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Geschichte

Plünderer, Eroberer, Entdecker: Wie die Wikinger die Welt eroberten

Über Jahrhunderte hinweg verbreiteten die Wikinger Angst und Schrecken. Von ihrer Heimat Skandinavien aus eroberten die Nordmänner fast die gesamte damals bekannte Welt und darüber hinaus: Vermutlich war es ein Wikinger, der als Erster seinen Fuß auf amerikanisches Festland setzte – fünfhundert Jahre vor Kolumbus.

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Lautlos gleiten die Drachenschiffe über das Meer. Im Morgennebel nähern sie sich der Küste. Plötzlich geht alles ganz schnell: Männer springen von Bord und stürmen an Land. Brutal plündern und brandschatzen sie das Dorf, lassen nur rauchende Trümmer zurück. Wieder einmal. Im achten Jahrhundert hatten sich riesige Verbände von Wikingern zusammengeschlossen, um Städte und Klöster in ganz Europa zu überfallen. Ihren Beutezügen verdanken die Nordmänner auch ihren Namen: Wikinger kommt von dem altnordischen Wort vikingr und bedeutet wahrscheinlich Seekrieger. 

Bei den Wikingern handelte es sich aber nicht um einen einheitlichen Volksstamm, sondern um mehrere Sippen, die eine gemeinsame Sprache und Kultur vereinte. Ihre Vorfahren waren Germanen, die sich in Skandinavien niedergelassen hatten. Von 800 bis 1100 nach Christus bevölkerten sie die Küstenregionen von Dänemark, Schweden und Norwegen. Mitte des achten Jahrhunderts begannen die Wikinger mit ihren Eroberungsfeldzügen. Sukzessive hinterließen sie Spuren in ganz Europa. Vermutlich waren Überbevölkerung und Ressourcenknappheit Gründe, warum sie ihre Heimat Skandinavien verließen und auf Raubzug gingen. Historiker glauben heute, dass wohlhabende Wikinger mehrere Frauen hatten und dementsprechend viele Kinder zeugten. Die Besitztümer erbte aber generell nur der erstgeborene Sohn. So waren die jüngeren Geschwister gezwungen, selbst für ihr Einkommen zu sorgen – und der Reichtum, den die Plünderungen versprachen, erschien verlockend.

Handel und Schiffbau

Die meisten Wikinger waren Bauern. Einige arbeiteten auch als Handelsleute. Das zeigt Haithabu in Schleswig-Holstein: Der durch die Schlei mit der Ostsee verbundene Ort war ein bedeutendes Handelszentrum des Nordvolkes. Die günstige Lage des Ortes machte ihn zum Umschlagplatz für den ganzen nordeuropäischen Raum und verband Nord- und Ostsee. Haithabu gilt als eine der ersten Städte Nordeuropas. An die Stadt schloss das Danewerk an – ein rund dreißig Kilometer langer Wall, der sich quer durch Schleswig-Holstein zog und die Südgrenze des damaligen Wikingerreiches bildete.

Doch die Männer aus dem Norden, auch Normannen genannt, waren nicht nur Handelsmacht, sondern auch geschickte Seefahrer. Ihre herausragende Schiffsbaukunst trug wesentlich zum Erfolg ihrer Raubzüge bei. Sie bauten die damals besten Schiffe Europas. Gefürchtet war das bis zu dreißig Meter lange, wendige Langschiff oder Drachenschiff, das sie als Kriegsschiff einsetzten. Dies bescherte den Wikingern einen entscheidenden Vorteil: Ihre Schiffe lagen so tief im Wasser, dass sie keinen Hafen benötigten. Vom Land aus waren sie fast nicht zu sehen. Wurden sie entdeckt, war es meist zu spät für Abwehrmaßnahmen. So konnten die Wikinger nahezu ungehindert an Land stürmen und sich ihrer Beute bemächtigen.

Die Raubzüge der Wikinger begannen mit dem Kloster der Insel Lindisfarne an der Nordostküste Englands. Die Männer aus dem Norden stürmten sie  im Jahr 793 nach Christus, rissen sich Gold, Silber und Edelsteine des Klosters unter den Nagel und machten deutlich, dass nun eine andere Zeit anbrach. Nach den Plünderungen in England wandten sich die Männer aus dem Norden Irland zu. Im Mittelpunkt ihres Interesses standen auch hier die Klöster, die für ihren Reichtum bekannt waren. Ein weiteres Ziel der Beutezüge waren Menschen: Als Sklaven konnten sie sie entweder selbst gut gebrauchen oder verkaufen.

Berauscht von ihrem Erfolg fuhren die Wikinger anschließend die Elbe hinab und plünderten Hamburg. Im gleichen Jahr, 845, segelten sie auch die Seine hinunter und raubten Paris aus. Die Stadt kaufte sich mit 7.000 Pfund Silber von der Belagerung der Wikinger frei – ein Ansporn für die Plünderer, weiter über das ganze Frankenreich herzufallen. Dort sind die von den Wikingern hinterlassenen Spuren bis heute spürbar: Der Teil der französischen Küste, die Normandie, erhielt ihren Namen durch die Wikinger – Land der Normannen.

Eroberung und Kolonisation

In der folgenden Zeit fielen die Wikinger mit ihrer Flotte über ganz Europa her. Nach Friesland und dem fränkischen Reich nahmen sie Spanien und Portugal ins Visier. Und auch im Mittelmeergebiet trieben sie ihr Unwesen: Italien, Nordafrika, sogar bis nach Istanbul drangen die Nordmänner vor.

Selbst im Osten Europas breiteten sich die Wikinger aus: Sie fuhren Flüsse wie die Wolga oder den Dnjepr hinab und gelangen so bis ans Schwarze Meer, wo die Reichtümer des großen Byzantinischen Reiches lockten. Auch dort sind ihre Spuren noch allgegenwärtig: Die Bewohner des Landes, das die Wikinger durchkreuzten, nannten diese „Rus“ – darin liegt der Ursprung des heutigen Namens Russland. Vereinzelt ist sogar belegt, dass sie über das Kaspische Meer bis nach Bagdad vordrangen.

Entdeckung neuer Welten

Im achten und neunten Jahrhundert besiedelten die Wikinger allmählich weitere Gebiete: Zunächst nahmen sie Island ein, wo sie das bis heute noch geltende Regierungssystem – das Althing – ins Leben riefen. Schließlich machte sich der Wikinger Erik der Rote mit fünfzehn Männern von Island aus auf den Weg Richtung Westen. Die Insel, die er dabei entdeckte, nannte er „Grünes Land“: das heutige Grönland. Inspiriert von seinen Erzählungen, machte sich im Jahr 996 ein Landsmann, Bjarni Hjerlufson, auf den Weg, um das neu entdeckte Land auszukundschaften. Doch durch einen Sturm kam er vom Kurs ab und sichtete stattdessen ein anderes Land: Amerika! Er gilt heute als erster Europäer, der den Kontinent erblickte – allerdings ohne von Bord gegangen zu sein.
 
Neugierig geworden, segelte daraufhin auch Leif Eriksson, der Sohn Erik des Roten, um das Jahr 1000 nach Westen. Dabei gelangte er nach Labrador und Neufundland und ging tatsächlich auch von Bord. Leif war damit der erste Wikinger, der seinen Fuß auf nordamerikanische Erde setzte – und das rund fünfhundert Jahre, bevor Christoph Kolumbus den amerikanischen Kontinent erreichte.
 
Nach dreihundert Jahren endete die Wikingerära. Ihre Schiffe waren nicht mehr die besten, die es in Europa gab – andere Völker hatten sie überholt. Die Vorherrschaft der rauen Männer aus dem Norden gehörte damit der Vergangenheit an. Lange wehrten sich die Wikinger auch gegen den christlichen Glauben und hielten stattdessen an ihren heidnischen Göttern fest. Doch als sich das Christentum immer mehr durchsetzte, bekannten sich schließlich auch viele Wikinger dazu. Nicht zuletzt sorgten politische Veränderungen dafür, dass die Nordmänner an Einfluss einbüßten: Die christlich gewordenen Wikinger ließen sich zu Königen krönen und machten die Länder Skandinaviens zu ihren Reichen.  So ereignisreich die Wikingerzeit auch war – sie endete leise und im Verborgenen. 
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