf im Lauf der Jahrtausende etwa 300 Eruptionszentren.

Verwunschene Vulkanseen

Eine Besonderheit der Vulkaneifel sind die sogenannten Maare - riesige, teils mit Wasser gefüllte oberirdische Mulden. Sie entstehen, wenn aufsteigendes Magma auf Grundwasser trifft und es so zu einer gewaltigen Wasserdampfexplosion kommt. Am jüngsten ist das Ulmener Maar, das vor etwa 11.000 Jahren entstand. Viele Legenden ranken sich um das Ulmener Maar - nicht zuletzt, da an einem seiner Waldhänge die Ruine einer ehemals mächtigen Festung thront. So erzählte man sich früher, in dem Maar lebe ein gewaltiger Fisch, der nur darauf warte, einen der Burgherren oder einen unachtsamen Badenden mit sich in die Tiefe zu reißen. Und tatsächlich sei jedes Mal, wenn ein menschliches Auge den Riesenfisch erblickte, einer der Burgherren gestorben ...

Die Erde arbeitet

Geologen, Seismologen und Vulkanologen aus ganz Deutschland macht die Eifel jedoch aus einem ganz anderen Grund ernsthafte Sorgen: Zwar liegt der letzte Ausbruch mehrere Tausend Jahre zurück - doch die Erde arbeitet und sendet immer wieder Grüße aus der Tiefe. Am Ostufer des Laacher Sees beispielsweise steigen an einer bestimmten Stelle unablässig kleine Bläschen an die Oberfläche. Es sind Kohlendioxid-Gase, die von dem Magna stammen, das unter dem Vulkansee schlummert. Sie treten aus einer Störungslinie aus, die an dieser Stelle durch den Laacher See verläuft. Störungslinien bezeichnen die Trennlinien zwischen zwei Erdplatten, die sich gegeneinander bewegen oder mal bewegt haben. Hier ist das Gestein sehr zerklüftet und damit durchlässig für Gase. In hoher Konzentration ist Kohlendioxid für den Menschen tödlich, weshalb unvorsichtige oder leichtsinnige Schwimmer hier ihr Leben riskieren würden.

Kaltwasserfontänen und Mikrobeben

Doch auch an anderer Stelle tritt das Kohlendioxid als Vorbote eines Ausbruchs eindrucksvoll zu Tage: In Andernach bricht in regelmäßigen Abständen der größte Kaltwassergeysir der Welt aus. Bis zu 60 Meter hohe Fontänen schleudert der brodelnde Schlund dabei in die Luft. Geysire find für gewöhnlich heiße Quellen, die ihr Wasser in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen als Fontäne ausstoßen - wie der Große Geysir auf Island. Kaltwassergeysire sind jedoch nicht natürlich, sondern menschgemacht, sprich: Sie entstehen durch Bohrungen. Neben den aufsteigenden Gasen, macht das Erdinnere auch in anderer Form auf sich aufmerksam: Im Neuwieder Becken werden regelmäßig Mikroerdbeben der Stärken zwischen 0,7 bis 1,2 auf der Richterskala gemessen. Sie sind kaum spürbar und doch zeigen sie, dass die Welt unter dem Erdmantel noch lange nicht zur Ruhe gekommen ist.

Ein möglicher Ausbruch: Was sagen Experten?

Der Kieler Vulkanologe Hans-Ulrich Schmincke warnt davor, die vulkanische Aktivität der Eifel zu unterschätzen - und damit ist er nicht der Einzige. Naturwissenschaftler in ganz Deutschland drängen dazu, die Eifel regelmäßig mit speziellen Messgeräten rund um die West- und Osteifel zu überwachen. Erwärmungen der Maarseen, vermehrte Ausstöße an Kohlendioxid und jedes Mikrobeben können bereits leuchtende Warnsignale eines bevorstehenden Ausbruchs sein. Wie schnell es dazu kommen kann, dass sich die Erde auftut und Gift und Galle spuckt, darüber können Experten keine genauen Auskünfte geben. Zwischen einigen Monaten (!) und mehreren Jahrtausenden ist jedoch alles denkbar - darin sind sie sich ziemlich einig.


Alarmsignal Ameise?

Lässt sich der Zeitpunkt, an dem die Eifel ausbrechen wird, denn nicht genauer bestimmen? Dieser Frage ist der deutsche Geologe Ulrich Schreiber von der Universität Duisburg nachgegangen. In seinem Buch "Die Flucht der Ameisen - Eine geokalyptische Vision" sieht er Ameisen als Schlüssel für ein zuverlässiges Frühwarnsystem an. Schreiber fand heraus, dass die Insekten bevorzugt an tektonischen Störungen siedeln. Die hier in geringen Mengen austretenden Gase bringen Wärme mit sich und sind so die ideale Bruthilfe für die Ameiseneier. Erhöht sich jedoch die Menge an austretendem Gas, wird das Kohlendioxid für die Ameisen zur lebensgefährlichen Falle. Die Reaktion: Die Tiere würden scharenweise ihre Nester verlassen. Genau deshalb müsse man das Verhalten der Ameisen genauestens beobachten, erklärt Schreiber. Hieb- und stichfest ist seine Theorie noch nicht, doch vieles spricht dafür. So auch die Tatsache, dass Ameisen ihre Nester für gewöhnlich in Nadelwäldern bauen. In der Vulkaneifel gibt es allerdings haufenweise Ameisennester in Laubwäldern - und an Störungslinien ...


Neuzeitliches Inferno: Sind wir gewappnet?

Sollte sich in der Vulkaneifel in naher Zukunft wortwörtlich die Hölle auftun, wären Millionen von Menschen dem Zorn der Unterwelt hilflos ausgesetzt. Die Feuerwehr besitzt für diesen Fall keine Katastrophen-Notfallpläne. Das Technische Hilfswerk ebenso wenig. Selbst wenn sie diese besäßen, bezweifeln die Rettungskräfte, dass sie in dem Inferno aus Asche, Glut und Steinschlägen noch etwas ausrichten könnten. Genau deswegen plädieren Geologen wie Ulrich Schreiber so dringend darauf, Gefahrenkarten zu erstellen und feste Messgeräte in der gesamten Vulkaneifel aufzustellen, mit denen Experten konstant Untersuchungen durchführen und die Menschen in der Region rechtzeitig vor einem apokalyptischen Ausbruch evakuieren können. Auch Notfallpläne muss es geben - denn wie und wohin evakuiert man im schlimmsten Fall Millionen von Menschen aus dem Rheingebiet?


Schlummernde Hölle

Ein Blick auf die geologischen Besonderheiten der Vulkaneifel lässt keinen Zweifel mehr offen: Hier lebt der Untergrund noch immer. Etwas arbeitet sichtbar im Erdreich - und nur, weil es seit Jahrtausenden keinen Vulkanausbruch mehr auf deutschem Boden gab, heißt das noch lange nicht, dass dieser auch für immer schweigt. Plötzliche Ausbrüche vergangener Jahre wie in Island oder Indonesien zeigen, dass auf der ganzen Welt lange Zeit schlafende Riesen wieder erwachen. Wieso also nicht auch in Deutschland? Es wäre fatal für die deutsche Bevölkerung die Natur dermaßen zu unterschätzen ...

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