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Tierwelt

Scharfschützen und Psychokiller: Die raffiniertesten Jäger im Tierreich

In der Tierwelt gibt es Geschöpfe, die mit erstaunlicher krimineller Energie ausgestattet sind: Sie erschießen, fesseln, hypnotisieren oder manipulieren ihre Opfer auf perfide Weise.

© Imago/Blickwinkel

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Der maulwurfsähnliche Sternmull (Bild) war Forschern lange Zeit ein Rätsel: Welchen evolutionsbedingten Grund konnte die sonderbare Form seiner Nase haben? Es sei ein höher entwickeltes Riechorgan, mutmaßten die Wissenschaftler, vielleicht eine Art Sensorsystem zum Aufspüren elektromagnetischer Felder oder eine fünfte Hand zum Beutegreifen. Schließlich kam man dem eigenartigen Tier durch Hochgeschwindigkeitsaufnahmen auf die Schliche: Forscher fanden heraus, dass die Tentakeln der Sternmullnase dem Aufspüren von Erdmilben dienen – Kleinorganismen, die er innerhalb von Sekundenbruchteilen abtastet, erkennt und verschlingt. Dafür braucht er nicht einmal eine Viertelsekunde und gehört damit zu den schnellsten Essern im Reich der Säugetiere.

Doch der Sternmull ist längst nicht das einzige Tier, das auf interessante Weise an Nahrung gelangt. Auch das Aye-Aye ist ein wahrer Experte im Zusammenkratzen von Futter. Am liebsten nascht es die Larven des Afrikanischen Schusslochbohrers, die etwa zehn Zentimeter tief im warmen Baumstamm leben. Um in den Regenwäldern Madagaskars an die leckere Mahlzeit zu gelangen, geht das Äffchen wie ein professioneller Panzerknacker vor: Es sucht gezielt nach Hohlräumen und verdächtigen Bewegungen. Dabei hilft ihm sein knochiger Mittelfinger: Wie ein Specht klopft das Aye-Aye damit an die Bäume. Mit der spitzen Mittelfingerkralle werden die Larven zu Tage befördert und genüsslich verspeist.

Scharfschütze und Panzerfaust

Manch ein Tier greift bei der Jagd auf erstaunliche Waffen zurück. Der Schützenfisch aus den Küstengebieten Südostasiens zum Beispiel kann bis zu vier Meter weit mit seinem Wasserstrahl spucken. Dabei formt der Fisch mithilfe von Zunge und Gaumen eine Röhre, aus der er die Wasserladung katapultiert. Seine überraschten Opfer werden davon senkrecht in die Luft geschleudert und fallen anschließend ins Wasser. Der für so einen Schuss nötige Druck entsteht in den Fischkiemen, die der Schützenfisch blitzschnell zusammenzieht. Das Manöver verlangt allerdings viel Übung: Da das Licht im Wasser anders bricht als in der Luft, lernen die jungen Fische das richtige Zielen erst nach einer Reihe frustrierender Fehlversuche.

Auch der Fangschreckenkrebs hat eine ganz spezielle Technik auf Lager: Mit seiner verhärteten und zur Keule umfunktionierten Faust zertrümmert er den Krabbenpanzer seiner Beutetiere, fast wie eine Pistolenkugel. 23 Meter pro Sekunde schnell ist sein Schlag – eine der schnellsten bekannten Bewegungen im Tierreich. Auch für Menschen ist der Krebs nicht ungefährlich: Seine Superfaust hat schon zahlreiche Knochenverletzungen verursacht.

Hypnotiseure und Psychokiller

Der Tintenfisch wiederum hat sich aufs Hypnotisieren spezialisiert. Dabei bewegt er seine Arme in stetigem Rhythmus, glänzt in pulsierendem Licht und zerfließt geradezu in Farben und Körpermustern. Dieser „Tanz“ lenkt sein Opfer ab – denn zwischen seinen vielen Tentakeln befinden sich auch zwei tödliche Fangarme. Hat der Tintenfisch das Opfer in seinen Bann gezogen, gibt es kein Zurück mehr: Die Fangarme schnappen zu.

Auch ein Saugwurm mit dem komplizierten Namen Leucochloridium paradoxum hat Psychotricks auf Lager – und verfolgt dabei sogar eine besonders perfide Strategie. Der Parasit ist immer auf der Suche nach einem Wirt, in dessen Magen er sich vermehren kann – beispielsweise in dem eines Vogels. Um dorthin zu gelangen, wendet er einen Trick an: Er schleust sich in den Körper einer Schnecke und wandert in ihre Fühler. Diese schwellen daraufhin an und beginnen zu pulsieren. So sollen Vögel angelockt werden, die die Fühler oder gleich die ganze Schnecke fressen, damit der Wurm in den Vogelkörper gelangen kann.

Damit die Schnecke auch wirklich gefressen wird, manipuliert der Wurm ihr Verhalten – sie wird zum willenlosen Zombie. Während sich ihre gesunden Artgenossen unter den Blättern verstecken, um nicht von Jägern entdeckt zu werden, gleitet die besessene Schnecke gut sichtbar umher und versucht, die Aufmerksamkeit von Vögeln zu erregen.

Hinterhalt im Meer

Eine andere Strategie verfolgen Buckelwale. Sie ernähren sich hauptsächlich von Krebstieren, doch auch Schwarmfische wie etwa Heringe sind eine willkommene Mahlzeit. Leider sind die wendigen Tiere außerordentlich schwer zu fangen. Der Schwarm ist kaum zu greifen, eine lose, sich ständig neu formierende Masse. So sehr er sich auch anstrengt – der Buckelwal beißt trotz seines fünf Meter breiten Mauls immer wieder ins Leere.

Um nicht auf das wohlschmeckende Mahl verzichten zu müssen, tun sich mehrere Buckelwale zusammen und legen sich in einen Hinterhalt. Einige Tiere treiben die Fische zusammen, die daraufhin erschreckt abtauchen. Dort, in der Tiefe, wartet ein schon weiterer Jäger. Kaum haben die Wale die Heringe von allen Seiten umkreist, stoßen sie unerträglich laute Schreie aus. Die Heringe flüchten daraufhin panisch zur Wasseroberfläche. Die Wale schießen in spiralförmigen Kreisen hinter ihnen her, und wenn sie kleinen Fische an der Oberfläche hilflos zappeln, schnappen die fünf oder sechs weit aufgerissenen Mäuler zu.
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