Psychopathen der Weltgeschichte

Pol Pot: Vom unscheinbaren Lehrer zum Massenmörder

Kein Massenmörder hat je so einen radikalen Krieg gegen das eigene Volk geführt wie Pol Pot. Er träumt vom längst vergangenen Glanze Kambodschas und verfolgt einen perfiden Plan, um die Zeit um 500 Jahre zurückzudrehen.

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Auf den ersten Blick ist Saloth Sar ein Lehrer wie jeder andere an der privaten Hochschule Chamraon Vichea in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas. Er wurde in Paris ausgebildet, Frankreich ist die Kolonialmacht des Landes. Saloth Sar ist beliebt bei seinen Schülern. Er ist geduldig, seine Ausführungen sind verständlich, sein Unterrichtsstil fair. Saloth Sar hält es nie lange an seinem Pult aus, er geht durch die Reihen seiner Schüler, während er vor den frühen Kulturen Kambodschas erzählt. 

Aus Saloth Sar wird Pol Pot

Es ist das Jahr 1951. Was die Schüler nicht wissen: Durch diesen Lehrer wird jeder Vierte in diesem Klassenzimmer den Tod finden. Eins, zwei, drei, tot. Insgesamt bis zu zwei Millionen Kambodschaner wird dieser Lehrer auf dem Gewissen haben. Den Namen Saloth Sar wird er dann abgelegt haben und nur noch seinen Kampfnamen benutzen: Pol Pot. 
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Kein Massenmörder hat je so radikal Krieg gegen das eigene Volk geführt wie Pol Pot. Er träumt vom längst vergangenen Glanze Kambodschas, als das Weltwunder Angkor Wat noch bewohnt war – vor 500 Jahren. Also – und das ist die Logik eines psychopathischen Gehirns – muss er die Umstände von vor 500 Jahren wiederherstellen. Sein Plan: 1. Vertreibung der französischen Kolonialherren. 2. Sturz der Monarchie und Ausrufung des Kommunismus. 3. Zerstörung alle technischen Errungenschaften und Rückkehr zum antiken Bauernstaat. 

Anfang und Ende der Killing Fields

Pol Pot hat Glück: Die Vietnamesen vertreiben die Franzosen. 1966 stürzen die USA den kambodschanischen König und etablieren eine Militärregierung. Nun nimmt Pol Pot mit seinen Guerilla-Kämpfern der Roten Khmer den Kampf auf. Mit Erfolg: 1975 erobert er die Hauptstadt Phnom Penh. Das ist der Beginn der brutalsten Menschenvernichtung in Südostasien. Die gesamte Bevölkerung Phnom Penhs wird gezwungen, die Stadt zu verlassen – sie sollen alle Bauern werden. Viele sterben bei der Umsiedlung an Krankheiten und vor Hunger. Wer sich weigert oder seine Arbeit nur halbherzig macht, wird ermordet. Die Ernteerträge steigern sich aber nicht, sie brechen radikal ein. 

Pol Pot vermutet Sabotage, jede Kritik stempelt er als Verrat ab: So beginnt die politische Säuberung. Tausende werden in den sogenannten Killing Fields ermordet. Pol Pots Psychopathie hat da längst die Schwelle zum Wahnsinn überschritten. In dem Glauben, Vietnam wolle ihn angreifen, überfällt er seinen Nachbarn ab 1978 regelmäßig: Die Roten Khmer richten ein Blutbad nach dem anderen an. Vietnam schlägt zurück: In einem Handstreich nehmen die Vietnamesen Phnom Penh ein, Pol Pot flieht in den Untergrund. Dort stirbt er 1998. 

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